Joachim Heizmann‘s Buch über Bier

Kneipenstreit als Namensquelle

+
Sichtlich stolz: Joachim Heizmann mit seinem Erstlingswerk.

Babenhausen - In diesem Jahr ist das Reinheitsgebot fürs Bier 500 Jahre alt geworden. Das bewog viele Autoren zu Publikationen und Schriften. Eine kommt vom Heimat- und Geschichtsverein Babenhausen. Sie heißt „Hopfen und Malz, Babenhausen erhalt‘s!“. Unser Mitarbeiter Michael Just hat mit Autor Joachim Heizmann über sein Erstlingswerk gesprochen.

Sie haben einen engen Bezug zum Bier. Wie lässt sich der erklären?

Mein Vater war einst bei der Michelsbräu beschäftigt und hatte sogar eine Dienstwohnung auf dem Gelände. Als ich noch Kind war, eröffnete sich die Brauerei als Abenteuerspielplatz, der kaum größer und schöner hätte ausfallen können.

Können Sie etwas über die Gliederung des Buches erzählen?

Zu Beginn steht die Frage, seit wann es Bier gibt und wie dieses hergestellt wird. Vom Hopfen geht es zum Reinheitsgebot und zu den beliebtesten Biersorten in Deutschland. Rund um die Bierflasche, das Etikett oder den Bierdeckel dreht es sich im Anschluss. Einen lokalen Bezug bekommt das Buch unter anderem mit dem Kapitel „Szenen aus einer Babenhäuser Gaststätte“ aus dem Jahre 1709 oder jenen Personen, die aus unserer Stadt nach Amerika ausgewandert sind. Daraus eröffnet sich ein interessanter Brückenschlag zur Biertradition in den USA. Die wurde nämlich nicht unwesentlich von Brauern aus unserer Gegend, wie etwa aus Miltenberg, begründet.

Zu den Anfängen: Wer hat eigentlich das erste Bier gebraut?

Das lässt sich nicht genau genau sagen. Als vor 10 000 Jahren die Menschen sesshaft wurden, gab es in Mesopotamien, im Gebiet des heutigen Irak, die ersten Getreidfelder mit Gerste und Emmer. Vermutlich entstand das Bier zufällig, als Brot feucht wurde und zu gären begann. Die Bierherstellung ist dann von vielen Völkern, darunter Sumerer, Babylonier, Ägypter oder Germanen, überliefert.

Bei den Sumerern wurden die Frauen beim Biergenuss nicht vergessen.

Für die Damen wurde Bier aus Emmer hergestellt und mit Honig, Zimt und Gewürzen verfeinert. Die Männer bekamen ein herbes Gebräu aus Gerste. Zu jener Zeit gab es schon verschiedene Stärkegrade.

Das Reinheitsgebot von 1516 entlarven sie in Ihrem Buch teilweise als Märchen.

Der Stoff Polyvinylpyrrolidon wird in Brauereien als Stabilisationsmittel verwendet. Er bindet unerwünschte Gerbstoffe und Polyphenole und wird anschließend wieder ausgefiltert. Durch das Ausfiltern sieht man das Reinheitsgebot als nicht verletzt, was etwas zweifelhaft ist. Bei den derzeit sehr beliebten Biermischgetränken fällt das Adieu zum Reinheitsgebot noch deutlicher aus.

Ihr Buch kombiniert Wissenswertes und Unterhaltendes. Ein Paradebeispiel ist der Bierdeckel, der eine Urkunde sein kann.

Vermerkt der Gastwirt handschriftlich auf einem Bierdeckel, etwa mit Strichen, die ausgeschenkten Getränke oder gelieferten Speisen, stellt das eine Rechnung beziehungsweise Urkunde dar. Veränderungen am Bierdeckel durch den Gast können als Urkundenfälschung, sein Verschwindenlassen oder Vernichten als Urkundenunterdrückung gelten. Alles drei ist dementsprechend strafbar.

OP auf der Buchmesse in Frankfurt: Bilder

Die Aufgabe des Bierkutschers gibt es heute nicht mehr. Bei ihren Ausführungen über den Bierkutscher „Schorsch“ aus Babenhausen rückt aber weniger dessen Tätigkeit, als vielmehr die menschliche Seite in den Mittelpunkt.

Das Kapitel entstammt von Carl Zuckmayer, der Georg Krapp, so hieß der Kutscher mit bürgerlichem Namen, im ersten Weltkrieg kennenlernte. In seinem berühmten Buch „Als wärs ein Stück von mir“ beschreibt ihn der Autobiograph als einen riesenhaften Rüpel, der Spaß daran hatte, Zuckmayer zu schikanieren. Der Streit um eine Tasse Kaffee, die schließlich in einer körperlichen Auseinandersetzung endet, lässt unerwartet die Antipathie verschwinden. Der Tod von Schorsch durch Feindbeschuss offenbart dann letztendlich die gesamte Grausamkeit und Sinnlosigkeit des Krieges.

Als Sie die Arbeit zu ihrem Buch aufnahmen, waren noch weitere Themen zu Babenhausen geplant?

Angedacht war vor allem die Historie der großen Traditionswirtschaften samt Chronik der Wirte. Der Forschungsaufwand zeigte sich jedoch als enorm. Denn die Jahreszahlen und Namen, die mehrere Jahrhunderte abdecken, lassen sich in den Archiven natürlich nicht chronologisch finden. Das ist wie ein Puzzle, weshalb eine solche Recherche viel Zeit verlangt. Manchmal helfen Zufälle, wenn zum Beispiel in den Gerichtsbüchern ein Streit in einer Wirtschaft auftaucht. Dann kommen Namen ins Spiel oder die Erkenntnis, dass die Gaststätte zu diesem Zeitpunkt schon existierte. Die Traditionswirtschaften, die Chronik der Babenhäuser Wirte und die Geschichte der Michelsbräu werden nun in einem Folgebuch von mir thematisiert.

Den Reformator Martin Luther, der Bier und Wein gleichermaßen liebte, greifen sie zum Schluss des Buches ebenfalls auf.

Bei Nachforschungen stieß der Babenhäuser Heimatforscher Jakob Rühl auf einen Kirchenbucheintrag. Um 1750 ließ ein Kaspar Luther aus Eisenach auf der Reise einen Sohn in Sickenhofen taufen. Ob es sich dabei um Nachfahren des Reformators handelt, der bekanntermaßen sechs Kinder hatte, ist bis jetzt nicht bekannt. Wer dies herausfinden und einen Beitrag zur Babenhäuser Stadtgeschichte leisten will, sollte sich nicht abhalten lassen, dies zu tun.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare