Besucher konkret gefährdet

Keine Großveranstaltungen in Friedel-Wiesinger-Halle und im Bürgerhaus

Sickenhofen/Hergershausen - Jahrelang ist die Brandschutzsanierung in den Hallen in Sickenhofen und Hergershausen aufgeschoben worden. Nun hat der Magistrat entschieden, dass dort keine Großveranstaltungen mehr stattfinden sollen. Es gibt aber noch Ausnahmen. Von Norman Körtge 

„Bei einem Brand in dem Bereich Foyer/Garderobe könnten sich die Besucher bei voll besetzter Halle nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen, da die vorhandene Außentür an der Nordwestseite der Halle eine zu geringe Öffnungsbreite aufweist. (...) Die Brandschutzvorkehrungen für die Sicherung der Rettungswege sind schnellstmöglich in Angriff zu nehmen“. So steht es in dem von einem Planungsbüro erstellten 20-seitigen Brandschutzkonzept für die Friedel-Wiesinger-Halle in Sickenhofen. Erstellt worden ist es im März 2008. Passiert ist seitdem nicht viel. Zumindest gab es keine baulichen Veränderungen. Erst vor anderthalb Wochen feierten in der Halle mehr als 250 Gäste bei der traditionellen Sitzung des Karnevalvereins. Ob sie dies auch getan hätten, wenn sie das Resümee aus den Konzept gekannt hätten? Darin heißt es, dass die „bestehenden brandschutztechnischen Mängel eine konkrete Gefährdung der Nutzer“ darstellen.

Die Mitglieder der Fraktion der Freien Wähler Babenhausen (FWB) jedenfalls seien schockiert gewesen, als sie erfuhren, dass das Gutachten bereits seit vielen Jahren in der Schublade liegt und nichts getan wurde, wie FWB-Abgeordneter Jürgen Rademer berichtet. Seine Fraktion sei am überlegen, ob sie der für Montag, 20. Februar, terminierten Stadtverordnetenversammlung fern bleiben soll, die aus dem Rathaus in die Friedel-Wiesinger-Halle verlegt worden ist. Wie berichtet, ist der Sitzungssaal im Rathaus nicht nutzbar, da im Verwaltungsgebäude am Marktplatz Brandschutzsanierungsmaßnahmen anstehen. Die Mängel, die dort nun behoben werden, sind auch bereits seit fast zehn Jahren bekannt.

Bei der Friedel-Wiesinger-Halle, als auch beim ebenfalls mit Brandschutzmängeln behafteten Bürgerhauses in Hergershausen, hat der Magistrat nun allerdings Konsequenzen gezogen. In den beiden Hallen dürfen keine Großveranstaltungen mehr stattfinden, wie Bürgermeister Joachim Knoke (SPD) auf Anfrage bestätigte. Er gehe aber davon aus, dass bislang alle terminierten Veranstaltungen noch stattfinden werden, da konkrete Maßnahmen getroffen werden könnten, um den vorbeugenden Brandschutz sicherzustellen, unter anderem mit dem Abstellen von Feuerwehrleuten. Konkret betroffen von einem sofortigen Verbot wäre die Faschingsfete „Kokolores“ am Samstag, 18. Februar, in Hergershausen gewesen. Sie soll aber wie gewohnt stattfinden, heißt es von Seiten der Veranstalter. Als alternative Veranstaltungsorte brachte Knoke die Markwaldhalle in Langstadt und die Stadthalle in der Kernstadt ins Gespräch.

Beste Stimmung bei den Narren auf der Kostümsitzung in Sickenhofen: Bilder

Der Bürgermeister wehrt sich allerdings gegen den geäußerten Vorwurf, in den zurückliegenden Jahren sei nichts unternommen worden. In der Betriebskommission der Eigenbetriebe, die im vergangenen Jahr wieder in die Stadtverwaltung eingegliedert wurden, sei die Brandschutzsanierung immer wieder Thema gewesen. Allerdings hätten unterschiedliche Gremien, etwa die Betriebskommission selber, in der auch Lokalpolitiker vertreten waren, der Magistrat und auch die Stadtverordnetenversammlung die Maßnahmen geschoben, unter anderem auch wegen fehlender finanzieller Mittel. Der Magistrat werde sich mit dem Thema erneut befassen und Vorschläge unterbreiten, berichtete der Rathaus-Chef. Dass sich diese innerhalb kurzer Zeit realisieren lassen, gerade bei der Friedel-Wiesinger-Halle in Sickenhofen, glaube er allerdings nicht, meinte der Bürgermeister abschließend.

Quelle: op-online.de

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