Kaum noch Tante Emma-Läden

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Eine Ausstellung in der Sparkasse Dieburg in der Hauptgeschäftsstelle in Groß-Umstadt beschäftigt sich mit der Nahversorgung im ländlichen Raum.

Darmstadt-Dieburg/Babenhausen - „Wo sind die Tante Emma-Läden geblieben?“, fragt sich so mancher Bewohner eines kleinen Dorfes oder eines Stadtteils einer Kommune schon seit Jahren. Von Ulrike Bernauer

Genau um dieses Thema drehte sich eine Veranstaltung des Regionalmanagements Darmstadt-Dieburg im Forum S der Sparkassenzentrale in Groß-Umstadt. „Nah versorgt“ war der Titel der Veranstaltung, zu der Moderatorin Dorte Meyer-Marquardt rund 100 Gäste begrüßte. Auf Anregung der Bürgermeister der betroffenen Städte und Gemeinden sei die Veranstaltung entstanden, aus der Sorge heraus, wie vor allen Dingen ältere Menschen ohne Auto noch ihre Grundbedürfnisse an Lebensmitteln decken könnten. Zum Einstieg gab es für die Zuhörer eine Analyse der Ist-Situation von Dr. Tamara Eschler von der Abteilung Strategische Planung des Landkreises Darmstadt-Dieburg.

Sehr unterschiedlich sei die Versorgung in den einzelnen Kommunen. Generell sei der Trend, dass in den Ortskernen die kleinen Geschäfte schließen, dafür aber auf der grünen Wiese sich die Discounter breit machen, ungebrochen. „Die Lücken werden immer größer“, stellte Eschler fest und verwies beispielsweise auf den ehemaligen Tengelmann in Münster. Dort habe sich nun auf einem Teil der Fläche ein Bekleidungsdiscounter angesiedelt, der aber zur Grundversorgung nichts beitrage.

In Babenhausen hatte der Tengelmann-Markt geschlossen, das Gebäude stand lange leer. Jetzt zeichnet sich ab, dass im Herbst ein Norma-Markt öffnet, so dass gerade für ältere Mitbürger in der Innenstadt die Fußläufigkeit wieder gegeben ist. Die liegt bei etwa 500 Metern und wird oftmals kaum noch erreicht, selbst nicht in größeren Kommunen.

Eine positive Ausnahme ist Schaafheim, das mit drei Lebensmittelmärkten im Ortskern für fast alle Einwohner gut zu Fuß erreichbar ist. Eschler trauerte auch ein wenig den Schleckermärkten nach, die sich oft in den Ortskernen befunden und neben Drogerieartikeln häufig noch ein kleines Sortiment an Lebensmitteln bereit gestellt hätten. Auch der Schlecker in Babenhausen steht derzeit noch leer.

Zum Teil seien die Kommunen mit beteiligt an der vorliegenden Situation, indem sie große Gewerbeflächen an den Ortsrändern auswiesen und damit für die großen Discounter attraktive Flächen schafften. Letztere verlangten oft für die Eröffnung eines Marktes einen Einzugsbereich von über 10  000 Einwohner, die kleine Dörfer oder Ortsteile nicht aufzuweisen hätten, so Stefan Leister vom Expertenbüro „Stadt + Handel“ aus Dortmund.

Kooperation von allen war seine Antwort auf die Frage: „Die Lücken schließen, aber wie?“ Nachbarschaftsläden ohne Gewinnabsicht, aber auch Ehrenamtliche, die in Dorfläden arbeiteten, waren Stichworte von Leister. Er verwies aber auch auf Wochenmärkte, Direktvermarkter, mobile Verkaufswagen oder einen Lieferservice gerade für Senioren. Außerdem empfahl er den Kommunen eine restriktive Flächenpolitik außerhalb der zentralen Bereiche ihrer Orts- oder Stadtkerne.

Karl-Heinz Fausel von der Arbeiterwohlfahrt stellte den CAP-Markt in Pfungstadt vor, der an zentraler Stelle in der Stadt gelegen ist. Neben der Wiederbelebung der Ortskerne haben die Cap-Märkte das Ziel, möglichst vielen Menschen mit Einschränkungen einen Arbeitsplatz zu bieten. Während der Laden in Pfungstadt ein Erfolgsmodell ist, hat der CAP-Laden in Nieder-Klingen schnell seine Arbeit wieder eingestellt, wie auf mehrmaliges Nachfragen des Langstädters Frank-Ludwig Diehl zu erfahren war.

Eher auf das Ziel der Nahversorgung im ländlichen Bereich zielt der Dorfladen in Rück-Schippach, einem Ortsteil der Gemeinde Elsenfeld, den Wolfgang Heer vorstellte. Hier wurde eine Bürgerinitiative gegründet worden, die in Eigenregie einen Dorfladen gründete. Wichtig bei all diesen Initiativen sei eine möglichst geringe Miete und Mitarbeiter, die ehrenamtlich arbeiteten.

Quelle: op-online.de

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