Grundsatzdiskussion beim Kleingartenverein

Mehr Rasen statt Beete

+
Bei der Hauptversammlung wurden Nobert Merz, Bettina Merz und Adnan Kaya (vorne von links mit Urkunde) für ihre 25-jährige Mitgliedschaft geehrt.

Babenhausen -   Der Klein- gartenverein Babenhausen hat einen neuen Vorsitzenden: Er heißt Matthias Schittek und wurde bei der jüngsten Hauptversammlung zum ersten Mann gewählt. Von Michael Just 

Auch, weil er im Gegensatz zu seinem Vorgänger Reinhold Kruschina eine andere Kleingarten- philosophie vertritt. Die Jahreshauptversammlung des Kleingartenvereins 1923 Babenhausen war mit 53 stimmberechtigten Mitgliedern – insgesamt verfügt der Verein über etwas mehr als 100 Köpfe – so gut besucht, dass die aufgestellten Stühle nicht reichten. Die gute Resonanz hatte vor allem mit den Neuwahlen zu tun. Eine deutliche Mehrheit sprach sich für Matthias Schittek aus, weshalb man von der Abwahl seines Vorgängers Reinhold Kruschina sprechen konnte, der seit 2008 den Vorsitz innegehabt hatte. Vor allem sein konsequentes Festhalten am Bundeskleingartengesetz (BkleingG), das als veraltet gilt, brachte ihn in die Kritik.

Darin steht beispielsweise geschrieben, dass eine Gartenlaube nicht mehr als 24 Quadratmeter überdachter Fläche haben darf. Viele Mitglieder würden das mit Blick auf Pergolen, Veranden und andere Anbauten gerne etwas großzügiger auslegen. Auch sieht das 1983 in Kraft getretene Gesetz vor, dass mindestens ein Drittel der gepachteten Fläche für den Anbau von Gartenerzeugnissen genutzt werden muss. Zwei Drittel dürfen, etwa mit Rasen oder Gartenlaube, der Erholung dienen.

In Babenhausen sind die Vorgaben noch strenger: Hier heißt es, ein Drittel für Gemüse, ein Drittel für Obst und lediglich ein Drittel für Freizeit. Zu Fuße des Babenhäuser Schlosses wurde das lange Jahre mehr oder weniger akzeptiert. Einmal rechnete ein „Hobbygärtner“ sein Biotop etwas widerwillig zur Anbau- anstatt zur Freizeitfläche. Jene, die „arbeitsarm“ vorgehen wollten, behalfen sich mit Tricks, wie etwa dem Pflanzen von Kürbis. Der breitet sich eigendynamisch über mehrere Quadratmeter aus und füllt das Beet sozusagen im Handumdrehen. Dennoch sahen sich in jüngster Zeit immer mehr Pächter in ihrer Selbstbestimmung eingeschränkt. Dazu wurden die strikten Vorgaben als nicht mehr zeitgemäß betrachtet. „Viele würden am liebsten nur noch Rasen machen, den Liegestuhl hinstellen und so oft wie möglich grillen“, moniert Kruschina den Trend zur reinen Freizeitfläche. Bis zur jüngsten Hauptversammlung und seiner Ablösung hielt er an der Drittelung Obst/Gemüse/Freizeit fest, um ein Zeichen zu setzen, dass unter seiner Ägide der Schwerpunkt auf Gartenarbeit und nicht auf Sonnenbaden liegt.

Die Diskussion spiegelt das derzeitige Zerwürfnis in vielen Kleingartenvereinen in Deutschland wieder, ob das Anpflanzen von Tomaten, Stangenbohnen, Salat oder Zucchini noch dazugehören muss. 34 Jahren nach seiner Schaffung wird das Bundeskleingartengesetz zunehmend als überholt betrachtet. Der Eigenanbau durch unschlagbare Discounter-Preise lohne einfach nicht mehr. Allenfalls der bessere Geschmack könne Kleingärtner antreiben.

Zu den ungeliebten Regeln in Babenhausen gehörte bisher auch, dass aufgrund des Wurzelwerks keine Wald-, Walnuss- und Süßkirchenbäume angepflanzt werden durften. Zudem ermittelte mit Aufgabe der Pacht ein Gutachter den zu zahlenden Abstand. Dessen Kosten von 110 Euro mussten sich alter und neuer Pächter teilen. Vor dem Gutachter war der Abstand frei verhandelbar. Wer sein Grundstück abgab, musste des Weiteren zu groß geratene Lauben zurückbauen oder Bäume, die gegen den Vertrag verstießen, entfernen.

Mit der Wahl einer neuen Spitze hoffen die Kleingärtner zukünftig auf weniger strenge Vorgaben und mehr Spielraum zwischen Bewirtschaftung und Freizeitaspekt. Kruschina warnt, Letzteres nicht zu übertreiben: So verlangt das Land Hessen, dem der Grund gehört, aufgrund des Kleingartenbetriebs nur eine geringe Pacht vom Verein. Sehe das Land, das die Zweckbestimmung nicht eingehalten wird, könnten die Pachtgebühren deutlich steigen.

Quelle: op-online.de

Kommentare