Abschluss der Kerb in Babenhausen

Die Jüngeren müssen ran

+
Zwar blieb die Zuschauerzahl bei der Kerb überschaulich, aber zumindest hatten die Anwesenden ihren Spaß.  

Sickenhofen - Der SV Sickenhofen will trotz mäßiger Besucherzahlen die Tradition der Kerb bewahren. Von Michael Just 

Es ist kurz vor 14 Uhr am Sonntagnachmittag: In der Hergershäuser Straße herrscht gespanntes Warten auf den Kerbumzug. Alexandra Höreth (45) hat sogar mehrere Stühle vors Haus gestellt, was danach aussieht, als ob sie einen Lindwurm mit ziemlich großen Ausmaßen erwartet. „Es dürften wohl doch nur eineinhalb Minuten werden“, sagt sie lachend. Mit den Stühlen will sie aber ein Zeichen setzen, dass man sich auf den Umzug freut und diesen genießen will. Zusammen mit Nachbarin Elke Frankenberger (44) werden zur Feier des Tages sogar die Sektgläser erhoben. Die beiden Frauen, die die Kerb als „kleines Event für einen kleinen Ort“ bezeichnen, freuen sich auf ihre Töchter, die bei der Purzelgarde des Karnevalvereins mitlaufen. Angeführt wird der Umzug vom Posaunenchor Langstadt, danach folgen alle im Ort relevanten Vereine und Gruppen, wie die Feuerwehr, der TV, die Fußballer, der Karnevalverein oder die Laienspielgruppe SILT.

Letztere verdeutlichen mit einem Schild, dass sie ein Bauerntheater sind, weshalb die Mitglieder bayrische Trachten tragen und in ihrem Bollerwagen Radieschen, Karotten und anderes Gemüse ziehen. Stolz zeigt sich Feuerwehrvereinsvorsitzender Norbert Kolb: Sein Fahr-Traktor D17NH, Baujahr 1954, der den Anhänger mit der Jugendwehr schleppt, rollt seit 60 Jahren. Damit ist er drei Jahre älter als sein Besitzer. Die Garden des Karnevalvereins lassen die Fastnacht aufleben: die Purzelgarde kommt als Marienkäfer, die kleine Garde als Matrosen und die mittlere im Kampf-Dress mit Tarnfarben. „Meistens tragen wir die Kostüme von der letzten Kampagne“, erzählt Beate Höreth vom SKV-Vorstand. Ursprünglich stammt sie aus der Nähe von Michelstadt und heiratete in Sickenhofen ein. Dass man im Ort versucht, die Kerb aufrechtzuerhalten, wird von ihr unterstützt.

Die Kerbtradition soll aufrechterhalten werden

Deshalb schaute sie auch am Freitag bei der Cocktailparty im Festzelt vorbei. Dass die Gästezahl überschaubar blieb, findet sie schade: „Das hat der Veranstalter nicht verdient“, sagt sie. Der Kerb-Veranstalter war, wie gewohnt, der SV Sickenhofen. Der Verein hat es sich auf die Fahnen geschrieben, die Kerb nicht aussterben zu lassen. Dafür wird auf dem Sportgelände ein Zelt aufgestellt. Die Organisationsfäden liefen beim SV-Vorsitzenden Jörg Luithard und Finanzwartin Sabine Frank zusammen. „Im Gegensatz zu 2013 ist das Zelt kleiner geworden. Damit wollten wir Kosten senken“, sagt Luithard und erinnert an das Regenfiasko im letzten Jahr. Diesmal war das Wetter besser. Vom Cocktailabend am Freitag, über das Hobby-Fußball-Turnier am Samstag bis zum Haupttag am Sonntag mit Zeltgottesdienst und Umzug stieg das Interesse stetig an.

Ein proppenvolles Zelt gab es trotzdem nicht, was Ortsvorsteher Friedel Sahm etwas enttäuschte: „Bei 1700 Einwohnern darf man ein paar Bürger mehr erwarten.“ So stand auch die jüngste Kerb in Sickenhofen für den Trend, dass die Neuzeit die Traditionen immer mehr verdrängt. Ein Kerbvadder samt Rede ließ sich 2014 wieder nicht finden. Und die Kerbmädchen, die noch vor wenigen Jahren eine eigene Gattung darstellten, sind schon wieder von der Bildfläche verschwunden. 2011 hielten Uschi Liebold und Franz Weihert den letzten Kerbspruch. „Eine solche Rede ist nicht einfach“, gesteht Weihert ein. Man müsse sich das ganze Jahr Notizen machen und die in pointierte Geschichten fassen.

Kerb in Groß-Zimmern

Kerb in Hainhausen

„Es müssen wirklich mal Jüngere ran“, antwortet er auf die Frage, ob er sich, mangels Nachfolger, nicht doch nochmal den Zylinder aufsetzen will. Weihert hofft, dass sich zukünftig vielleicht ein Büttenredner vom SKV findet. „Man glaubt immer wieder an die nächste Generation“, sagt Sabine Frank in punkto Kerbmädchen. Aileen Mahr (17) bildet 2015 mit ihren Altersgenossen, zumindest theoretisch, den nächsten Kerbjahrgang. „Ich hätte Lust, mehr zu machen und würde auch helfen, die Kerbparty zu organisieren“, sagt sie. Dem stimmt Freundin Selina Seip zu. Am Montagmittag ging die Kerb dann mit einem großen Haspel-Essen zu Ende. „Alle 120 Haspel ausverkauft“, wurde vermeldet. „Die Leute sind zwar immer schwerer zu bewegen, trotzdem sind wir mit der Kerb 2014 zufrieden“, so die Abschlussbilanz vom SV-Vorsitzenden Jörg Luithard.

Quelle: op-online.de

Mehr zum Thema

Kommentare