Kehrtwende bei ELB?

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Babenhausen - Eigentlich hätte es so ablaufen sollen: ELB-Schliff setzt nicht nur einen kompletten Firmen-Neubau auf die westliche Seite der Edmund-Lang-Straße, sondern auch rund 150 Wohneinheiten für Mitarbeiter des Unternehmens und von Zulieferern auf die östliche Straßenseite. Von Stefan Scharkopf

Für die neue Fabrik sollten 15 Millionen Euro investiert werden, für das Gesamtkonzept „Arbeit und Wohnen“ wurden 50 bis 70 Millionen Euro anberaumt. Das Stadtparlament hatte nach langer Debatte im September 2010 dem Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan zugestimmt.

Doch es kam anders. Die zur Autania AG (Kelkheim) gehörenden Gesellschaften ELB-Schliff Werkzeugmaschinen GmbH und aba Grinding Technologies GmbH (Aschaffenburg) wollten ihre Geschäftsaktivitäten weiter konzentrieren. ELB kündigte den Umzug nach Aschaffenburg an.

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Bestürzung über Abzug

Nach dem Abzug hat sich nun die Geschäftsgrundlage geändert. Der Bauausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung für die Aufhebung des Aufstellungsbeschlusses votiert – wenn auch nur hauchdünn. Jeweils ein Vertreter von CDU und Grünen stimmte dafür, ein FWB-Abgeordneter dagegen, die SPD enthielt sich, eine CDU-Abgeordnete stimmte nicht mit. Der Ortsbeirat votierte klarer: Fünf Stimmen dafür, eine Enthaltung (SPD). Auch der Magistrat hatte im Vorfeld mehrheitlich zugestimmt. Der Beschluss ist nur eine Empfehlung für die Stadtverordneten. Die endgültige Entscheidung liegt bei ihnen. Unabhängig davon besteht für die Gewerbefläche auf dem ELB-Gelände nach ursprünglichen Plänen weiterhin Baurecht.

Standort Aschaffenburg ist nicht optimal

Der Standort bleibt im Eigentum der Gesellschaft. Wie Ralf Weber, Vorstand der Autania AG, im Ausschuss sagte, hält das Unternehmen daran fest, das Gelände zu nutzen und das Projekt einer Grundstücksentwicklung fortzuführen, mahnte aber an, dass das Unternehmen mehr Zeit brauche. Er warb dafür, den Beschluss nicht aufzuheben.

Laut Weber habe man unter Druck gestanden. Die Firmengruppe hatte die Räume in Aschaffenburg lediglich gemietet. Der Vermieter wollte das Gelände veräußern. So habe das Unternehmen die Kaufoption gezogen und ELB nach Bayern geholt. Allerdings habe sich jetzt herausgestellt, dass der Standort Aschaffenburg nicht optimal sei. Die 3 000 Quadratmeter Fläche reichten nicht aus, die Firma könne ihr Produktionsziel nicht erreichen.

„Wir waren wohl zu euphorisch“

In Babenhausen hat sich mittlerweile eine Maschinenbaufirma angesiedelt. ELB hat ihr 4 000 Quadratmeter im Ostteil vermietet. Weitere Mieter werden gesucht. Das neue Unternehmen expandiert und hat in kurzer Zeit 50 Leute eingestellt und will offenbar weitere 30 gewinnen. Es wird nun daran gedacht, dass es auch einen Tausch der Standorte geben könnte und ELB zurück nach Babenhausen zieht. So könnten etwa 90 der 130 Mitarbeiter dort wieder angesiedelt werden. Platz wäre für 250. Deshalb hält Autania an den ursprünglichen Plänen fest. Wenn auch in abgespeckter Form beim Wohnungsbau. Wie Weber sagte, müssten die Zahlen nach unten korrigiert werden: „Wir waren wohl zu euphorisch.“ Es soll weniger Wohnungen geben, dafür höherwertigere. Für die neue Fabrik bleibt es beim Investment von 15 Millionen Euro. Drei Millionen sollen aus dem Flächenverkauf für das Wohnareal zur Gegenfinanzierung herangezogen werden. Die Autania selbst tritt nicht als Investor für die Wohnbebauung auf.

„Es ist uns nach wie vor Ernst mit unseren Plänen“, sagte Weber, „wir hatten bislang 600.000 Euro an Kosten für das Projekt. Daran sieht man, dass wir interessiert sind.“ An den Ausbauplänen in Babenhausen sei bislang nach wie vor gearbeitet worden. Für ELB würde sich der Umzug an den alten Standort aber auch ohne Wohnbebauung lohnen. Die Gruppe will weitere Firmen akquirieren und ausbauen und damit Arbeitsplätze schaffen. Sollten die Pläne zum Tragen kommen, könnte der Gewerbebereich in zwei bis drei Jahren modernisiert sein. Erst danach würde es an den Wohnungsbau gehen. Damit bleibe auch Zeit für die Entwicklung des Wohnareals in der Kaserne, so dass man sich nicht ins Gehege komme.

Sprecher von Grünen, CDU und SPD zeigten sich in der Sitzung enttäuscht vom Vorgehen der Autania. „Erst wird der Ausbau angekündigt, dann geht´s überraschend nach Aschaffenburg“, lautete der Tenor, „wir fühlen uns auf den Arm genommen.“ Adolf Breer (SPD): „Wir haben damals offenbar voreilig zugestimmt.“ Die finale Entscheidung trifft das Stadtparlament.

Quelle: op-online.de

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