70 Helfer und fünf Hunde bei Dreitagesübung am Werk

Alte US-Kaserne als idealer Trainingsplatz für Einsatzkräfte

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In der alten Kaserne ließ sich der Durchbruch von Decken üben.

Babenhausen -  Rund 70 Einsatzkräfte vom Technischen Hilfswerk, dem Malteser-Hilfsdienst sowie der Feuerwehr Babenhausen haben eine gemeinsame Übung in der alten US-Kaserne absolviert. In zwei mehrstöckigen Gebäuden, die zum Abriss bestimmt sind, war gar der Durchbruch von Decken und Wänden möglich.  Von Michael Just

Immer noch stehen Schilder mit dem Hinweis „Militärischer Bereich der amerikanischen Kräfte“ auf den Zufahrten zur Kaserne und warnen vor dem Betreten sowie dem Anfertigen von Filmaufnahmen. Dabei sind die Brigaden schon seit vielen Jahren abgezogen und das Gelände verwaist. Gerade dieser Umstand macht den Standort für das technische Hilfswerk (THW) und seine alljährliche Dreitagesübung interessant. „Wir stören niemand und niemand stört uns“, so Heinrich Vormittag vom THW Landesverband Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland zum glücklichen Umstand, dass es keine Nachbarn gibt. Fast noch besser ist, dass einige Gebäude bald abgerissen werden und damit entstehende Schäden unerheblich sind. „Tun sich Möglichkeiten nach realistischen Übungsbedingungen auf, sind wir die ersten, die nach einer Erlaubnis fragen“, erklärt Vormittag. Das war beim ehemaligen Hochhaus der Dieburger Fachhochschule nicht anders: Nach dessen Abriss nutzte das THW die riesige Schutthalde, um die Suche nach Verschütteten zu trainieren.

Das angenommene Szenario am Freitagabend in der Kaserne: In einem dreistöckigen Wohnhaus mit Dachgeschoss ereignet sich eine Explosion. Durch den Teileinsturz des Treppenhauses ist dieses abschnittsweise nicht nutzbar. Zur Brandbekämpfung und Rettung der Verletzten ist ein Teleskopmast der Feuerwehr vonnöten. Um an weitere Eingeschlossene zu kommen, muss das THW Decken aufbohren und die Räume mit eingeführten Kameras absuchen.

Bis weit nach Mitternacht probten die Mitglieder des THW Groß-Umstadt und Ober-Ramstadt mit den Malteser-Hilfsdiensten aus Obertshausen und Ober-Ramstadt. Ebenfalls mit eingebunden: 24 Mitglieder der Feuerwehr Babenhausen und drei Ersthelfer aus Langstadt. Am Samstag und Sonntag ging es für THW und Maltester in Theorie und Praxis weiter. Die Schulung unterstützte ein Betonbauingenieur mit wertvollen Erläuterungen. Auf ihrer Dreitagesübung schliefen die Einheiten in der Kaserne auf Feldbetten. Ein mitgebrachtes Küchenteam übernahm die Verköstigung.

Das THW wird immer dann bei Einsätzen hinzugerufen, wenn die technischen Mittel der Feuerwehr nicht mehr ausreichen. Dann bringen die Männer in den blauen Anzügen ihren „großen Werkzeugkasten“ mit. Darin sind unter anderem Trennschleifer oder Kernbohrer. Mit seinen Plasmaschneidern ist es dem THW möglich, selbst Stahlwände zu knacken.

Zur Übung in der Kaserne rückten auch Amie, Mira, Lucy, Sina und Sharky an. Die fünf Vierbeiner gehören zur Spürhunde-Staffel des THW Groß-Gerau. Beim Hilfswerk werden sie mit ihren Besitzern in der Trümmer- und Flächensuche fit gemacht. In der Regel bringen THW-Mitglieder ihre Hunde in die ehrenamtliche Rettungsarbeit ein.

Etwas anders lief der Weg bei Katharina Diegel: Im Prinzip brachte sie ihr Hund zum Hilfswerk. „Als Jagdhund benötigt Amy viel Beschäftigung. Ihre Nase will arbeiten“, sagt die 27-Jährige über ihren agilen Deutsch-Drahthaar.

Beim THW tat sich dafür die ideale Lösung auf. Die besten Spürhunde in diesem Kreis haben sogar die Möglichkeit aufzusteigen: In der SEEBA (Schnell-Einsatz-Einheit Bergung Ausland) kann es auch nach Japan oder Nepal gehen, wenn dort die Erde gebebt hat. Das verlangt ein Höchstmaß an Flexibilität: Innerhalb von vier Stunden müssen Zwei- und Vierbeiner abmarschbereit am Frankfurter Flughafen stehen.

Quelle: op-online.de

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