Kaserne als Modellquartier

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Eine Größe, die für eine weiteren Stadtteil reicht. Die Nachnutzung der Kaserne soll sich an bestimmten Kriterien ausrichten. Mit Qualitätszielen geht es auf die Suche nach Investoren.

Babenhausen - Was will die Stadt auf dem Kasernengelände haben? Und was soll tabu sein? Die zivile Nachnutzung des ehemaligen Militärareals und des Truppenübungsgeländes wird über viele Jahre hinaus eines der zentralen Themen für die Stadtentwicklung in Babenhausen sein. Von Stefan Scharkopf

Umso wichtiger, Orientierungspunkte zu haben für Investoren, die sich für das Geviert interessieren und andererseits Ausschlusskriterien zu formulieren für diejenigen, an denen man nicht interessiert ist.

Bei lediglich einer Enthaltung hat das Stadtparlament in seiner jüngsten Sitzung Qualitätsziele beschlossen und ist damit der Empfehlung des neugegründeten Ausschusses zur Kasernenkonversion gefolgt. Die Entscheidungen über Ziele, Strategien und Verfahren sollen künftig nicht von knappen politischen Mehrheiten getroffen werden, sondern in einem breiten Konsens.

Viertel soll sich energetisch selbst versorgen

Absicht ist, dass auf dem 60 Hektar großen Kasernen-areal ein Quartier entstehen soll, in dem „modellhaft neue Formen des ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltigen Wirtschaftens, Arbeitens und Wohnens realisiert werden“, wie es in dem Papier heißt.

Wir brauchen Qualitätsmerkmale und wollen ein Modellquartier entstehen lassen, das in der Region als Alleinstellungsmerkmal erkennbar ist und damit eine Vorreiterrolle für ökologisches Wohnen übernimmt. Wir wollen nicht bloß Flächenlieferanten sein“, sagt Bürgermeisterin Gabi Coutandin. So ist etwa daran gedacht, dass sich das Viertel energetisch selber versorgt, sei es durch Biomasse oder Sonnenkollektoren. Verdichtetes Wohnen, das zu sozialen Problemen führen könnte, wird abgelehnt.

Coutandin könnte sich etwa eine Privatschule auf dem Areal vorstellen

Im Vordergrund steht vor allem die Nutzung durch das Gewerbe - verständlich vor dem finanziellen Hintergrund der Stadt. In Babenhausen brechen im großen Stil die Gewerbesteuern weg. Der bislang größte Zahler wird in den kommenden vier Jahren keine Steuern entrichten und hat für 2007/08 Nullbescheide geschickt. Damit aber nicht genug: Auch bei der Einkommensteuer sieht es für Babenhausen nicht gut aus. Das Modellprojekt Kaserne soll daher vor allem für „leistungsstarke Familien“ interessant sein, wie es Coutandin formuliert. Das Durchschnittseinkommen in Babenhausen liegt unter dem Schnitt im Landkreis Darmstadt-Dieburg. Zwar gibt es viele sehr gut Verdienende, doch die haben ihren Wohnsitz woanders. Für dieses Klientel soll es in der Kaserne auch etwas geben. Bürgermeisterin Coutandin könnte sich beispielsweise eine Privatschule auf dem Areal vorstellen.

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„Wohnen“ wird vorsichtig formuliert

Alf Grimm, Leiter des Fachdienstes Finanzen in der Verwaltung, ergänzt: „Wir müssen uns von anderen Flächen abheben. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) als Besitzerin des Geländes hat noch weitere Gebiete in petto und die ersten drei Prioritäten liegen auf Gelände, die schneller vermarktet werden können. Deshalb müssen wir punkten.“ Wünschenswert ist aus städtischer Sicht etwa die Ansiedlung von Solartechnik. Babenhausen könnte auch ein Verknüpfungspunkt für Hochschulen aus Aschaffenburg und Dieburg werden und Institute beheimaten.

Investoren bekunden Interesse an rund fünf bis zehn Hektar Fläche

Für die Kaserne hat die Stadt auch bei der Immobilienmesse Expo Real in München geworben. Dort ist man auf den Ex-Fußballprofi Paul Breitner getroffen, der heute als Projektentwickler arbeitet. Nachgefragt wurden im Übrigen des Öfteren Flächen für Senioren-Residenzen.

Gewerbegelände kostet in Babenhausen 100 bis 110 Euro pro Quadratmeter. Die Preise für die Kaserne legt die Bima fest. Die meisten Investoren bekunden Interesse an rund fünf bis zehn Hektar Fläche. Wunsch von Stadt und Bima ist es aber, einen Investor zu finden, der sich um das Gesamtgelände kümmert und für die Infrastruktur sorgt, wozu die Stadt in finanzieller Hinsicht nicht in der Lage ist. Vorteil: Alles soll aus einem Guss sein, es gibt keinen Entwicklungskonflikt mit den weiteren Nutzern, die sich auf den einzelnen Parzellen wiederfinden. Auf der Expo hat die Stadt ihre Entwicklungsziele vorgestellt und gute Resonanzen erfahren.

Nächstes Frühjahr soll mit der europaweiten Ausschreibung begonnen werden. Die Stadt möchte Kooperationsvereinbarungen mit der Bima abschließen, um beim Verfahren beteiligt zu sein. Nach etwa einem Jahr, also 2011, will man wissen, wer der Investor ist. Mit einbezogen werden sollen auch die Ergebnisse aus dem Architektenwettbewerb Europan 9. Dafür winken auch Zuschüsse. Geprüft wird ebenfalls, ob es für den ökologischen Ansatz, den das Gebiet haben soll, Geld vom Staat gibt - nicht uninteressant für Investoren. Zudem ist man bestrebt, sich für umweltfreundliches, ressourcenschonendes und nachhaltiges Bauen zertifizieren zu lassen - als Imagegewinn und Standortvorteil.

Quelle: op-online.de

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