„Kinder sind kritische Zuschauer“

+
Die Schauspielerin Franziska Spiwoks hilft Kindern, sich in Löwen, Zebras oder Clowns zu verwandeln.

Babenhausen - Die Besucher der Kinderkulturtage, zu denen die SPD kürzlich in zwei Stadtteile eingeladen hatte, haben sie als Puppenspielerin und gut gelaunt im Einsatz beim Kinderschminken und Basteln von Zebraohren erlebt. Von Petra Grimm

Die junge Schauspielerin und Kunstpädagogin Franziska Spiwoks, die in Harreshausen wohnt, ist beim Darmstädter Tourneetheater „Theater auf Tour“ angestellt. In ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich spielt die 25-Jährige mit der Theatertruppe vor Kindern und Jugendlichen. Unsere Mitarbeiterin Petra Grimm hat sich mit ihr über ihre Arbeit unterhalten.

Wie kamen Sie zu diesem Beruf? War es ein Jugendtraum von Ihnen, Schauspielerin zu werden?

Franziska Spiwoks: Nach meinem Abitur in Aachen, wo ich auch geboren und aufgewachsen bin, bin ich nach Leipzig gezogen, um dort an einer Privatschule eine vierjährige Ausbildung in Schauspiel, Tanz, Gesang und Pädagogik zu machen. Danach fand ich die Anstellung in Darmstadt beim „Theater auf Tour“. Ein Jugendtraum war die Schauspielerei eigentlich bei mir nicht. Ich habe zwar von Kindheit an Instrumente gespielt und auch Ballett getanzt, wollte aber eigentlich Physik oder Wirtschaftswissenschaften studieren. Erst kurz vor Beginn des Studiums ist bei mir die Entscheidung gefallen. Ein bisschen hat mich auch meine alte Ballettlehrerin beeinflusst, die mir den Tipp gab. Ihr war aufgefallen, dass ich immer die Rollen mit besonders viel Ausdruck getanzt habe.

Warum machen Sie hauptsächlich Theater für Kinder und Jugendliche. Was ist besonders an diesem Publikum?

Kinder sind so ehrlich. Erwachsene klatschen auch, weil sie die teure Theaterkarte bezahlt haben. Wenn die Kinder einem nicht glauben, hat man es schwer. Sie sind anspruchsvoller als die Erwachsenen. Oft haben die Kinder auch die Bücher gelesen und ganz feste Vorstellungen von Pippi oder Petterson und Findus. Auch Jugendliche sind sehr kritisch. Ich arbeite gerne mit Kindern, weil ich ihre Lebendigkeit so inspirierend finde. Auch wenn Kinder- und Jugendschauspieler nicht so angesehen sind und nicht so viel verdienen wie andere Schauspieler, möchte ich doch weiter vor allem für dieses Publikum arbeiten.

Wenn Sie mit ihrem Puppentheater „Klein aber fein“ vor Kindern auftreten, spielen sie alle Rollen, sorgen für Musik und schreiben auch die Stücke selbst. Gibt es dabei eine bestimmte Botschaft, die sie verbreiten wollen, und spielt in Ihren Stücken immer der Kasper die Hauptrolle?

Ich schreibe und spiele auch andere Geschichten. Aber vor allem jüngere Kinder stehen auf den Kasper, erwarten ihn auch. Die Botschaft des Kaspers ist, dass man mit Freude auf etwas zugehen soll und sich nicht unterkriegen lassen darf.

Das scheint ja auch Ihre eigene Lebenseinstellung zu sein. Denn Sie planen den mutigen Schritt, sich ab Oktober selbstständig zu machen und bei ihrem bisherigen Arbeitgeber nur noch mit Gastvertrag zu arbeiten. Sie wollen Ihr Arbeitsspektrum erweitern. Was haben Sie vor?

Ich möchte in Zukunft noch mehr Projekte mit Kindern, beispielsweise bei Straßenfesten und ähnlichen Veranstaltungen machen. Außerdem möchte ich im Bereich „Image-Coaching“ arbeiten. Also Seminare geben, in denen ich den Leuten zeige, wie sie ihre Stimme und ihren Körper besser einsetzen können. Ich habe mich auch als Sprecherin für Hörspiele beworben und schreibe selbst Stücke. Man muss in dieser Branche, vor allem wenn man selbstständig und ohne Chef leben will, ein breites Spektrum haben, um sein Geld zu verdienen.

Was haben eigentlich Ihre Eltern zu Ihrer Berufswahl gesagt?

Ich dachte eigentlich, dass sie es komisch finden würden. Aber erstaunlicherweise fanden sie es gut und haben mich immer unterstützt. Wahrscheinlich, weil sie sehen, dass ich etwas mache, was mir Spaß macht.

Was wünschen Sie sich beruflich für die Zukunft?

Dass der Beruf wieder mehr geachtet wird und dass auch das „kleine Theater“, also nicht die großen Musical-Produktionen oder das Boulevardtheater, gesellschaftsfähiger werden. Dass das Theater modern sein kann und doch von vielen angeschaut wird. Was mich sehr stört ist, wie Kinder in unserer Gesellschaft gesehen werden. Ich wünsche mir, dass sie weniger als Behinderung im Alltag betrachtet werden. Wenn ich von meinen Zukunftsplänen erzähle, fällt mir das immer auf. Da heißt es oft sofort, nur nicht zu früh Kinder bekommen, die stören doch nur und du kannst nicht mehr so gut arbeiten.

Apropos Zukunftspläne: Am Freitag werden Sie Ihren Kollegen Jan Bareins heiraten. Wollen Sie auch selbst Kinder haben?

Ja, auf jeden Fall. Mindestens zwei.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare