Kauf als Zwischenerwerb

Konversion der Kaserne: „Keine Aufsplitterung“

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Bei der Kasernenkonversion geht es nicht recht voran. Die Stadt überlegt nun, das Areal selber zu kaufen und es an eine Bietergemeinschaft weiter zu verkaufen.

Babenhausen - Auf dem Kasernengelände tut sich – nichts. Nachdem die europaweite Ausschreibung zur Investorensuche für das rund 60 Hektar große Gelände nichts gebracht hat, wird nun nach Möglichkeiten geschaut, wie es mit dem ehemaligen Militärareal weiter geht. Von Stefan Scharkopf

Es fragt sich, ob die Stadt und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) noch auf einer Wellenlänge liegen. Die Bima als Besitzerin kann es sich durchaus vorstellen, die Kaserne auch in Teilsegmenten zu veräußern. Für die Stadt kommt das nicht in Frage, wie Bürgermeisterin Gabi Coutandin sagt. Eine Zersplitterung des Gevierts könne nicht im Sinne der Stadt sein: „Die Gefahr ist, dass sich Investoren dann die Filetstücke sichern, wir auf unattraktivem Gelände sitzenbleiben und beispielsweise die Straßen und die Grünflächen in Ordnung halten müssen.“

Die Stadt überlegt nun sogar, die Kaserne selber zu kaufen. „Das ist eine Option, um das weitere Verfahren wieder ins Rollen zu bringen. Der Kauf geht aber nur im Zwischenerwerb“, sagt Coutandin am Telefon. Da die Stadt das Geld für eine solche Investition eigentlich nicht hat, müsste das Areal umgehend wieder an potenzielle Investoren veräußert werden. In der nächsten Sitzung der Kasernenkommission am 25. April wird dies ein Thema sein. Gedacht ist beispielsweise an Bietergemeinschaften, also mehrere Investoren, die das Areal zusammen entwickeln und das nötige Geld aufbringen können. Bereits am Montag soll es dazu Gespräche geben.

Wohnen, Gewerbe und Denkmalschutz

Die Bundesanstalt stimme die weiteren Schritte derzeit mit der Stadt ab, wie Claus Niebelschütz von der Bima in einer Stellungnahme mitteilt. Er bestätigt, dass die Stadt prüfe, ob sie die „Liegenschaft im Wege einer vom Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages für Gebietskörperschaften beschlossenen Erstzugriffsoption selbst erwerben möchte“, wie es im Amtsdeutsch heißt, oder erneut auf dem Markt anbieten soll.

Nach seiner Erfahrung würden sich Immobilienentwickler bei der Verwertung von großen Kasernenflächen zunehmend spezialisieren. Heute gebe es kaum noch Investoren, die sowohl Wohnen, Gewerbe und Denkmalschutz großflächig aus einer Hand entwickeln. Dies sei bei dem erfolglosen europaweiten Ausschreibungsverfahren bestätigt worden. Um einen größeren Investorenkreis anzusprechen, habe die Bundesanstalt vorgeschlagen, dass Angebote für die Gesamtliegenschaft und zusätzlich alternativ auch zu einzelnen Losen zugelassen werden sollten. Ziel sei es, für die gesamte Kaserne eine Anschlussnutzung zu finden. „Die Vorgaben der Stadt zur Sicherstellung städtebaulicher Ziele werden dabei berücksichtigt und beachtet. Sie würden zur Grundlage der erneuten Marktabfrage gemacht. Dies gilt auch für die gemeinsam mit der Stadt erarbeiteten Inhalte der Machbarkeitsstudie“, wie Niebelschütz schreibt. Die Bundesanstalt gehe davon aus, im Benehmen mit der Stadt in den weiteren Verkaufsbemühungen einen oder mehrere Käufer zu finden. Auf die Bedenken der Stadt, bei einem Teilverkauf auf unattraktivem Gelände sitzenzubleiben, sagt Niebelschütz: „Das Vermarktungsrisiko wird allein von der Bundesanstalt getragen. Wenn Flächen nicht verkauft werden können, bleibt daher nicht die Stadt Babenhausen, sondern die Bundesanstalt im Eigentum dieser Flächen. Dies ist wie oben geschrieben nicht unser Ziel.“

Die Grünen wollen Druck machen

Derweil wollen die Grünen Druck machen. Aus ihrer Sicht ist das ganze Verfahren ins Stocken gekommen, weil die Bima inzwischen einen weit höheren Preis für das Gesamtgelände fordere als ein gemeinsam von Stadt und Bima erstelltes Gutachten dies vorsah. Von Vertretern der Bundesanstalt sei eine Zerstückelung in Teilflächen „immer ausdrücklich im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung des Geländes ausgeschlossen“ worden.

Die Babenhäuser Grünen haben sich jetzt mit einer ausführlichen Stellungnahme zur Situation der Konversion an die Darmstädter Bundestagsabgeordnete Daniela Wagner (Grüne) gewandt, die Mitglied im Bundestagsausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung ist und aktuell Gespräche mit Vertretern des zuständigen Bundesministeriums auch zur Situation der Konversion in Babenhausen führt. Die Grünen erinnern die Bima daran, dass das Bundesunternehmen auch eine stadtentwicklungspolitische Verantwortung habe.

Quelle: op-online.de

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