„Zoff mit dem Stoff“

Flucht vor Müslizwang

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Ökofanatikerin Maja Müslein wundert sich, warum ihr Mann Klausi-Mausi „in Sachen seiner Mutter“ unterwegs ist.

Hergershausen - Mit dem Titel „Zoff mit dem Stoff“ lockt das Kickers-Theater die Zuschauer. Ein Besuch lohnt sich. Das Stück ist ein Dauerbeschuss aufs Zwerchfell. Von Petra Grimm

Geschlossene Augen und ausgebreitete Arme – so sitzt Henneliese von Wolkenstein (Ingrid Klein), eine gut betuchte, leichtgläubige Patientin, auf einem großen Feng-Shui-Ball und atmet tief ein und aus.

„Hören Sie, wie das chinesische Meer rauscht?“, ruft ihr Maja Müslein (Sigrun Saul) zu, während sie aus einer großen Gießkanne Wasser in einen Eimer schüttet. Mit ungewöhnlichen Heilmethoden wurden am Samstag auf der Bürgerhausbühne Probleme beim Wasserlassen behandelt oder auch im Hals stecken gebliebene Brotstückchen.

Dem Zwerchfell der Zuschauer wurde kaum eine Pause gegönnt. Einige schienen das ganze Stück durchzulachen. Kein Wunder. Was die Kickers-Theatergruppe unter der Regie von Sabrina Schäfer aus dem Schwank „Nur Zoff mit dem Stoff“ von Bernd Gombold gemacht hat, war ein Dauerbeschuss mit Gags. Seit 1988, dem Jahr als der SV Kickers sein 75-jähriges Bestehen feierte, tritt die Laienspieltrtruppe regelmäßig vor ihr Publikum. Inzwischen alle zwei Jahre.

Schon das zehnte Stück

„Die erste Aufführung war damals der Auftakt zum Festjahr. Jetzt spielen wir unser zehntes Stück, und der Verein feiert im kommenden Jahr sein hundertjähriges Bestehen“, sagte Alexander Buia bei der Begrüßung der Premierengäste am Samstagabend. Diese amüsierten sich köstlich bei der Geschichte um das Ehepaar Günter und Erika Kohlkopf (Günther Stübinger und Inge Herget). Die haben als Gemüsebauern ein karges Einkommen und außerdem fast täglich Zoff mit ihrer resoluten Nachbarin Maja Müslein. Sie schwört auf ökologischen Gemüseanbau und verdient ordentlich Geld mit chinesischen Heilmethoden. Nebenbei terrorisiert sie ihren Ehemann Klaus (Wilfried Klein), der vorm heimischen Müslizwang heimlich zur Bratkartoffelpfanne seiner Nachbarn flüchtet. Als der leichtgläubige Günter Kohlkopf von seinem dubiosen Untermieter Hassan (Alexander Buia mit schwarzer Pferdeschwanzperücke) ein Angebot bekommt, schnell viel Geld zu verdienen, nimmt die Geschichte dann so richtig Fahrt auf.

Klatschen, jubeln, Lachtränen in den Augen: Dem Publikum bleibt keine Zeit für Langeweile.

Das turbulente Treiben auf der Bühne erlaubte keine Minute Langeweile. In ihren Dialogen zeigten die Darsteller allesamt herausragendes komödiantisches Talent. Glaubwürdig, und ohne dass der Text auch nur eine Minute aufgesagt klang, stellten sie die zumeist schrägen Charaktere dar. Souffleuse Leni Thomas hatte wenig zu tun. Als einfältige Kundin Berta Lädele war Christa Weinert gekonnt unterwegs, und das temperamentvoll streitende italienische Gastwirts-Ehepaar gaben Walter Morian und Simone Ullrich mit tollem Akzent. Markus Nelhübel als rosa gekleideter Thorsten war schon rein optisch eine Offenbarung.

Was Waltraud Klein und Nadine Ullrich in Sachen Maske und Kostüm geleistet haben: beeindruckend. Und das sorgte für einige Überraschungen. Als Wilfried Klein („Klausi-Mausi“) die Bühne betrat, mit blonder Prinz-Eisenherz-Perücke, in Strickpullover, bunten Shorts und mit Peace-Zeichen um den Hals, schrie der Saal auf. Einige rangen nach Luft vor Lachen. Ebenso als er „in Sachen seiner Mutter“ zum Amtsgericht bestellt wird, und sich dementsprechend in ihren Kleidern auf den Weg machen will.

Der gute Ruf der Kickers-Theatergruppe lockt regelmäßig auch viele Besucher von außerhalb ins Bürgerhaus. Das Interesse an den vier Theaterabenden war in diesem Jahr wieder enorm. Die beiden Aufführungen am vergangenen Wochenende waren restlos ausverkauft, und auch für kommenden Samstag gibt es keine Karten mehr. Für die letzte Vorstellung am Sonntag sind nur noch eine handvoll Restkarten zu haben.

Quelle: op-online.de

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