Online-Petition gestartet

Kita-Beirat kritisiert Lokalpolitik und Stadtverwaltung

Babenhausen - Bislang hatten nur die Stadtverwaltung und die Lokalpolitik das Wort. Nun verschafft sich der Gesamtelternbeirat der Kindertagesstätten Gehör und kritisiert die geplanten Änderungen. Von Norman Körtge 

Existenzangst, Verzweiflung, Sarkasmus – es ist eine wilde Mischung aus Gefühlen, die derzeit Eltern von Kindergartenkindern in Babenhausen umtreibt. Kein Wunder: Wie berichtet, soll die Betreuungskernzeit von sechs auf fünf Stunden reduziert werden, die maximale Betreuungszeit von 9,5 auf neun Stunden gesenkt, die Nachmittagsbetreuung in Langstadt und Harreshausen gestrichen und das bisherige Flexi- durch ein Stufenmodell ersetzt werden. Damit verbundenist eine neue Gebührensatzung. Auslöser ist das von CDU und Freien Wählern geschnürte Haushaltskonsoldierungspaket, dessen Anträge in der September-Sitzung, teilweise mit den Stimmen der FDP, mehrheitlich beschlossen wurden.

Das Sprachrohr der Erziehungsberechtigten, der Gesamtelternbeirat, hat sich nun zu Wort gemeldet, um seine Meinung kund zu tun. An erster Stelle: Verärgerung. Das Gremium fühlt sich übergangen. Erst in einer Sitzung Ende November sei der Elternbeirat ausführlich über anstehende Entscheidungen informiert worden. Mit dem Hinweis, dass wahrscheinlich in der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, 15. Dezember, darüber entschieden werden soll. „Wir sind quasi vor vollendete Tatsachen gestellt worden“, sagt Magdalena Aitken aus der Kita „Kunterbunt“. Wie sie fragen sich auch ihre Mitstreiter, die am Dienstagabend zu einem Treffen zusammen gekommen sind, warum sie in der eigens von der Stadtverordnetenversammlung eingesetzten und nicht-öffentlich tagenden Arbeitsgruppe „Kindertagesstätten“ nicht eingeladen worden sind, um die Sichtweise von Eltern einzubringen. So spricht Stefanie Raddatz von der Kita „Regenbogenland“ dann auch von einem „Walzverfahren“, mit dem die noch zu beschließenden Maßnahmen über die Eltern gebracht werden sollen: „Es findet keine Kommunikation statt.“

Es ist vor allem die bislang praktizierte – aber wegen der Vorhaltung von Personal auch für die Stadt teure – Flexibilität bei den Betreuungszeiten, die nun wegfallen soll. Einfach mal eine oder zwei Überstunden machen müssen, weil es der Arbeitgeber verlangt, wäre mit dem Wegfall der Zukaufstunden nicht mehr möglich. „Wer nicht auf Omas, Opas oder Tanten in der Nähe zugreifen kann, ist aufgeschmissen“, sagt Simone Finn von der Kita „Wichtelwald“.

Vor allem die Mütter seien von den Änderungen betroffen. Sie würden dazu führen, dass sich Frauen den Job nicht mehr leisten können. „Sie verdienen zu wenig, um die Kita zu bezahlen, oder aber die Betreuungszeiten sind nicht flexibel genug, um einer Erwerbstätigkeit nachzugehen“, heißt es von Seiten des Gesamtelternbeirates. „Neue Wohngebiete für junge Familien erschließen und diese großen Eingriffe ins bestehende Kita-System widersprechen sich – familienunfreundlicher geht es kaum“, heißt es nun in einem Positionspapier der Elternbeiräte. Auch dass der ASB als Betreiber der Kitas aufgefordert wird, bei den Reinigungskosten zu sparen, empfinden die Eltern als Unding. „Läuse und Krätze hätten es dann bald einfacher“, so der resignierend-sarkastische Kommentar dazu.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Sorge bereitet vielen Eltern, dass sie wahrscheinlich bald viel höhere Beiträge zahlen müssen, da die bisherige Gebührensatzung nach Einkommensgruppe ebenfalls in der September-Sitzung des Stadtparlaments gekippt worden ist. „Sind wir in unserer Existenz bald gefährdet, weil wir unser Kind in die Kita geben“, gibt Sinan Uslu (Kita „Wichtelwald) die Befürchtung von Kita-Eltern wider. Alle hätten in der Vergangenheit dazu beigetragen, dass die Stadt Schulden gemacht habe. „Jetzt müssen es auch alle ausbaden“, so die Meinung der Elternbeiräte. Demzufolge sei ein Drehen an der Grundsteuer-B-Schraube die solidarischere Alternative, als junge Familien über Gebühr zu strapazieren und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erschweren.

Der Gesamtelternbeirat hat eine Online-Petition gestartet: www.openpetition.de/petition/online/betreuung-erziehung-und-bildung-in-gefahr

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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