Keine Chance gegen Narren-Attacke

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Widerstand zwecklos: Der Schlüssel zum Rathaus und damit zur Stadtkasse ging in die Hände der Narren: Das Prinzenpaar Nadine I. und Michael III. nahmen den Türöffner aus den Händen von Bürgermeisterin Gabi Coutandin entgegen, während die Kindergarden das Geschehen gut geschützt gegen die Kälte verfolgten.

Babenhausen - Trotz der Verteidigung mit scharfen und vor allem lauten Waffen in Form von Konfetti- und Leuchtkanonen konnte das Rathaus nicht gehalten werden. Von Petra Grimm 

Gegen die närrischen Attacken der Babenhäuser Fastnachter waren Bürgermeisterin Gabi Coutandin, Stadtverordnetenvorsteher Wulf Heintzenberg und Erster Stadtrat Kurt Lambert, die sich tapfer bemühten, die Stellung zu halten, machtlos. Sie kapitulierten am Samstag vor den schunkelnden, tanzenden und singenden Massen, die von Hofmarschall Roland Keil und dem großen und kleinen Prinzenpaar angeführt wurden. Wie in den Vorjahren übergab die Rathauschefin schließlich die mit Schokotalern gefüllte Stadtkasse und den Rathausschlüssel.

Dem Umsturz vorausgegangen war ein humoriges Wortgefecht zwischen der Bürgermeisterin und den CVB-Tollitäten Nadine I. und Michael III. aus dem Hause Kattner. Dafür hatte Roland Keil wieder gekonnt die Feder geschwungen. „Helau, ich freu mich wie ein Kind, dass wir hier gleich die Regenten sind“, rief der Harreshäuser Prinz und drohte, „die im Rathaus regieren dann geteert und gefedert abzuführen.“ Kein bisschen eingeschüchtert schoss Bürgermeisterin Coutandin mit scharfer Zunge zurück und beschimpfte die närrischen Revolutionäre als „Gesindel und Verbrecher, Hühnerdiebe, Messerstecher“, wegen denen noch die Geschäftsleute pleite gehen, weil sich die Kunden nicht mehr in die Bummelgasse trauen.

Kein Feuer im Rathaus

„Wenn die Stadt vor die Hunde geht, dann nur weil ihr hier unten steht. Ich pfeif auf Eure Fassenacht, denn ich bin gewählt und hab die Macht. Wir halten es hier lange aus, denn wir haben Wein, Worscht und Brot im Haus“, rief sie den Belagerern aus dem geöffneten Rathausfenster im vermeintlich sicheren ersten Stockwerk zu. Aber es nützte alles nichts. Schließlich bettelte sie um Gnade: „Macht ja kein Feuer. Das Rathaus war schließlich mal ganz schön teuer.“ Als erste Amtshandlung nach der Machtübernahme hatte Hofmarschall Roland Keil bei der Begrüßung schon angekündigt, dass die Linden am Bahnhof wieder zusammen gebaut und aufgestellt werden.

Bemerkenswert waren auch die Forderungen des Kinderprinzenpaares Mara I. aus dem Hause Grigo und Alexander II. aus dem Hause Schäfer. Sie erklärten das förmliche „Sie“ für abgeschafft: „Wir werden alle Erwachsenen duzen.“ Außerdem „dürfen alle Kinder während der närrischen Zeit so lange aufbleiben und so viel Pizza und Süßigkeiten essen, wie sie wollen“. Nach den Auftritten sollten ihre Eltern ihnen eine Oase der Ruhe schaffen, also ein Bad einlassen, Füße massieren, kuscheln und sie in den Schlaf singen. Da jubelten vor allem die kleinen Narren auf dem Marktplatz.

CVB-Präsident Klaus Fengel verlieh einen Orden an Wulf Heintzenberg in seiner Eigenschaft als Luftsportclub-Vorsitzender und an den Vorsitzenden des Reit- und Fahrvereins, Manfred Willand. Beide Vereine unterstützen den CVB beim Bau ihres Prinzenwagens. Die Tänzerinnen der Prinzengarde hatten während der unblutigen, aber feucht-fröhlichen Machtübernahme ihre Beine geschwungen und das Pflaster vor der Rathaustreppe zur Bühne gemacht. Bei den Schunkelrunden zu Fastnachtsklassikern, wie „Am Rosenmontag bin ich geboren“, bewiesen die zahlreichen Zuschauer, dass sie mehr als bereit sind für die fünfte Jahreszeit.

Quelle: op-online.de

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