Kerb in Hergershausen

Mönche und der Sensenmann

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„Baut ihr noch oder grillt ihr schon?“, fragte eine Gruppe aus dem Neubaugebiet.

Hergershausen - Vier Tage Ausnahmezustand herrschte wieder im größten Stadtteil. Die Hergershäuser Kerb, die von Freitag bis Montag in diesem Jahr vom Turnverein ausgerichtet wurde, sorgte für ausgelassene Partystimmung. Von Petra Grimm 

Mit allen wichtigen Bestandteilen – vom Ausgraben der Kerb über eine Disco für die jüngere Generation, dem Kerbtanz am Samstagabend, dem Hauptfesttag am Sonntag bis zum Frühschoppen und dem Verbrennen der Kerb – halten die Hergershäuser die Tradition hoch. Die beiden großen Vereine, der TV und der SV Kickers, immer im jährlichen Wechsel, stemmen das Fest, das den Kerbreigen im Stadtgebiet beendet.

Auch in diesem Jahr lag die Organisation in den Händen eines Kerbausschusses, der zahllose Helfer mobilisiert und die einzelnen Veranstaltungen vorbereitet. Live-Musik, Auftritte des TVH-Blasorchesters und der Kindertanzgarde „Sternchen“ bereicherten die geselligen Veranstaltungen.

Am Sonntag lachte die Sonne vom Himmel als sich der lange Umzug in Bewegung setzte. Und die verschiedenen Gruppen, die zu Fuß oder mit aufwändig dekorierten Wagen für Stimmung in den Gassen sorgten, hatten sich wieder allerhand einfallen lassen. Der Turnernachwuchs war im feuchten Element unterwegs. „Ob über oder unter Wasser das ist uns egal, Kerb ohne Nachwuchs, das wäre fatal“, war ihr Motto. Dem entsprechend winkten Kinder mit Schwimmreifen, Fischernetzen auf Schirmen oder auch kleine Piraten fröhlich ins Volk. Dass der Stadtteil jung ist, bewiesen auch die zahlreichen kleinen Fußballer, die mitmarschierten. Das Damen-Team und die Alten Herren der Kickers waren bei der bunten Parade natürlich auch dabei.

„Unsere Kerb ist heilig“

Witzig war auch der Wagen einer Gruppe Häuslebauer aus dem Neubaugebiet. Sie fuhren mit einem täuschend echt wirkenden Spanferkel über einem Grill durch die Straßen und fragten: „Baut ihr noch oder grillt ihr schon?“ Toll kostümiert brachte ein Teil der letztjährigen Kerbburschen und -mädchen als Hippies tanzend einen Anhänger zu Beben. „Unsere Kerb ist heilig“ verkündete eine Gruppe feierfreudiger, jugendlicher Mönche und Nonnen, die auf ihrem Wagen sogar einen knochigen Sensenmann mitführten. Die aktuellen Kerbburschen und – mädchen gaben auf ihrem Wagen gut gelaunt das Motto „Viva la Kerb“ bekannt.

Und den WM-Sieg der deutschen Fußballer hatten sowohl die Kickers-Frauen als auch eine Freizeitgruppe aufgegriffen. Originell war auch der Spruch am Wagen der Jugendfeuerwehr: „Wir brauchen keine Navis. Unsere Kunden geben uns Rauchzeichen“. Die Angler fuhren mit einem Ballermann auf Rädern mit. Die Gruppe ANKKB sorgte mit ihre Hillbilly-Wagen für Südstaatenflair und natürlich begleitete das TVH-Blasorchester den Zug. Aus den Reihen der Musiker hatten sich auch viele am Schreiben des Kerbspruchs beteiligt, den Kerbmudder Sabine Rauer, die auf einem bunt geschmückten, motorisierten Rasenmäher am Publikum vorbei rollte, im Bürgerhaus vortrug.

Bilder der Kerb in Hergershausen

Kerb 2014 in Hergershausen

Die kleinen und großen Pannen und Ereignisse, die den Ortsteil im zurückliegenden Jahr bewegten, ließ sie gekonnt Revue passieren. Sie erinnerte an die Kerb der Kickers in deren Jubiläumsjahr mit 100 Kerbburschen und an den Dreh des Taunuskrimis in der Hergershäuser Mühle. Sie berichtete vom Fahrradcrash einer männlichen Radlertruppe am Vatertag („Des Siggehäwer Bier war an dem Elend Schuld“) und von der Verschönerungsaktion eines Hergershäusers, der mit der Lackspritze nicht nur seinen Carport, sondern auch gleich noch das Auto seines Nachbarn schön weiß machte.

Einen Rat gab die Kerbmudder zur Verkehrsberuhigung im Neubaugebiet. Da die beachtlichen Schwellen, über die die Autos rübergewuchtet werden müssen, nicht nur zu erheblichem Lärm für die Anwohner, sondern auch zu einem Stoßdämpfer-Mangel bei den umliegenden Autowerkstätten geführt hätten, sollte man vielleicht besser große Blumenkübel aufstellen. Wenn die Autofahrer diesen ausweichen müssten, würden sie schießlich auch ausgebremst. Kommentiert wurde das geplante Ärztehaus oder auch die Bürgermeisterwahl. Dabei wurde Achim Knoke daran erinnert, dass es auch Stadtteile gibt „un die nit vorhandene Millione nit nur in de Kernstadt versenkt werde“.

Quelle: op-online.de

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