Autor Jens Schumacher in der Joachim-Schumann-Schule 

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Jens Schumacher inmitten seiner Fans.

Babenhausen - Komische Kreaturen, Feuerwände, gefährliche Tiere, aber auch normale Menschen; es entstehen vielfältige Geschichten, wenn Kinder literarisch ihre persönliche phantastische Welt erschaffen und darin allerlei märchenhafte Geschöpfe ihre ganz eigenen Abenteuer erleben. Von Janina Becker

„Klar war ich aufgeregt und hatte ganz schön Herzklopfen, weil ich vor so vielen Leuten etwas vorgelesen habe“, sagt einer der 20 jungen Autoren, nachdem er einen Ausschnitt aus seiner Geschichte vorgetragen hat. Seit 2004 werden an der Joachim-Schumann-Schule Schulschreiberprojekte mit bekannten Künstlern durchgeführt, an denen interessierte und motivierte Schüler des fünften Jahrgangs teilnehmen können. Nun erscheint zum achten Mal eine vielfältige Textsammlung, diesmal zum Thema „Fantasy“.

Die fesselnde Wirkung dafür zieht sich dank bekannter Werke wie „Harry Potter“ oder „Eragon“ durch alle Altersstufen. Vor allem Kinder tragen große Faszination für Fantasiewelten voller Magie, exotische Orte und schauerliche Kreaturen in sich, stellt Kinderbuchautor Jens Schumacher immer wieder fest. Doch wie entstehen die bunten Ideen der Teilnehmer? Fast wie ein Bauplan wird anfangs eine Weltkarte skizziert, in die allerhand Ruinen, Schluchten oder Vulkane gezeichnet werden. Praktisch von alleine entstehen dabei auch schon Figuren, die diese Welt besiedeln und bizarre Dinge erleben. Für die Namen ihrer Insel und Kreaturen nutzen die jungen Autoren lateinische oder griechische Wörterbücher und mit veränderten Endungen entstehen dann Titel, wie „Verloren in Multaris“ oder „Die zehn Agoneas“.

Dass es aber auch schwer sein kann, als Autor all seine Gedanken zu formulieren und genügend Ideen bis zum Ende zu haben, merken die Schreiber schnell. An dieser Stelle ist es überaus hilfreich, einen Schreibprofi zur Seite zu haben, der bei der schriftlichen Umsetzung und beim Finden und Lernen des eigenen Stils behilflich ist. Bereits zum dritten Mal übernahm Jens Schumacher die Leitung des Projekts. Durch die Einblicke in die Arbeitsweise des Schriftstellers lernen die Kinder den schöpferischen Umgang mit der Sprache und dem Erzählen und sollen einen kritischen Blick für Geschriebenes erhalten.

„Er führt die Kinder einfühlsam, kreativ und sehr engagiert an die Schwelle ihrer eigenen fantastischen Welten“, sagt der Deutschfachbereichsleiter Wolfgang Seidl, der dafür verantwortlich ist, dass das Schulschreiberprojekt zum festen Bestandteil des Schulprogramms geworden ist. Das Schreiben soll helfen, Gefühle, Erlebnisse und Erfahrungen zu verarbeiten und zu strukturieren. „Das Erfinden und Ausdenken phantastischer Situationen kommt im Schulalltag manchmal leider viel zu kurz“, so Seidl. Der Schreibworkshop fördert die kreativen Kompetenzen der Kinder und dient dazu, die Welt durch eigenes Schreiben zu begreifen.

Die deutschen Literatur-Nobelpreisträger

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Nicht zu verachten ist auch der Stolz am Ende, als Autor etwas Greifbares in den Händen zu halten. An vier Projekttagen traf sich die Schreibgruppe im März und April 2012 in der Schulbücherei und arbeitete an unterhaltsamen und spannenden Geschichten. Nach dem Schulumbau konnten endlich am Donnerstag, mit kurzen Ausschnitten und zusammengesetzten Collagen aus mehreren Geschichten, die geschriebenen Werke präsentiert werden; „Manche humorvoll, andere actionbetont; ein Spektrum, das die Verschiedenartigkeit und Bandbreite der Teilnehmer widerspiegelt“, bemerkte Schumacher. Die Zusammenfassung aller Geschichten liegt in Form eines 120-seitigen Readers in der Schulbibliothek aus.

Im Publikum saßen vor allem die neuen fünften Klassen, die nun auch die Möglichkeit haben, Schulschreiber zu werden. Zum neuen Thema „Abenteuergeschichten“ werden im Mai wieder zusammen mit Jens Schumacher die Stifte heißlaufen, um mit viel Spaß beispielsweise von Superhelden in einer Großstadt, einer Zeitreise in das antike Rom oder einem Schiffsbruch auf einer einsamen Insel zu berichten.

Quelle: op-online.de

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