Kleinode mit Nixe auf dem Rücken

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Fünf Jahre lang hat sich Ine Reichart (linkes Bild, Mitte) vom Heimat- und Geschichtsverein mit den Cellba-Puppen beschäftigt, Exemplare zusammengetragen und ein Buch geschrieben. Von Babenhausen aus gingen die Puppen früher um die Welt.

Babenhausen ‐ „Da könnte man ja sofort anfangen zu spielen“, sagte eine ältere Dame zu ihrer Begleiterin mit Blick in die liebevoll dekorierten Vitrinen mit Puppen in allen Variationen. Von Petra Grimm

Nicht nur bei ihr kamen Erinnerungen an die Kindheit hoch, als sie am Wochenende durch die große Cellba-Puppen-Ausstellung des Heimat- und Geschichtsvereins in der Stadtmühle ging. Vorstandsmitglied Ine Reichart hat sich über fünf Jahre mit den Puppen beschäftigt, die als Markenzeichen die Nixe auf dem Rücken tragen. Sie hat zahllose Schriftwechsel in alle Welt geführt und mit Puppenbesitzerinnen in nah und fern Kontakt aufgenommen. Rund 250 Puppen aus vier Jahrzehnten – die kleinsten sind 7,5 Zentimeter, die größten 68 – werden in der Ausstellung präsentiert. Einige sind Leihgaben, viele wurden dem Verein geschenkt.

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Cellba-Puppen-Ausstellung

Da sah sich manche inzwischen ergraute Puppenmama in die Vergangenheit versetzt. „So eine hatte ich auch“, war öfter zu hören. Es gab bisher wohl wenige Ausstellungen in der Stadt, zu deren Exponaten die Menschen, vor allem die Frauen, eine so enge Beziehung haben. So erzählte Elfriede Uhl, dass sie ihre Cellba-Puppe während des Krieges sogar mit in den Luftschutzkeller genommen habe. „Später ab 1954 habe ich dann selbst in der Cellba gearbeitet“, sagte die 71-Jährige. Wie sie erinnern sich viele an die Zeit, als sie selbst oder Familienangehörige in der Celluloidwarenfabrik Babenhausen, kurz Cellba genannt, zur Arbeit gingen.

Die von Heinrich Schöberl gegründete Fabrik mit Sitz am Ostheimer Weg, in der von 1924 bis 1966 hauptsächlich Puppen, aber auch Schwimmtiere und Rasseln aus Zelluloid hergestellt wurden, war zeitweise der größte Arbeitgeber der Stadt. Viele Frauen fertigten Teile der Puppen und ihrer Kleidung auch in Heimarbeit. Ine Reichart hat mit ehemaligen Beschäftigten gesprochen und so viel über die Produktionsweise erfahren.

Ergänzend zur Ausstellung sind unter dem Titel „Im Zeichen der Nixe“ zwei reich bebilderte Bücher erschienen. In Band 1 (Die Familie Schöberl in Babenhausen) hat Vorstandsmitglied Georg Wittenberger das Wirken der Familie Schöberl und ein interessantes Kapitel Industriegeschichte der Stadt dokumentiert. Im Vorwort des Buches danken ihm Angelika Schmaltz-Schöberl und Hans Schöberl, die beiden Enkel des Cellba-Gründers, für „das unermüdliche Zusammenfügen dieses Puzzles aus Geschichte und Geschichten“.

Verkaufsschlager Olympia-Puppen

Es ist Wittenberger gelungen, die Geschichte der Inhaberfamilie und ihrer Mitarbeiter, die Erinnerungen vieler Babenhäuser und zahlreiche schriftliche Quellen zu einem interessanten, vielschichtigen Werk zu verbinden. Ine Reichart beschreibt in Band 2 (Cellba-Puppen) neben den Produktionsmethoden, vor allem die unterschiedlichen Puppenarten. Entstanden ist ein detailreicher „Puppenkatalog“, der sicher nicht nur Sammlern Freude macht.

Ein besonderer Verkaufsschlager der Cellba waren die „Olympia-Puppen“, die 1936 zur Olympiade in Berlin produziert wurden. Drei Exemplare sind bei der Ausstellung zu sehen.

Zwei von ihnen gehören Gudrun Hanstein und ihrer Schwester Christa Wich. „1937 haben wir die Puppen bekommen. Die Kleider sind nicht mehr die Originale, die sind nachgeschneidert. Unser Vater hat in Babenhausen gearbeitet und uns viele Spielsachen von der Cellba mitgebracht. Leider ist fast alles im Krieg verloren gegangen. Wir mussten oft umziehen“, erzählte Gudrun Hanstein, die in Gundernhausen wohnt und sich freut, dass ihre Puppe in der Ausstellung zu bewundern ist. „Ich bin schon ein bisschen stolz darauf, dass wir sie über die Zeit gebracht haben.“

Alte Firmenplakate, Fotos von Cellba-Puppen, die in anderen Ländern zuhause sind, Produktionswerkzeuge und informative Texte runden die Ausstellung ab, die noch bis 9. Januar, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr in der Stadtmühle zu sehen ist.

Quelle: op-online.de

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