Kirchen feiern gemeinsam großes Fest

Klares Bekenntnis zur Ökumene

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Mehr als ein feierlicher Gottesdienst: Das ökumenische Kirchenfest lockte Besucher aus ganz Babenhausen an, unabhängig von ihrem Glauben.

Babenhausen - Mit dem jüngsten Kirchenfest auf dem Marktplatz haben die vier christlichen Gemeinden die Ökumene in der Stadt weiter gestärkt. Von Michael Just 

Der gemeinsame Gottesdienst, ein Mittagessen, der Auftritt des Babenhäuser Blasorchesters und das kleine Schauspiel zu „500 Jahren Reformation“ wurden unter großem Zuspruch der Bevölkerung angenommen.
„In meiner Kindheit betraten Katholiken nicht die Gotteshäuser von Protestanten und umgekehrt“, erinnert sich Pfarrer Hermann Fuchs. Für den katholischen Priester aus Unterfranken, der in Schaafheim wirkt, ist eine solche Auffassung nur schwer nachzuvollziehen. Auch unter dem Aspekt, dass sich die wenigsten Menschen ihre Konfession ausgesucht haben. Hermann Fuchs musste deshalb nicht lange überlegen, seinen verhinderten Kollegen, Pfarrer Ferdinand Winter, am Pfingstmontag auf dem Kirchenfest zu vertreten. Der Termin ist mittlerweile zum klaren Bekenntnis für gelebte Ökumene in Babenhausen geworden.

Eingeladen hatten die evangelischen Kirchengemeinden Babenhausen und Harreshausen, die katholische Kirchengemeinde St. Josef, die Emmaus-Gemeinde sowie das Gospelhaus. Die Organisation lag in den Händen des Lebensmittelpunkts. Weitere Unterstützung gab es von der Feuerwehr: Mit ihrer Gulaschkanone sorgte sie zusammen mit dem Lebensmittelpunkt, der kurdische Spezialitäten und ein Kuchenbuffet anbot, für den Mittagstisch. Das Babenhäuser Blasorchester übernahm nach dem Gottesdienst die musikalische Unterhaltung.

Die Ökumene macht es möglich, dass vier Pfarrer und Pastoren einen Gottesdienst halten. Unser Bild zeigt von links Gerhard Scharf, Hermann Fuchs, David Jocham und Frank Fuchs.

Gleich vier Predigten, eine von jeder Gemeinde, standen im Eröffnungsgottesdienst an. „Wir werden uns alle kurz fassen“, kündigte Pastor Gerhard Scharf von der Emmaus-Gemeinde schmunzelnd an. Wie er als erster sagte, sei die Informationsflut aus den Medien mit wahren und falschen Nachrichten gewaltig. Orientierung biete die Bibel, die keine manipulativen Absichten hege. Gerade in heutiger Zeit sei sie voller „Saft und Kraft“. Der katholische Pfarrer Hermann Fuchs stellte heraus, dass es nicht nur eine selig machende Kirche und eine Wahrheit gibt. Leider sei diese Erkenntnis mit Blick auf die Reformation lange bekämpft worden. Fuchs bezeichnete es als wichtig, dass man seine Meinung, genau wie Martin Luther es tat, vertritt. Pfarrer Dr. Frank Fuchs von der evangelischen Kirchengemeinde stellte heraus, dass vor Gott kein Leistungsgedanke zählt und jeder Gnade erhält. Allerdings sollte man sich auf dieser Gnade nicht ausruhen und aktiv eine christliche Lebensweise angehen. Pastor David Jocham von der Pfingstgemeinde Gospelhaus hob eine geschlossene Hand nach oben. „Wer daran glaubt, dass darin ein Fünf-Euro-Schein ist, darf nach vorne kommen, die Hand öffnen und den möglichen Inhalt behalten“, sagte Jocham. Eine junge Frau wagte als einzige den Schritt nach vorne freute sich über das Geld. Für den Pastor hat Glaube etwas mit Kommen und Vertrauen zu tun: „Wer nicht glaubt, wird sowohl bei den fünf Euro leer ausgehen als auch bei dem reichen Geschenk, das mit dem Glauben an Gott verbunden ist“.

Bilder vom Kirchenfest in Babenhausen

Umrahmt wurde der Freiluft-Gottesdienst von zwei Musikformationen: Die eine bildeten die katholische Kirchenmusik und der evangelischen Posaunenchor. Das Gospelhaus und die Emmaus-Gemeinde stellten eine kleine Band auf die Beine. Mit Gitarre und Schlagzeug brachte die reichlich Schwung auf dem Marktplatz und demonstrierte, wie sich Kirchenlieder modern, fröhlich und begeisternd abseits der Orgel untermalen lassen. Das Mitklatschen zeigte sich für einige Gläubige als ungewohnt und fand dementsprechend zaghaft statt. Der voll besetzte Marktplatz war Beweis dafür, dass das Kirchenfest als Veranstaltung aller Babenhäuser angenommen wurde. Alle fühlten sich durch das Christentum vereint. Im großen Jubiläumsjahr erhielt auch der Reformator seinen Platz: Zum einen als lebensgroße Playmobil-Figur, die die evangelische Gemeinde als Blickfang für die Feierlichkeiten 2017 angeschafft hat. Zum anderen im Rahmen eines kleinen Schauspiels: Hier wurden von einer Handvoll evangelischer Gemeindemitglieder Szenen aus der Babenhäuser Reformationsgeschichte dargestellt. Burkhard Schimpf, der durch seine Nachtwächterrundgänge bekannt ist, verkörperte Martin Luther. Erasmus Alberus, der von der Grafschaft Hanau-Lichtenberg angestellt war, den neuen Glauben in der Gersprenzstadt umzusetzen, spielte Pfarrer Frank Fuchs. Die Szenen entstammen aus der Feder von Ute Wittenberger vom Heimat- und Geschichtsverein.

Quelle: op-online.de

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