Nach der Einigung ein Bierchen

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Schiedsmann Karl Heinz Bader.

Langstadt - Das Wesen des Schiedsamtes gibt es in mehreren deutschen Bundesländern als Organ der Rechtspflege. Es soll die Amtsgerichte entlasten und zur Lösung in kleineren nachbarschaftsrechtlichen aber auch strafrechtlichen Angelegenheiten führen.

In Langstadt übt Karl Heinz Bader dieses Amt seit 33 Jahren aus. Unser Mitarbeiter Michael Just hat sich mit ihm unterhalten:

Herr Bader, welche Vorteile liegen darin, wenn Streithähne zuerst zum Schiedsmann gehen?

Einer besteht darin, dass die Verhandlung hinter verschlossenen Türen stattfinden. Im Amtsgericht ist sie öffentlich. So bleibt die Sache vertraulich. Dazu fallen beim Amtsgericht gleich höhere Kosten an. Beim Schiedsamt sind die Gebühren moderat und im Vergleich gering.

Was ist der wichtigste Unterschied zum Gericht?

Beim Schiedsmann wird nicht Recht gesprochen. Das Schiedsamt strebt einen Ausgleich an.

Ein Schiedsmann muss eine besondere Form des Vertrauens genießen. Das scheint bei Ihnen der Fall. In Langstadt wurde der Satz „Dann gehen wir mal zum Bader“ zum geflügelten Wort.

Das Vertrauen in meine Person ist wichtig. Man muss zum Schiedsmann ohne Ängste und Voreingenommenheit kommen. Es sollte das Gefühl vorliegen, mit dem kann ich reden und er könnte mir vielleicht helfen. Wenn dieser Ruf mir nicht vorauseilt, hätte ich schon ein Problem.

Warum sind sie Schiedsmann geworden?

Die Aufgabe hat mich interessiert, weil ich in meinem Beruf viel mit Menschen zu tun hatte. Bei der Personalführung ging es ebenfalls um Ausgleich. Als ehemaliger Ortsvorsteher und Stadtverordneter bin ich zudem kein Unbekannter im Ort.

Wie wird man Schiedsmann?

Die Stelle wird von der Stadtverwaltung öffentlich ausgeschrieben. Das Interesse ist allerdings gering. Die Verwaltung oder die Parteien besitzen ein Vorschlagsrecht. Die Stadt prüft dann, ob die Person geeignet ist. Danach muss die Stadtverordnetenversammlung ihre Zustimmung geben, bevor die Vereidigung beim Amtsgericht erfolgt. Der Direktor des Amtsgerichts überwacht und gibt bei juristischen Fragen Hilfestellung. Dazu helfen Bücher und Gesetzestexte, wie etwa das Nachbarschaftsrecht.

Wie kommt eine Schiedsverhandlung in Gang? Kommen beide Seiten zusammen auf Sie zu?

Nein, in der Regel nur eine Seite. Darüber schreibe ich ein Protokoll. Wenn dessen Inhalt Gegenstand einer Verhandlung ist, teile ich das der zweiten Seite unter Nennung eines Termins mit. Diese muss dann kommen und sich äußern. Macht sie das nicht, kann eine Ordnungswidrigkeit bis zu 100 Euro verhängt werden. Äußern muss man sich, auch wenn man nur sagt, dass die Arbeit des Schiedsmannes nicht gewünscht wird. Dann führt der Weg direkt zum Amtsgericht.

Wie bindend sind die von Ihnen getroffenen Vereinbarungen?

Ich fertige zu jeder Sitzung ein Protokoll an. Die Inhalte werden am Ende von beiden Seiten unterschrieben. Sie sind verbindlich, einklagbar und verjähren erst nach 30 Jahren.

Welche Eigenschaften sollte ein Schiedsmann mitbringen?

Es ist notwendig, die Diskussion sachlich zu moderieren und beide Seiten fair und ausreichend zu Wort kommen zu lassen. Die Vernunft steht gegen die Emotionen. Viele wollen erstmal Dampf ablassen, danach ist das Problem oft viel kleiner. In der Regel zerlegt man den Sachverhalt in kleine Einheiten, auch weil er sich über lange Zeit aufgebaut und addiert hat. Am Ende muss ein Ausgleich gefunden werden. Vor allem gilt es für den Schiedsmann, stets den richtigen Ton zu finden.

Welche Menschen kommen zum Schiedsmann und in welcher Angelegenheit?

Meistens sind es Nachbarschaftsstreitigkeiten mit Grenzverletzungen. Es gibt aber auch Sachbeschädigungen, Beleidigungen und Körperverletzungen. Die Lösungen können in einer Entschuldigung, einer Ausgleichszahlung oder einer Spende liegen. Meine Klientel ist oft eine bestimmte Kategorie von Menschen, die Probleme größer sehen, als sie vielleicht sind. Meist trifft man immer wieder auf die gleichen Personen. Andere kommen nie zum Schiedsmann. Aber auch hier gilt: Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn etwas dem streitbaren Nachbarn nicht gefällt.

Wie groß ist Ihre Erfolgsquote?

Wir finden für weit über die Hälfte der behandelten Probleme eine Lösung. Für Langstadt/Harpertshausen liegen wir über dem Durchschnitt in Hessen. Es gibt natürlich auch Fälle ohne Einigung. Für mich hat sich das Schiedsamt bewährt und einige Streithähne waren sehr dankbar, dass ich das Problem aus der Welt geschafft habe. Es gibt sogar Fälle, wo wir danach noch zu dritt in die Wirtschaft gegangen sind und die Einigung mit einem Bier beschlossen.

(mj)

Quelle: op-online.de

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