Kein Grund zur Panik

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Für ein sichereres Gefühl der Babenhäuser wollen Bürgermeisterin und Polizei sorgen. Nach einer Serie von Raubüberfällen, der die Volksbank gleich zweimal zum Opfer fiel, fühlten sich die Bürger zunehmend mulmig.

Babenhausen ‐ Neulich in der Innenstadt. Vor der Bank parkt ein Polizeifahrzeug. Unweit davon bleiben zwei Frauen stehen. Sie haben sich beim Einkauf getroffen. „Ist die Bank denn schon wieder überfallen worden?“, fragt die eine, als sie das Auto der Ordnungshüter erblickt. Von Jenny Westphal

Diesmal nicht. Doch der Gedanke scheint naheliegend. Zweimal ist die Bank ausgeraubt worden. Zuletzt wurde das Schreibwarengeschäft an der Martin-Luther-Straße zur Zielscheibe der Räuber.

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Sechs Überfälle in sieben Wochen zählt die Statistik. Ein statistischer Ausschlag, der den Babenhäusern ein mulmiges Gefühl beschert. „Doch das ist mit Sicherheit kein Anlass, Panik zu betreiben“, sagt Helmut Biegi, Leiter der Polizeidirektion Darmstadt-Dieburg. „Die nackten Zahlen weisen auf einen Rückgang der Straftaten hin“, verweist Biegi auf die in dieser Woche von der Polizei vorgelegte Kriminalstatistik. 584 Delikte stehen für das vergangene Jahr im Zahlenwerk. 2008 registrierten die Ordnungshüter noch 608 Straftaten in der Gersprenzstadt. Einen Anstieg zeichnet die Statistik bei den sogenannten Rohheitsdelikten, Diebstählen und Betrugsfällen nach. Fast halbiert haben sich die Fälle von Vandalismus und Sachbeschädigung. „Alles in allem aber ist die Sicherheitslage für die Größe der Stadt und ihre Infrastruktur zufrieden stellend“, lautet das Resümee des Polizeichefs. Zwölf Raubüberfälle in den vergangenen zwölf Monaten – 2008 waren es drei – heißt nicht, dass die Babenhäuser krimineller geworden sind. „Handtaschenräuber sind lokale Täter, Banküberfälle werden von organisierten Tätern verübt“, weiß Biegi aus Erfahrung.

Vorgelegten Ideen sind nicht neu

Dass allerdings das subjektive Sicherheitsbefinden der Babenhäuser in den vergangenen Wochen gelitten hat, ist ihm bewusst und der Grund für ein Treffen mit Bürgermeisterin Gabi Coutandin (SPD) und Klaus Küchler, Leiter der Dieburger Polizeistation. Sie wollen Mittel finden, das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger zu stärken, erklärt Coutandin. „Das soll jedoch nicht aus dem Bauch heraus geschehen, sondern aufgrund einer soliden Datenbasis“, sagt die Rathauschefin. Die vorgelegten Ideen sind nicht neu. Zehn freiwillige Polizeihelfer sollen – möglicherweise bereits im Herbst – durch die Straßen Babenhausens patroullieren, ein Auge auf Vandalen und nicht verschlossene Haustüren haben. Maximal 20 Stunden sind die Hilfsordnungshüter monatlich im Einsatz. Rund drei Stunden dauert eine Streife, sieben Euro pro Stunde zahlt die Stadt als Aufwandsentschädigung.

„Das wäre ein Baustein“, sagt Biegi. Genauso wie die Einrichtung eine Präventionsrates, die Reaktivierung der Aktion „Wachsamer Nachbar“ oder der Anschluss an Ringmaster, ein elektronisches System, das Warnungen aus der Nachbarschaft per Telefon verbreitet.

„Freiwillige Polizeihelfer bewirken etwas.“

Auch wenn oftmals die Statistik fehlt, sind die Ordnungshüter zur Einsicht gelangt, dass freiwillige Polizeihelfer etwas bewirken. „Griesheim hat einen deutlichen Rückgang an Vandalismusschäden ermittelt“, erklärt Klaus Küchler. Die anderen Kommunen – unter anderem Dieburg und Münster – mit einem eigenen Polizeidienst führen keine Statistiken. Vor allem aber haben die Freiwilligen das Ohr an der Bevölkerung, sie kommen aus ihrer Mitte und sind vor Ort.

Doch die Räuber, die in den vergangenen Wochen ihr Unwesen in Babenhausen trieben, hätten sie wohl ebenso abgehalten wie ein präsenter Stadtpolizist, der seit fast anderthalb Jahren aus gesundheitlichen Gründen keine Streife mehr läuft. „Kriminalität lässt sich nicht auf Null drehen“, ergänzt Biegi.

Quelle: op-online.de

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