„Kiesabbau in den Wald legen“

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Ralf Geißler wehrt sich gegen das Vorhaben von S&H.

Babenhausen - Geht es nach den Plänen der Firma Schumann & Hardt (S&H), wird in den nächsten 30 Jahren auf einer Fläche von 26 Hektar südlich der Dudenhöfer Straße (beim Akazienhof) Kies gefördert. Mit diesem Vorhaben macht sich die Firma erbitterte Gegner in der lokalen Landwirtschaft.

Deren Hauptargument: Wertvolle Ackerfläche, die an entsprechender Stelle gepachtet ist, ginge verloren. Unser Mitarbeiter Michael Just hat Landwirt Ralf Geißler zu einem Interview gebeten, um das klare „Nein“ der ortsansässigen Landwirte zu erläutern.

Herr Geißler, Sie haben eine Sammelklage beim Regierungspräsidium eingereicht. Wie viele Leute haben sich dieser Klage angeschlossen?

Rund 15 Personen, darunter alle Landwirte in Babenhausen sowie ein halbes Dutzend Privatpersonen.

Die Pläne zum erweiterten Kiesabbau liegen seit 1995 auf dem Tisch. Warum reklamieren Sie erst jetzt?

Das stimmt nicht. Wir oder unsere Väter haben auch schon damals gefordert, den Kiesabbau in den Wald zu verlegen. Die Kritik war nur verstummt, weil man uns sagte, dass dann für jedes Hektar Wald zwei Hektar Ackerland aufgeforstet werden müssten. Damit wären wir doppelt bestraft worden. Diese Gesetzeslage gibt es in dieser Form heute nicht mehr.

Was wäre für Sie die beste Lösung?

Wir sind nicht generell gegen den Kiesabbau. Uns ist bewusst, dass man nur dort Kies abbauen kann, wo es welchen gibt. Es besteht aber die Alternative, in den Wald zu gehen. Die Firma Weiss macht das bereits vor und hat eine Genehmigung bis an die bayerische Grenze. S&H will südlich der Dudenhöfer Straße fördern, weil das für sie am einfachsten ist.

Geht S&H zum Kiesabbau in den Wald, kommt man trotzdem um einen Ausgleich und damit eine Aufforstung an anderer Stelle nicht herum.

Auch wenn das langwierig ist, plädieren wir dafür, Teile der Baggerseen wieder zuzuschütten und dann aufzuforsten. Dann könnte man im Gegensatz zu den jetzigen Nadelhölzern sogar hochwertigere Laubbäume wie die Stieleiche kultivieren. S&H argumentiert, dass das Zuschütten der Seen aufgrund von Wasserschutzbestimmungen nicht geht. Das stimmt nur zum Teil: Wegen den Brunnengalerien ist das an dem schon bestehenden See an der Dudenhöfer Straße nicht möglich, sehr wohl aber am Haselsee. Die Firma Aumann/Vepro praktiziert genau das in einem anderen Bereich dieses Gewässers. Wenn S&H für das Zuschütten keine Genehmigung hat, muss die Politik diese schaffen.

Gibt es Landwirte, die in dem neuen Fördergebiet so viel Fläche haben, dass eine Existenzgefährdung droht?

Der Verlust an Fläche liegt bei maximal zehn Prozent. Wir müssen aber das Gesamtpaket sehen: Werden zukünftig alle in der Stadt geplanten Vorhaben – etwa die Umgehungsstraße oder Gewerbegebiete – realisiert, gehen insgesamt 130 Hektar verloren. Das sind 30 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche Babenhausens. Für ein oder zwei Betriebe würde das wohl das Aus bedeuten. Ginge es nur um den Kiesabbau, und wir hätten dann 20 Jahre Ruhe, wäre das vermutlich kein Problem. Leider ist das nicht so. Dauernd kommt etwas Neues auf uns zu.

Sie sagen, die Landwirte haben ohnehin schon einen schweren Stand.

Das stimmt. Fast jeder unserer Äcker ist ausgewiesen, etwa als Vogel-, Landschafts-, Natur- oder Wasserschutzgebiet mit seinen Dünge- und Mähvorschriften. Das macht die Arbeit nicht gerade leichter.

Als ungünstig erweist sich, dass die Landwirte in dem besagten Gebiet nur Pächter sind. Die Eigentümer dürften bei den angebotenen Kaufspreisen kaum widerstehen können.

Als Eigentümer hätten wir natürlich eine andere Kraft. Den jetzigen Besitzern kann man einen Verkauf nicht übel nehmen, da sie nun die Pacht von 500 oder 600 Jahren auf einmal bekommen können.

Der Geschäftsführer von S&H, Gerhard Lendemans, hat gesagt, wenn die Landwirte Eigentümer wären, würde man nicht hier sitzen. Damit spielte er darauf an, dass selbst Sie in solch einem Fall mehr oder weniger problemlos verkaufen würden.

Hätten wir die Erlöse aus dem Verkauf, bliebe uns zumindest die Möglichkeit, mit dem Geld die Höfe umzustrukturieren – etwa durch den Bau einer Biogasanlage. Nach dem jetzigen Stand der Dinge stehen wir in jeder Beziehung mit leeren Händen da.

Was fordern sie von Gemeinde und Parlament?

Wir erwarten, dass man den Kiesabbau in den Wald verlegt. Sah es am Anfang so aus, als ob das neue Abbaugebiet faktisch schon beschlossene Sache ist, sind wir jetzt wieder guter Dinge und zählen auf die noch ausstehende Abstimmung in der Stadtverordnetenversammlung. Die Westumgehung ist bereits seit 25 Jahren geplant, der Ausbau der B 26 noch länger. Das stimmt zuversichtlich, dass beim neuen Kiessee ebenso lange nichts passiert.

Quelle: op-online.de

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