Auch nach Gefängnis nicht frei

Darmstadt/Babenhausen - Sechs Jahre und anschließende Sicherungsverwahrung, so lautet das Urteil im Missbrauchsprozess gegen den Angeklagten Rainer R. Da er von Anfang an geständig war, konnte das Gericht schon am zweiten Verhandlungstag das Urteil fällen. Von Ulrike Bernauer

Der Vorsitzende Richter Jens Aßling folgte mit seinem Strafmaß dem Antrag der Staatsanwältin Karin Ophaus. Verteidiger Wolfgang Breunig hatte eine angemessene Strafe gefordert, aber ohne Sicherungsverwahrung. Vor der Urteilsverkündung hatte der Angeklagte beteuert, seine Taten zu bedauern.

Der ehemalige Babenhäuser R., (46) war in insgesamt 17 Fällen angeklagt, fünf Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren zwischen 1995 bis 2008 missbraucht zu haben. Er lebte von 1994 bis 2000 mit seiner damaligen Lebensgefährtin und deren Tochter und Sohn zusammen. In dieser Zeit hatte er beide Kinder mehrfach sexuell missbraucht. Auch nach der Trennung verging sich der Mann an dem Jungen, der ihn mehrfach besuchte. Ab 2008 knüpfte der Angeklagte Kontakt zu benachbarten Familien. Deren Kinder, ein Mädchen und zwei Jungen, wurden ebenfalls seine Opfer.

Vom Streicheln bis zum Geschlechtsverkehr reichten die Vorwürfe, die der Angeklagte auch nicht bestritt. In seiner Urteilsbegründung würdigte Richter Aßling sowohl die mildernden, als auch die strafverschärfenden Aspekte der Taten. Negativ wirke sich die Vielzahl der Fälle aus, insgesamt waren 17 Einzeltaten Gegenstand des Strafverfahrens. Ohne seine Mithilfe hätten sich aber manche Fälle nicht beweisen lassen, da gerade der Missbrauch an den älteren Stiefkindern schon viele Jahre zurückliege und sich auch nicht mehr richtig rekonstruieren lasse.

Nur bei erfolgreicher Therapie keine Sicherungsverwahrung

Dennoch meinte Richter Aßling, „die bekannt gewordenen Fälle sind wohl nur die Spitze des Eisbergs“. Der Vorwurf der Vergewaltigung in einem Fall habe sich nicht bestätigen lassen, auch von einer physischen Gewaltanwendung könne nicht ausgegangen werden. Welchen seelischen Schaden gerade die mittlerweile erwachsenen Stiefkinder davon getragen hätten, habe man bei der Befragung vor Gericht sehen können.

Strafmildernd wertete der Richter die Geständigkeit des Angeklagten auch deshalb, weil so den jüngeren Kindern eine Aussage erspart geblieben sei. Für die Sicherungsverwahrung spreche, dass der Angeklagte fünf Kinder missbraucht habe und es sich bei den Taten mit den Stiefkindern um einen besonders hohen Vertrauensbruch innerhalb der Familie gehandelt habe. In seiner Prognose für die Zukunft des Angeklagten schloss sich Richter Aßling den Ausführungen des Gutachters Dr. Lothar Staudt an, der von insgesamt ungünstigen Rückfallquoten bei pädophilen Taten sprach. Zwar sei der Angeklagte nicht als Pädophiler zu bezeichnen, da er auch Befriedigung aus Beziehungen mit erwachsenen Frauen gewinnen könne, eine pädophile Neigung sei ihm aber zu bescheinigen.

Der Täter hofft nun auf eine Therapie. Ist sie erfolgreich, kommt es womöglich nicht zur Sicherungsverwahrung.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare