Kirchenempore als Wohnzimmer

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Eine Glasscheibe trennt den ehemaligen Altarraum vom hinteren Wohnbereich. Bald könnten vorne kleine Konzerte stattfinden – und Gottfried Salz von seinem Frühstückstisch zuhören. - Fotos (3):

Hergershausen - Er wollte etwas, was nicht jeder hat. „Und eine Kirche hat nicht jeder“, sagt der Hergershäuser Gottfried Salz und lächelt. 2005 kaufte der heute 61-Jährige von der Diözese Mainz die frühere katholische Kirche, die in der Ortsmitte Klein-Zimmerns steht. Von Jens Dörr

Bis Ende der 70er fanden dort Taufen, Gottesdienste und die heilige Kommunion statt.

Ab den 80er Jahren wurde sie als „Haus der Begegnung“ und Bücherei genutzt. Mittlerweile hält Automobil-Unternehmer Salz nicht nur an seinen Plänen fest, die Renovierung bald abzuschließen und den Kirchenbau dann –wie schon vor Jahren angekündigt – für kleine Konzerte zur Verfügung zu stellen.

Derzeit, da sich die faszinierende und auch ein wenig schillernde Persönlichkeit aus Hergershausen ein neues Heim in Eppertshausen bauen lässt, wohnt Salz auch selbst in dem Bau. Dass er selbst Protestant ist, sich zwischen Kruzifix, Antiquitäten und großem Flachbildschirm pudelwohl fühlt und „eigentlich gar nicht mehr ausziehen“ will, passt in eine fraglos ungewöhnliche Geschichte.

Gotteshaus als Museum

Bis in die 70er Jahre hinein fanden in der ehemaligen Klein-Zimmerner Pfarrkirche Gottesdienste und Taufen statt.

Bundesweit sind aus einstigen Gotteshäusern schon Museen geworden oder gar Kletterhallen. Dass man – wie in Klein-Zimmern – bei offener Tür einfach hereinspazieren kann, sich im vorderen Bereich, wo früher der Altar stand, umschauen und hinter einer Glasscheibe, die den Wohnbereich vom Rest der 1776 neu errichteten Pfarrkirche abtrennt, Salz womöglich die Füße ausstrecken sieht, ist jedoch ungewöhnlich.

„Tagsüber ist die Tür meistens auf“, sagt der solo in dem Kirchlein Wohnende über den Eingang am östlichen Ende. „Einfach vorbeikommen und reingucken“, fordert er wie schon in den vergangenen Jahren auf. Der Einladung seien etliche, besonders ältere Bürger aus der Gemeinde, aber auch von weiter her Angereiste gefolgt.

Dennoch schützt – gerade für die Nacht – eine ausgeklügelte Sicherheitstechnik das Gebäude. Salz spricht nicht über den konkreten Wert der Antiquitäten, die er seit mehr als drei Jahrzehnten sammelt, und auch nicht über den Preis für die Renovierungsarbeiten aus nun schon sieben Jahren.

Bei Deckengemälde an Grenzen gestoßen

Auf der Empore, die Gottfried Salz ausgebaut hat, befindet sich inzwischen sein Wohnzimmer.

Vieles habe er selbst gemacht, beim Deckengemälde sei er aber an seine Grenzen gestoßen. Es bedarf keiner großen Fantasie, dass der Antiquitäten-, Oldtimer- und Uhrensammler, der sich nicht besonders fromm nennen würde, ein kleines Vermögen in das denkmalgeschützte Gebäude gesteckt hat. Zwischen Altar, altem Sektkelch, selbst gebautem Kreuz („Jesus war aber drei Jahre lang beim Restaurator“) und Säulen, die einst im Aschaffenburger Hauptbahnhof standen, sei ihm „egal, wie lange die Renovierung noch dauert. Es ist mein Hobby, ich lasse mir Zeit.“

2014 soll die Außenansicht fertig gestellt werden, drinnen gebe es auch immer wieder etwas Neues zu tun. Und doch bleibt der Plan bestehend, das Gebäude in absehbarer Zeit für kleine Konzerte zu nutzen. Bald soll ein Flügel in die frühere, in den 80ern durch einen Neubau abgelöste Kirche, geliefert werden. Der Blickfang in der Ortsmitte würde als Ort der Begegnung eine Renaissance erleben. Und Gottfried Salz könnte dabei sogar vom Frühstückstisch aus zuhören.

Quelle: op-online.de

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