Kerbburschenjahrgang schwelgt in Erinnerungen:

Letzte Kerb vor 50 Jahren

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Der Kerbburschenjahrgang 1948/49 war 1967 für die Kerb in Babenhausen verantwortlich.

Babenhausen - Reihum wird derzeit in den Dörfern Kerb gefeiert. In Babenhausen ging die letzte traditionelle Kirchweih mit Tanz, Umzug und Rede vor 50 Jahren über die Bühne. Von Petra Grimm 

Grund genug für den Kerbburschenjahrgang 1948/49, der im September 1967 die Großveranstaltung ausrichtete, sich zu treffen und alte Fotos und Anekdoten auszutauschen. Dass sie einmal der letzte Kerbburschenjahrgang in Babenhausen sein würden, hätten sich die 27 jungen Männer damals nicht vorstellen können. „Es war eine Tradition, die nach uns leider eingeschlafen ist. Es hat sich kein Jahrgang mehr gefunden, der die Kerb organisieren und ausrichten wollte. 20 Jahre später oder so habe man auf Initiative der Gaststätte „Hanauer Tor“ einen Wiederbelebungsversuch gemacht. Aber so wie früher wurde es nie mehr“, erzählen die ehemaligen Kerbburschen bei ihrem Treffen, das Herbert Willand angestoßen hatte.

50 Jahre später: Die Kerbburschen von einst mit dem Plakat zur Kerb 1967. „The Daiana“ und „The Tramps“ waren damals angesagte Bands.

Er saß damals im fünfköpfigen Organisationskomitee, das sich bereits im November 1966 zusammenfand, um mit den Vorbereitungen für die dreitägige Veranstaltung zu beginnen. „Wir haben besprochen, wer welche Aufgabe übernimmt, welche Kapellen wir buchen wollen und wie wir die Sache finanzieren. Denn die Miete für die Stadthalle, Gebühren für die Gema, Plakate und anderes mussten von uns ja vorfinanziert werden“, erinnert sich Willand. Und die damals 18 und 19-jährigen Burschen – die meisten noch in der Ausbildung – hatten zwar keine großen Reichtümer, die sie investieren konnten, aber jede Menge Enthusiasmus. Sodass sie ihre 600 Werbeplakate nicht nur in den umliegenden Dörfern aufhängten. „Wer von uns ein Auto hatte – und das waren damals die wenigsten – fuhr bis in den Odenwald, um die Plakate zu verteilen“, erzählt Wolfgang Groß.

Zur Vorfinanzierung der Veranstaltung warf jeder der jungen Männer 70 Mark in den großen Topf, was für sie damals viel Geld war. Und es war vor 50 Jahren nicht anders als heute bei vielen Festen: „Wir haben am Ende nicht draufgezahlt, sind aber auch nicht reich geworden durch die Einnahmen“, sagen sie. Die beiden damals bekannten und beliebten Kapellen „The Daiana“ und „The Tramps“ wurden aus den Eintrittsgeldern der drei Tanzabende in der Stadthalle bezahlt. Eine weitere Investition hatte die Gruppe auch getätigt – und zwar einheitliche Pullover und Kappen, die auf den alten Fotos zu sehen sind.

Beim Kerbtanz am Samstagabend sei richtig was los gewesen, war damals auch in verschiedenen Zeitungen zu lesen. Diese Berichte über „ihre“ Kerb hat Herbert Willand gesammelt und aufgehoben.

Kerb in Harpertshausen

Nachdem die Kerb sonntags in Form einer Flasche Wein ausgegraben worden war, setzte sich der Umzug, der aus dem Wagen mit den Burschen und einer Kutsche mit Kerbvadder, Redner und Stoffel bestand, von der Brauerei aus in Bewegung. „Kerbvadder war damals Dieter Fengel. Die Rede hielt Herbert Lobdowski, nachdem wir auf dem Stadthallenparkplatz den Kerbkranz aufgehängt hatten“, so die inzwischen ergrauten Burschen, deren Kondition am Montag bei der traditionellen „Lumbekerb“ in besonderer Weise gefordert war. „Da haben wir uns alte Kleider angezogen und sind vom Vormittag an auf einem Wagen von Kneipe zu Kneipe gezogen. Die Wirtsleute und andere Gäste haben uns freigehalten“, erinnern sie sich an diesen feuchtfröhlichen Tag, an dessen Abend sie trotzdem wieder ihre Dienste beim Tanz in der Stadthalle leisteten. Zwei Wochen später luden sie die Bevölkerung noch einmal zum Tanzen ein, denn eine Nachkerb war Tradition.

Zur Brauchtumspflege gehört es auch heute noch, dass in dem einen oder anderen Dorf der Kerbstoffel verschwindet. „Ich weiß noch, dass wir damals den Zellhäusern ihren Stoffel geklaut hatten. Erwischt haben sie uns nicht, sonst hätte es Prügel gegeben“, erzählt Norbert Thierolf. Zur Revanche kam es nicht. „Die wussten ja bis jetzt nicht, dass wir es waren“, so Thierolf. Gelegentlich sei es in Nachbarorten auch zu feindlicher Stimmung oder Handgreiflichkeiten gekommen, wenn auswärtige junge Männer beim Kerbtanz auftauchten und das „Revier“ der heimischen Burschen bedrohten, indem sie den Mädchen schöne Augen machten. Lachend erinnern sich einige in der Runde, dass sie aus diesem Grund mal von Stockstadt aus durch den Wald Richtung Heimat türmen mussten.

Quelle: op-online.de

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