Beim Waldrundgang wird aufgezeigt, wie sich der Forst verändert.

Kiefern weichen der Buche

Offenbach-Post

Hergershausen - Die Bauhofmitarbeiter hatten zwar am Samstagmorgen zur Sicherheit ein Zelt aufgebaut, aber das Wetter hielt bis zum Ende des über zweistündigen Waldrundgangs.

Rund 70 kleine und große, zwei- und vierbeinige Teilnehmer genossen den informativen Spaziergang, zu dem die Stadt und das Hessische Forstamt Dieburg eingeladen hatten. „Seit zwölf Jahren laden wir auch die Bürger zu diesem Rundgang durch den Wald ein“, sagte Stadtverordnetenvorsteher Rüdiger Manowski bei der Begrüßung auf dem Parkplatz in der Kurve zwischen Hergershausen und Eppertshausen. In den Jahren davor waren lediglich die Stadtverordneten, oft begleitet von einigen Amerikanern, mit den Förstern durch den Stadtwald marschiert.

Rund 2 300 Hektar groß ist der Babenhäuser Stadtwald. „Wir sind eine der waldreichsten Gemeinden des Kreises“, sagte Manowski, der sich bei den Bauhofmitarbeitern und der Feuerwehr, die nach dem Rundgang heiße Würstchen verteilte, für ihre Mithilfe bedankte. Auch das Rote Kreuz unterstützte die Veranstaltung mit zwei Helfern. Bürgermeisterin Gabi Coutandin betonte bei der Begrüßung, dass der Wald einer der wenigen Geschäftszweige der Stadt sei, „der ein Plus abwirft“.

Am Samstag ging es drei Kilometer durch den Hergershäuser Wald, der seit der Eingemeindung zum Babenhäuser Stadtwald gehört. „Themen heute sind die Waldentwicklungsstadien. Wir zeigen ihnen jungen und alten Wald, außerdem geht es um Naturschutz. Denn das Forstamt kümmert sich nicht nur um die Waldwirtschaft, sondern bringt auch den Arten- und Biotopschutz voran“, sagte Forstamtsleiter Helmut Seitel, der die drei Teilnehmergruppen mit seinen Mitarbeitern Lothar Seipp, Thomas Schmalenberg und Tino Manthey durch den schon langsam herbstlich aussehenden Wald führte.

Forstamtsmitarbeiter Stefan Rickert erläuterte an einer festen Station auf der Abteischneise neben einem kleinen Tümpel kurz das Thema Naturschutz. Früher habe es viel mehr Feuchtgebiete gegeben. „Über Jahrhunderte wurden sie entwässert, Flüsse begradigt und Sümpfe ausgetrocknet“, sagte er. Als Lebensraum für verschiedene Tierarten seien diese kleinen Tümpel aber schützenswerte Biotope: „Die Seerosen allerdings sind hier eigentlich ein Fremdkörper. Die verdanken wir einem Gartenfreund.“

Lebensraum für Spechte, Fledermäuse, verschiedene Käfer und Würmer oder auch Greifvögel bieten so genannte Habitat-Bäume. Revierförster Lothar Seipp zeigte den Spaziergängern einige dieser Exemplare mit Rissen und Spalten. Diese Bäume, die nicht mehr „gesund“ sind, bleiben aus Naturschutzgründen stehen. Gerade auch das Holz, das nicht mehr „lebt“, bietet durch seine Fäulnis einen besonderen Lebensraum. Es gibt Tiere, die nur in diesem Holz leben können. „Nur wenn so ein Baum direkt am Wegrand steht, wird er entfernt. Denn da geht die Verkehrssicherung vor dem Naturschutz. Die Krone oder ein Ast könnten ja abbrechen, wenn das Holz mürb ist, und einen Spaziergänger verletzen“, so Lothar Seipp.

An verschiedenen Stellen machten die Förster deutlich, wie sich das Waldbild entwickelt. So erklärte Seipp an einer Fläche mit schönen, gerade gewachsenen Kiefern und Buchen sehr anschaulich, wie ein Kiefernstandort der Buche weicht. Unter den 153 Jahre alten Kiefern wachsen 93 Jahre alte Buchen. „Da haben wir die genaue Jahreszahl, wann diese Bäume gepflanzt wurden, in alten Unterlagen“, sagte Seipp. Außerdem hat sich die Buche hier nach dem schlimmen Windwurf 1990 selbst angepflanzt, was die Förster Naturverjüngung nennen. „Wo genug Licht und Platz und auch Nährstoffe im Boden sind, pflanzt sich die Buche selbst an. Auf einem reinen Sandstandort geht das allerdings nicht so wie hier“, sagte Seipp, der erklärte, wie sich diese Fläche in den nächsten Jahrzehnten verändert wird. „Die Kiefer wird nach und nach entnommen, bevor sie von Innen heraus fault und der Wert des Holzes hin ist. Die Buche wird das Ganze dann übernehmen. Denn die Kiefer kann sich hier wegen der Dunkelheit nicht selbst verjüngen. Das wird mit der Zeit ein Buchenbestand werden“. Dass in der Waldwirtschaft in Jahrzehnten gedacht wird, wurde deutlich.

Seipp erläuterte unterwegs die Jungwuchspflege und was nach dem Windwurf 1990 im Wald so passiert ist. Verschiedene Arbeitsgeräte, wie den Hohlspaten, die Waldsense oder auch die Heppe führte er vor.

Die Bürger nutzten während des geselligen Rundgangs die Gelegenheit, dem Förster „Löcher in den Bauch“ fragen zu dürfen. Eine gelungene Veranstaltung, die zwar nicht mehr die Größe und den Volksfestcharakter früherer Jahre hat. Aber ihren wesentlichen Zweck - über die Arbeit des Forstamtes und den Wald als Lebensraum zu informieren - nach wie vor hervorragend erfüllt. Was vor allem dem Engagement der Forstamtsmitarbeiter zu verdanken ist.

Quelle: op-online.de

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