Kein neuer Treff, aber Anlaufstelle

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In einer Wohnung im Sophie-Kehl-Heim ist für das Erloch im nächsten Jahr eine Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche als „Zweigstelle“ der Kinder- und Jugendförderung geplant. Stadtjugendpfleger Michael Spiehl (rechts im Bild mit Ahmed Ögretmen) erhofft sich dazu viele ehrenamtliche Hände aus dem Wohngebiet im Babenhäuser Westen.

Babenhausen ‐ Ob Erloch-Fest, Spielplatzprojekt, Anwohnerbefragung oder Graffiti-Aktion – im oft als sozialen Brennpunkt bezeichneten Erloch tut sich was. Im Auftrag der Stadt zeigt sich hier die Babenhäuser Kinder- und Jugendförderung als besonders engagiert. Von Michael Just

Unsere Zeitung hat Jugendpfleger Michael Spiehl zu Zukunftsprojekten gefragt und zur Feststellung aus dem Erloch, dass ein eigenes Jugendzentrum vor Ort die Probleme am besten lösen kann.

Wie sehen Sie die Forderung nach einem separaten Jugend-Zentrum im Erloch?

Mal abgesehen von der Finanzierung und den notwendigen Fachkräften gibt es die geforderten Angebote für das Erloch bezüglich einer offenen Jugendarbeit schon im Kinder- und Jugendzentrum in der Bürgermeister-Rühl-Straße. So macht es wenig Sinn, das Gleiche nochmal zu installieren. In der Vergangenheit hatten wir stets einen großen Zulauf aus dem Erloch mit einem Migrantenanteil von 80 Prozent. Die Teilnahme ist also keine Frage der Erreichbarkeit. Leider ist die Resonanz derzeit vor allem durch einen Generationenwechsel und die Ganztagesschulen nicht mehr ganz so hoch.

Sie sagten, ein zweites Zentrum im Erloch widerspreche ihrer grundsätzlichen Vorstellung von Integration?

Für eine gesellschaftliche Eingliederung muss es Ziel sein, die Menschen eben nicht im Erloch mit seinen verdichteten Wohnstrukturen unter sich zu lassen. Dazu wäre abzusehen, dass die Erloch-Kinder lieber den Treff vor der Haustüre nutzen und der vornehmlich deutsche Nachwuchs lieber den neben der Stadthalle. Das wäre am grundlegenden Ziel vorbei, beide Gruppen zusammen zu führen und damit auch zu mehr Teilnahme am Leben in unserer Stadt zu bewegen.

Für Sie ist kein neuer Jugend-Treff, sondern ein verstärkter Informationsfluss wichtig.

Viele Migranten fragen mit Blick auf die Angebote der Stadt immer, warum wissen wir nichts davon? So muss vor allem der Austausch besser werden. Wir haben nicht nur beim türkischen Frauentreff gemerkt, dass viele Angebote sehr positiv aufgenommen werden. Als wir dort einen Hip-Hop-Workshop mit Tanz für Mädchen ankündigten, resultierten daraus sofort zwei Anmeldungen. Es dürfte wohl kein anderes Land geben, wo so viele Hilfsmaßnahmen für Bürger und Migranten existieren wie in Deutschland. Leider müssen wir nicht nur mit Blick auf das Erloch feststellen, dass die Leute oft einfach zu wenig darüber wissen.

Warum kommen die Informationen nicht an?

Bezogen auf das Erloch ist der Nachrichtentransport anders: Fast alles läuft über Mundpropaganda, die in hervorragender Weise funktioniert. Teils sind die Informationsdefizite aber auch hausgemacht: Oft wird innerhalb der Familie nur türkisch gesprochen, die Zeitung ist türkisch und das Fernsehen auch. So kommt weniger an und es werden Informationen nicht wahrgenommen.

Ein neues Jugend-Zentrum im Erloch soll nicht kommen, aber eine Anlaufstelle.

Wir wollen in einer ehemaligen Zwei-Zimmer-Wohnung im Sophie-Kehl-Heim eine Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche quasi als Zweigstelle der Kinder- und Jugendförderung einrichten. Dieses niedrigschwellige Angebot ohne Flipper, Dart oder Billard soll auch eine Hausaufgabenbetreuung beinhalten. Viele Familien im Erloch haben mehrere Kinder, aber nur eine kleine Wohnung ohne Rückzugsmöglichkeiten zum Lernen. Wir bieten einen Raum mit Ansprechpartner, wo sich in Ruhe arbeiten lässt.

Wie oft soll die Anlaufstelle geöffnet haben?

Zu Beginn an zwei Tagen in der Woche. Wir müssen die Sache erstmal anlaufen lassen und sehen, was wir leisten können und wie dieses Angebot angenommen wird. Wir hoffen auf viele helfende, ehrenamtliche Hände aus dem Wohngebiet. Der Mietvertrag steht bereits und die Wohnung ist übergeben. Für die Renovierung haben einige Handwerker und Jugendliche aus dem Erloch ihre Hilfe zugesagt. Das fördert die Identifikation und ist bereits Teil des Projekts. Die Eröffnung soll Februar 2011 sein.

Welche Motivation ist mit der neuen Anlaufstelle noch verbunden?

Wir wollen auch erfahren, warum die Anlaufstelle aufgesucht wird, welche Probleme und Fragen existieren und was im Erloch vermisst wird. Unser Mitarbeiter vor Ort hört sich erstmal alle Belange an und koppelt das Ganze zurück zur Stadt. Neben Information und Hilfestellung ist vor allem als Ziel wichtig, die Jugendlichen im Erloch abzuholen, um sie ins Kinder- und Jugendzentrum sowie in Angebote der Stadt und der Vereine zu integrieren.

Quelle: op-online.de

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