Kanal als bizarre Fundgrube

Babenhausen ‐ Wie kommt ein Feuerlöscher in die Abwasserkanäle? Diesen Fund hat der Eigenbetrieb Stadtentwässerung nämlich in der Kanalisation gemacht, dabei lässt sich ein solches Gerät nicht eben schnell einmal die Toilette herunter spülen. Von Niels Britsch

„Wir vermuten, dass jemand einen Schachtdeckel aufgemacht und den Feuerlöscher hinein geschmissen hat“, sagt Christian Heinemann, Leiter der städtischen Eigenbetriebe. Über die Motive einer solchen Entsorgung kann indes auch er nur spekulieren: Vandalismus komme in Frage, „vielleicht war es aber auch einfach nur Dummheit“.

Das sperrige Brandbekämpfungs-Instrument ist längst nicht der einzige Gegenstand, der in einer Kanalisation eigentlich nichts verloren hat, aber trotzdem dort mitgespült wurde. „Einen Plastikeimer, ein schnurloses Telefon, Geldbörsen und Autoschlüssel haben die Mitarbeiter schon gefunden“, zählt Heinemann auf. Dabei kann man zumindest von letzteren Stücken vermuten, dass sie unabsichtlich in der Kanalisation gelandet sind.

Kosten belasten den Gebührenhaushalt

„Über die Kanalisation dürfen aus dem häuslichen Bereich ausschließlich Fäkalien und Toilettenpapier entsorgt werden“, betont Bürgermeisterin Gabi Coutandin. Verbandsmaterial, Speisereste und sonstige nichtorganische Materialien sorgten dafür, dass das Kläranlagenpersonal die Kanäle, Leitungen, Pumpen und Maschinen mit großem Aufwand von solchem Unrat befreien müsse. „Die Kosten für die Reinigung belasten den Gebührenhaushalt der Stadtentwässerung zusätzlich“, so die Rathauschefin.

Die Kanäle seien für die Ableitung von häuslichen und industriellen Abwässern sowie für Niederschlagswasser konzipiert. „Was leichtsinnig in den Aufguss geschüttet wird, belastet die Kanalisation, gefährdet unsere Abwässer und Ufer“, appelliert Coutandin auch an das Umweltbewusstsein der Bevölkerung. „Verpackungen, Windeln, Slipeinlagen, Rasierklingen, Kondome, Wattestäbchen und Kleintierstreu sind über den Hausmüll zu entsorgen.“

Unsachgemäße Müllbeseitigung nicht nur unappetitlich

Außerdem weist das Stadtoberhaupt darauf hin, dass herunter gespülte Essensreste Ratten in die Kanalisation locken und diese sich dort vermehren. „In der letzten Zeit sind vermehrt Anrufe von Bürgern eingegangen, die Ratten gesichtet haben“, informiert sie. Eindringlich bittet Bürgermeisterin Gabi Coutandin darum, Öle, Farben, Lackreste, Chemikalien oder Reste von Medikamenten bei der Sonderabfallsammlung oder in den Verkaufsgeschäften kostenlos abzugeben. Die Termine für die Sondermüllsammlung könne man dem Abfallkalender entnehmen, außerdem bietet sie den Bürgern an, sich bei Fragen zur Entsorgung an die zuständigen Stellen in der Stadtverwaltung zu wenden.

Die unsachgemäße Müllbeseitigung in Toilette und Spüle ist indes nicht nur unappetitlich und kann zu Umweltschäden und Verstopfungen in den Kanälen führen, sondern der Feuerlöscher birgt für das Personal einer Kläranlage auch Gefahren: „Saug-, Quetsch- und Druckwirkungen durch Förderschnecken und Pumpen können diesen zum Bersten bringen und die die Mitarbeiter dadurch verletzen.“

Wer zum alltäglichen Toiletten-Geschäft auf die Konversation mittels schnurlosem Telefon nicht verzichten kann, sollte es demnach tunlichst vermeiden, dieses vor Schreck über die Nachrichten am anderen Ende der Leitung aus Versehen fallen zu lassen.

Quelle: op-online.de

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