Kleine Oase für Bahnreisende

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Andrea Hausmann genießt seit fast genau einem Jahr ihre Selbstständigkeit im „Coffee Shop“ am Bahnhof. Ihre Gäste sind vor allem Stammkunden. Auch ihr allererster Kunde, ein Busfahrer, kommt nach wie vor regelmäßig in den kleinen Laden.

Babenhausen ‐ Das Babenhäuser Bahnhofsviertel fällt nicht gerade durch positive Schlagzeilen auf. Das ärgert Andrea Hausmann. Trotzdem, oder sogar deswegen, wagte sie vor etwa einem Jahr einen mutigen Schritt: Sie eröffnete in der Bahnhofshalle ihren „Coffee Shop“.  Von Veronika Szeherova

Eine Entscheidung, die sie nicht bereut hat. Obwohl sie zugibt: „Ich bin jemand, der selbst nie so ganz zufrieden ist. Ich denke immer, es könnte eigentlich noch besser laufen. Aber fürs erste Jahr, in dem man sich erst etablieren muss und viele Anfangskosten auf einen zukommen, war es ganz in Ordnung.“ Doch während Andrea Hausmann das sagt, lächelt sie übers ganze Gesicht. Denn die Arbeit macht ihr viel Spaß. „Es ist toll, das eigene Geschäft zu führen und sein eigener Chef sein zu dürfen“, sagt die 34-Jährige. „Das hab ich mir immer gewünscht.“

Dabei hat sie sich selbst ein strenges Arbeitsregime aufgelegt. „Naja, die Zeiten morgens sind brutal“, sagt sie und lacht. Bereits um fünf Uhr früh öffnet sie ihren kleinen Laden, von dem sie auf keinen Fall will, dass man „Kiosk“ sagt. Um zehn Uhr macht sie für zweieinhalb Stunden Mittagspause und öffnet dann erneut bis 16.30 Uhr. Das war am Anfang anders: „Da hatte ich durchgehend von sechs bis 15 Uhr geöffnet. Doch das hat sich nicht bewährt, denn um die Mittagszeit war so gut wie gar nichts los.“

Auch kam sie anfangs mit dem ersten Zug aus ihrem Wohnort Hergershausen zur Arbeit. Mittlerweile nimmt sie das Auto, um noch vor Beginn des Bahnbetriebs da zu sein. Denn auch die ganz frühen Kunden wollen bedient werden. „Aber ich gehe konsequent früh schlafen, dann fällt das Aufstehen nicht so schwer“, sagt Hausmann. „Außerdem bin ich das auch vom Hotel gewohnt.“ Denn die Restaurant-Fachfrau absolvierte ihre Ausbildung im Darmstädter Hotel „Maritim“.

Den Sprung in die Selbstständigkeit wagte sie, nachdem sie sechs Jahre lang Filialleiterin in einer Autovermietung war. „Was ich dort und im Hotel gelernt habe, lässt sich ganz gut auf die Arbeit hier im eigenen Betrieb übertragen“, sagt Andrea Hausmann und blickt sich zufrieden in ihrem kleinen, gemütlichen „Coffee Shop“ um. „Der Umgang mit den Kunden macht mir Spaß. Die meisten von ihnen sind Stammkunden, und man lernt sich mit der Zeit ein wenig kennen“, erzählt sie. Der Großteil der Menschen, die ihren Laden aufsuchen, sind Schüler und Berufspendler. Daher hat der Laden am Wochenende geschlossen. Den Fahrplan für den Babenhäuser Bahnhof hat die junge Frau mit der Zeit verinnerlicht und weiß genau, mit welchen Zügen normalerweise ihre Kunden fahren.

Neu im Sortiment: Hotdogs

Egal für welche Altersgruppe, der Verkaufsschlager in ihrem Laden ist der Filterkaffee, gern auch in Kombination mit einem belegten Brötchen. Auch andere Kaffeegetränke, wie Latte Macchiato in verschiedenen Geschmacksrichtungen, gehen vor allem morgens gut über die Ladentheke. Zu essen gibt es Snacks wie Paninis und Sandwiches, neu im Sortiment auch Hotdogs. Diese sind vor allem bei Schülern beliebt. Das alles bereitet Andrea Hausmann frisch zu, daher muss man schon mal fünf Minuten warten. Das einzige, was sie nicht selbst zubereitet, sind süße Versuchungen wie Muffins und Donuts. Privat dagegen sieht man sie nur selten in der Küche: „Nein, ich koche nicht gern, zuhause habe ich irgendwie keine Geduld dafür. Mein Mann macht es dafür umso besser!“

Ein anderer, für sie eher überraschender Nebenerwerb hat sich im Laufe des Jahres ergeben. Einige Firmen haben bei ihr für Tagungen oder Schulungen Catering bestellt.

„Nichts wird getan, um das Viertel aufzuwerten“

Unerfreulich für Andrea Hausmann ist dagegen, dass die Versicherung ihr seit diesem Jahr auferlegt hat, den öffentlichen Durchgang durch die Bahnhofshalle zu sperren. Nur Kunden dürfen sich dort aufhalten, und selbst diese müssen dann wieder außen herum gehen, um an die Gleise zu gelangen. Nervig für alle Beteiligten. „Im Moment ist nicht so viel los, aber bald kommen wieder die Schülermassen. Ich hoffe, dass wir eine Lösung finden.“

Auch mit dem Zustand des Bahnhofs ist sie nach wie vor nicht zufrieden: „Es ärgert mich, dass gar nichts getan wird, um das Viertel aufzuwerten. Es ist enttäuschend, dass hier in dem einen Jahr nichts weiter geschah. Dabei ist das Bahnhofgebäude an sich schön, man könnte bestimmt mehr draus machen.“ Als vor einigen Wochen der angebliche Pornodreh am Babenhäuser Bahnhof die Schlagzeilen beherrschte, sei dies auch bei ihren Kunden Thema Nummer eins gewesen. Sie selbst habe aber nichts mitbekommen. „Für mich ist wichtig, dass der Bahnhof nicht weiter durch den Dreck gezogen wird. Ich habe immer noch Hoffnung, dass sich hier etwas ändert.“

Quelle: op-online.de

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