Kein Vertrag ohne Probearbeiten

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Dritter und letzter Teil zur Situation des Ausbildungsmarkts in Babenhausen: Laut Tischlermeister Andreas Resch werden Fachleute im Handwerk zur Mangelware.

Babenhausen - Für Tischlermeister Andreas Resch ist das Probearbeiten von Bewerbern die geeignete Methode, um sich seine künftigen Lehrlinge auszusuchen. Von Ulrike Bernauer

„Da kann ich gleich sehen, ob jemand handwerklich begabt ist, oder ob er zwei linke Hände hat, und ich sehe auch, ob er in mein Team passt“, sagt der Handwerksmeister. 14 Mitarbeiter beschäftigt Resch, davon sind zurzeit drei Lehrlinge. Ein weiterer Auszubildender kam gestern hinzu.

Resch bildet regelmäßig aus, auch er merkt, dass das Angebot an Bewerbern dünner wird. Er stellt auch Schulabgänger mit Hauptschulabschluss ein, die Noten in den Naturwissenschaften müssen jedoch stimmen. „Gerechnet werden muss ganz viel bei uns, aber die Lehrlinge benötigen auch chemische Kenntnisse, um mit den Klebern und Lacken zurecht zu kommen, und ein Schrank oder ein Regal ist reine Physik, man muss wissen, wie die Kräfte auf ein Möbel wirken.“

Bei dem Innenausstattungsbetrieb haben sich schon in diesem Jahr weniger Schüler als sonst beworben, und das Bildungsniveau der Bewerber ist nach Reschs Ansicht gesunken. Deshalb musste er auch mehr Bewerbern eine Absage erteilen. „In allen Branchen des Handwerks werden Mitarbeiter langsam Mangelware“, sagt Resch.

Auch die Kunden werden immer anspruchsvoller

Der Tischlermeister will sich auch nicht mit weniger qualifiziertem Personal zufriedengeben, „weil auch die Kunden immer mehr Ansprüche an die Dienstleistung stellen“. Resch stellt deshalb in seinem Betrieb auch nach abgeschlossener Ausbildung nur die besten Absolventen ein, so wie Tobias Spiehl, der war im letzten Jahr bei der Abschlussprüfung Innungsbester und arbeitet nun in der Tischlerei.

Viele Jugendliche wollen „was Schönes machen“, das ist momentan noch ein Plus für den Tischlermeister. Denn in seinem Betrieb werden hochwertige Möbel hergestellt mit viel Technik- und Maschineneinsatz. Deshalb ist er noch attraktiv für Bewerber, aber die Arbeit ist auch sehr anspruchsvoll. Resch zeigt eine computererstellte Zeichnung für eine Schrankwand und die dazugehörigen Stücklisten. Da wird klar, dass gute Mathematikkenntnisse unabdingbar sind.

Der Handwerksmeister sieht auf lange Sicht Engpässe in den Dienstleistungen seines Gewerbes auf den Kunden zukommen. „Bestimmte Arbeiten werden dann wohl teurer werden“, sagt Resch und deutet auf ein paar alte Stühle, die aufgearbeitet werden sollen. Die Wertschöpfung für seinen Betrieb ist beim Herstellen und Einbau einer Einrichtung für ein ganzes Haus einfach größer. „Wenn wir nicht die vielen Kollegen aus den osteuropäischen Ländern hätten, die viele Arbeiten machen, wäre die Situation für den Kunden jetzt schon schwieriger“, so seine Einschätzung.

Quelle: op-online.de

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