Anbindung an die Bundesstraße lässt Investoren noch grübeln

Kasernenkonversion: „Das ist einfach ein fieses Ding“

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Im historischen Teil des Kasernengeländes, der in ein Kreativquartier umgewandelt werden soll, gibt es einige nett anzusehende Immobilien. Zum Beispiel diese mit einem Türmchen.

Babenhausen - Darf die unter Denkmalschutz stehende Kasernenmauer an einer Stelle eingerissen werden, um eine Anbindung an die B26 zu ermöglichen? Fragen wie diese beschäftigen derzeit die Planer. Von Norman Körtge 

Eigentlich wollte Daniel Beitlich zur Septembersitzung des Kasernenkonversionsausschusses einen ersten Entwurf für einen Bebauungsplan den Stadtverordneten vorlegen, nachdem er im August bereits so etwas wie einen Vorentwurf eines Entwurfs zumindest in die Höhe gehalten hatte. Doch am Donnerstagabend musste der Geschäftsführer des Gießener Unternehmens Revikon, das zusammen mit der Babenhäuser Baufirma Aumann das Areal entwickelt, Abbitte leisten. Auch wenn er Erfahrung mit Kasernenkonversionen habe, sei er zu optimistisch gewesen. „So eine Kasernenentwicklung ist einfach ein fieses Ding“, sagte Beitlich: „Eine Blackbox.“ Gemeint war damit, dass es noch zu viele Unbekannte gebe, um einen wirklich diskussionsreifen Entwurf zu unterbreiten.

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Zu sehen gab es dennoch etwas: Mit einem Beamer wurde ein Plan an die Wand der Stadtmühle geworfen, der im Wesentlichen, allerdings an einigen Stellen bereits den tatsächlichen Begebenheiten angepasst, dem Rahmenplan entsprach. Daraus soll der Bebauungsplanentwurf entstehen. Anhand der Beamer-Projektion zeigte Beitlich den Lokalpolitikern exemplarisch auch zwei noch zu beackernde Themenkomplexe auf.

Zum einen die Straßenanbindung an die B26. Wie berichtet, möchte Hessen Mobil zwei ampelgesteuerte Kreuzungen, die zugleich die noch zu entwickelnde Gewerbefläche auf der anderen Seite der Bundesstraße mitanschließen. Aufgrund der dortigen Gegebenheiten, muss auf der Kasernenseite entweder an einer Stelle die historische Mauer durchbrochen oder ein Gebäude abgerissen werden. Beides steht unter Denkmalschutz und mit der entsprechenden Behörde müssten nun Verhandlungen geführt werden. Klar sei, dass es am östlichen Ende lediglich eine Notfall-Zufahrt für Rettungskräfte geben werde, die im Normalfall nur von Radfahrern und Fußgängern passiert werden könne.

Ob denn bei den Gesprächen mit Hessen Mobil eine mögliche Südumgehung Gesprächsthema gewesen sei – die den Verkehr entlang der Kaserne deutlich reduzieren und andere Möglichkeiten wie Kreisverkehr ermöglichen würde –, fragte Stadtverordnetenvorsteher Friedel Sahm nach. „Nein“, war die Antwort Beitlichs.

Zweiter Themenkomplex: Die vom Landkreis geplante Grundschule. Eine Kindertagesstätte war im Rahmenplan vorgesehen, aber eben keine Schule. Wie Heidrun Koch-Vollbracht, die für die CDU auch im Kreistag sitzt und Mitglied im dortigen Schulausschuss ist, anmerkte, müsse der Kreis tätig werden, da der Weg zur Schule eine gewisse Länge nicht überschreiten soll. Zudem habe die Schule im Kirchgarten – die einzige Grundschule in der Kernstadt – nicht die Kapazitäten, um die mit der Besiedelung der Kaserne zu erwartende steigende Schülerzahl aufzufangen, wie Bürgermeister Joachim Knoke anmerkte.

Für die Planer heißt das, umplanen: „Neben einer Grundschule wollen wir keinen 20 Meter breiten Highway“, sagte Beitlich und legte eine Arbeitsskizze vor, die einen Schulcampus zeigte mit Sackgasse, Parkplätzen und verengten Straße. Mitte Oktober gebe es diesbezüglich das nächste Gespräch beim Kreis, sagte Mit-Kaserneninhaber Markus Aumann. Unter anderem müsse geklärt werden, ob sich der Landkreis vorstellen können, eine Bestandsimmobilie zu erwerben und entsprechend umzubauen, oder einen Neubau plane.

Flüchtlingsunterkunft in der Kaserne: Bilder

Wie geplant und kommuniziert, ist das zirka sechs Hektar große Areal, das als Hessische Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (HEAE) genutzt wurde, Ende August vom Hessischen Landesbetrieb Bau und Immobilien zurück an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) übergeben worden. Einen Kaufpreis dafür gebe es noch nicht, wie Beitlich im Kasernenausschuss sagte. Allerdings hoffe er, dass er spätestens auf der Expo Real in München vom 4. bis 6. Oktober, der größten Fachmesse für Immobilien und Investitionen in Europa, mehr erfahre. Die BImA habe dort einen großen Stand und alle Entscheidungsträger seien dort – und Aumann und Beitlich würden auf der Messe ihr Babenhäuser Kasernenkonversionsprojekt präsentieren und bewerben.

In Planung: Ein Tag der offenen Tür auf dem Kasernengelände am Sonntag, 29. Oktober.

Quelle: op-online.de

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