Für jedes Jahr ein Kerbborsch

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100 Kerbburschen, -mädchen eröffneten mit dem Kerbtanz.

Hergershausen - Zum 100-jährigen Bestehen haben die Kickers aus Hergershausen die Kerb ausgerichtet. Von Petra Grimm

Die Band Sunshine Music stimmte das Kerblied an und 100 Kerbburschen und -mädchen marschierten unter dem Applaus der Festgäste am Samstagabend ins Bürgerhaus ein, um den Tanz offiziell zu eröffnen. Mit Schärpe und Hüten, beziehungsweise Krönchen geschmückt, boten sie einen Anblick, den so schnell wohl keiner vergessen wird. Die Parade schien gar kein Ende zu nehmen und sorgte für Stimmung im gut gefüllten, herbstlich dekorierten Saal.

Die Initiative, 100 Kerbburschen für die Jubiläumskerb der Kickers zu finden, war geglückt. Und so konnte der Sportverein, der dieses Jahr sein Hundertjähriges feiert, seinen im Frühjahr begonnenen Festreigen mit einer ganz besonderen Kirchweih krönen. Immer im Wechsel mit dem örtlichen Turnverein organisieren die Kickers das traditionelle, viertägige Fest. Zu dessen Höhepunkten gehörte der fröhliche Umzug am Sonntagmittag. „Wir haben 20 Nummern beim Zug dabei“, sagte Vorstandsmitglied Horst Herget, zufrieden. Viele Vereine und private Gruppen beteiligten sich mit Fußgruppen und Wagen. Die Jugendfeuerwehr verkündete mit großen Buchstaben auf ihrem Anhänger „100 Kerbborsche, dass mer nit lache, mer lassens krache in unserer Feuerwache“. Die laute Musik vom Wagen der Nachwuchsbrandschützer unterstrich diese Botschaft eindrucksvoll.

Die Mannschaft der C-Junioren von Kickers Hergershausen feiern beim Umzug.

Die Angler luden ein zu „Holiday am Erlensee“ und der Betrachter ahnte, dass auch am heimischen Angelteich durchaus Ballermann-Stimmung aufkommen kann. Die Turnerkinder, die Rope-Skipperinnen und die kleinen Gardetänzerinnen, ebenso wie das TVH-Blasorchester bereicherten die Parade durch die Gassen. Als schaurig schöne Untote und Gruselgestalten verkündete die Gruppe ANKKB (Als noch keine Kerbborschen) „Drei Tage am Tresen – wir sind am Verwesen“. Ganz neu dabei in diesem Jahr war eine Gruppe Häuslebauer aus dem Neubaugebiet im Handwerker-Outfit. Sie bewiesen ihren Humor mit dem Spruch „Was die Griechen können, können wir schon lange! So lange die Bank noch Geld hat, wird weitergebaut!“, der ihren Wagen mit einem Rohbau aus Holz zierte.

Kerbvadder Ingo Breuckmann auf seinem Wagen beim Umzug.

Die Kickers zeigten mit ihren zahlreichen Jugendmannschaften, dass sie nicht nur auf eine beachtliche Historie zurückblicken, sondern auch ein sehr junger Verein sind. Die Kerbburschen und -mädchen aller Generationen umrahmten den Wagen mit Kerbvadder Ingo Breuckmann. Der Traktor mit der traditionellen Kerbkrone führte den Zug Richtung Bürgerhaus, wo der Kerbvadder die von Sigrun Saul und Inge Herget verfasste Rede zum Besten gab. Die beiden Hergershäuserinnen, die zum harten Kern der Kickers-Theatergruppe gehören, haben zum neunten Mal die Feder geschwungen. Und auch nach 18 Jahren – sie verfassen die humorige Chronik immer alle zwei Jahre für die Kickers-Kerb – scheint ihnen der Stoff und der Spaß an der Sache nicht auszugehen.

Missgeschicke der Dorfbevölkerung, Kuriositäten, aber auch politische Themen fanden Platz. So wurde kritisiert, dass für die Kinder in der Kernstadt ein Glaspalast gebaut und für die kleinen Hergershäuser nur Container aufgestellt werden. Auch der Zustand des Parkplatzes neben dem Bürgerhaus wurde beklagt. „Ich glaab, unsere Politiker dun vergesse, wer sie wählt. Und dass auch jede Stimme aus den Stadtteilen zählt“, rief Breuckmann in den Saal. Für Gelächter sorgten jede Menge Pleiten, Pech und Pannen. Da war die Story über eine Hergershäuserin, die die zwei Polizisten, die bei ihrer Geburtstagsparty zum 50. wegen einer Beschwerde über Ruhestörung aufliefen, für bestellte Stripper hielt: „Ihr seid wohl die Stripper, doch ihr kommt zu spät. Am Besten wenn ihr gleich wieder geht. Hier zieht sich heit koaner mehr aus. Tschüss macht´s gut und kommt gut nach Haus“. Die Polizisten hatten viel Humor und zeigten lachend ihre Dienstausweise vor: „Mir zwaa sind echt und die Musik kimmt aus, sonst geh´n hier nämlich alle nach Haus“.

Die Bilder der Kerb

Kerb 2013 in Hergershausen

Nach Haus ging am Kerbsonntag so schnell keiner. Und auch am Montag beim Frühschoppen war ordentlich was los. Schließlich heißt es nur einmal im Jahr: „Wem ist die Kerb?“

Quelle: op-online.de

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