Kerb mit munterem Umzug

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Die Winzergruppe machte beim Umzug mit und hatte eine Apfelweinkönigin gekrönt.

Harpertshausen - „Gemeinsam wolle mer rischdisch feiern, des is kloar, denn oamol nur is Kerb im Joahr. “ Den Kerbspruch von Kerbmutter Simone Kühnle nahm die Bevölkerung des kleinsten Babenhäuser Stadtteils wörtlich. Von Ursula Friedrich

Klein, aber oho wurde das Traditionsfest, die ehemalige Kirchweih, auch diesmal zelebriert. Mit allem was dazu gehört. Kurt Kratz stach die Kerb 2012 am Freitag bei der Freiwilligen Feuerwehr symbolisch an. Der Ortsvorsteher ist selbst ein Kerbveteran: „Ich habe 1954 mit 14 Jahren erstmals beim Kerbumzug mitgemacht.“

Der Kerbabend am Samstag wurde ebenso zünftig gefeiert, wie der Umzug am Sonntagnachmittag. Abschied nehmen ist am heutigen Dienstag angesagt, wenn die Kerb mit Trauermienen zu Grabe getragen und verbrannt wird.

Fulminanter Höhepunkt war der Sonntag, den Petrus, vermutlich einst waschechter Harpertshäuser, mit perfektem Wetter würzte. Der Habitzheimer Musikcorps hatte die Instrumente geölt, die Winzergruppe sogar eine Apfelweinkönigin gekrönt, die „Glorreiche 8“ ihren Wagen auf Hochglanz poliert. Was in der kleinen Gemeinde an Traktoren in den Scheunen steht, wurde für den Umzug flott gemacht.

„Früher hatten unsere Landwirte noch schwere Pferde, die mitmarschierten“, erinnerte sich der Ortsvorsteher an seine Jugend – und auch, dass so mancher Reiter sich hier unfreiwillig vom Ross trennte.

Knallbunter Umzug

Den knallbunten, munteren Umzug 2012 vervollständigten die Jugendfeuerwehr, die Holzhackerleut, der TVG-Fanclub und das Kerbkomitee. Letzteres ist ein Zwei-Mann-, pardon, -Frau-Team, dessen Bereitschaft gesellschaftliche Verantwortung zu tragen, die Kerb schlichtweg rettete. Simone Kühnle und Assistentin Katrin Lehr sind die Frontfrauen der diesjährigen Kerb – in Ermangelung eines aktuellen Kerbburschenjahrgangs, der eigentlich Träger der Kerb sein sollte.

Bei schönem Wetter ging es durch die Gassen des kleinsten Babenhäuser Stadtteils.

„Wenn wir die Simone nicht hätten“, freute sich der Ortsvorsteher, der per Revolver den Startschuss zum Umzug gab. Vielleicht ein wenig viel der Vorschusslorbeeren, denn Kerbmutter Simone hatte (verbal) die Messer gewetzt, und einen zünftigen Kerbspruch verfasst: „Mir sache alles ehrlich un knallhart, wer’s nit verdräscht, hat Pech gehatt.“ Von lauffauler Kundschaft im Harpertshäuser „Kaufhaus“ an der Linde, einem verheerenden Fehlerteufel am Computer und Bürgern, die beim „Wochenendoikaaf“ glatt das Bezahlen vergessen, wusste die Kerbmutter zu berichten.

Simone Kühnle, einst Kerbmädchen und inzwischen zum sechsten Mal Kerbmutter, hat bereits die Kerb 2013 im Visier. Dann, so ihre Hoffnung, ist der Jahrgang potenzieller Burschen so groß, dass eine Gruppe die Harpertshäuser Kerb wieder ausrichten kann.

Quelle: op-online.de

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