Wo können die Kinder bolzen?

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Noch wird auf dem alten Bolzplatz in Sickenhofen gekickt. Der CDU-geführte Ortsbeirat wünscht sich derzeit eine neue Freizeitfläche, die zwischen Sickenhofen und Babenhausen liegt.

Sickenhofen - Wenn ein Kinderspielplatz oder ein Bolzgelände Lärm erzeugt, erregt das oft die Gemüter. In Sickenhofen ist der Bolzplatz in Richtung Hergershausen schon seit seiner Entstehung im Gerede. Ein Nachbar klagt über eine für ihn unerträgliche Lärmbelästigung. Von Michael Just

Das kleine Sportfeld liegt am Ortsrand und ist weitestgehend von Feld umgeben. Die Wohngrundstücke, die von einer Seite an das Areal grenzen, verfügen über große, lange Gärten, so dass die Wohnhäuser 50 bis 60 Meter entfernt stehen.

„Der Anwohner hat ein Gerichtsurteil erwirkt“, sagt Ortsvorsteher Friedel Sahm (CDU). Das Gericht machte sich damals vor Ort selbst ein Bild. In dem folgenden Beschluss legte es die Spielzeiten genau fest. Auf einer großen Tafel sind sie klar und deutlich zu erkennen. Diese juristische Entscheidung ist rund sieben bis acht Jahre her. Gebracht hat sie wenig, da die Kinder sich nicht immer an die Vorschriften halten. Jetzt wird nach einer Lösung gesucht.

„Im Ortsbeirat wissen wir, dass wir das Problem nicht beheben können“, erläutert Sahm. Für die jetzige Mehrheit im Gremium gibt es deshalb, auch mit Blick auf die große Zahl von 270 Kindern und Jugendlichen im Ort, nur eine Alternative: Ein neues Freizeitgelände muss her. Dieses soll zwischen Sickenhofen und Babenhausen liegen. Zusammen mit den Grünen wurden hier bereits Pläne ausgearbeitet.

Das Areal soll einen Bolzplatz, eine Grillmöglichkeit mit Hütte, Spielgeräte sowie eigene Parkplätze bekommen. Weiter schwebt vor, dass das in Reichweite zum Erloch liegende Gelände für alle Bürger ein Anziehungspunkt - etwa für Familienfeiern - wird. Die Mitbenutzung durch die Kernstädter ist laut Friedel Sahm dabei natürlich ausdrücklich erwünscht. Rund 10  000 Quadratmeter sind für die Freizeitfläche angedacht.

CDU-Antrag bereits im vergangenen Jahr

Da die Stadt in diesem Bereich kein eigenes Land besitzt, müsste dieses angekauft werden. Für den Ortsvorsteher kann die Errichtung entsprechend der Haushaltslage Schritt für Schritt erfolgen: „Dann muss man nicht gleich einen großen Batzen Geld in die Hand nehmen.“

Wegen Lärmbelästigung war der Platz immer wieder in der Diskussion. Ein juristischer Beschluss legte die Spielzeiten in der Folge genau fest. Eingehalten werden diese laut den Anwohnern aber nur selten.

Ganz neu sind diese Pläne nicht: Die Babenhäuser CDU-Fraktion reichte bereits einen dahingehenden Antrag im letzten Jahr ein und hatte sogar schon ein Gelände auserkoren. Unter den neuen Mehrheitsverhältnissen nach der Kommunalwahl wurden die Pläne aber abgelehnt. Zu nah an der Bahntrasse und am neuen Wohngebiet, lautete die Begründung. Mit der Anhörung heute Abend im Bauausschuss, in dem ein aktueller „Sachstandsbericht“ ansteht, starten CDU und Grüne nun im Rahmen des Ortsbeirats einen zweiten Versuch. Die Grünen setzen sich mit Bettina Mathes und Diana Reinert besonders engagiert für das Projekt ein und wollen alle Parteien von dem breiten Nutzen der Idee überzeugen. Bisher ohne Erfolg: Ein gemeinsamer Beschluss im Ortsbeirat liegt noch nicht vor.

Laut der stellvertretenden Ortsvorsteherin Angelika Luithardt (SPD) gibt es dafür gute Gründe. „Wir möchten ebenfalls eine neue Freizeitfläche, aber das von der CDU befürwortete Areal liegt zu weit draußen.“ Eine Lösung für Sickenhofen könne sich nicht am Rand von Babenhausen befinden.

Ergebnisse in zwei bis drei Jahren

Grundsätzlich würden Eltern mit kleinen Kindern einen langen Anfahrtsweg aus Sicherheitsgründen skeptisch sehen. Laut Luithardt müsse jetzt erst einmal geschaut werden, wo es ein Gelände gibt. Das könne dauern. Bis dahin spricht sie sich notfalls dafür aus, den bisherigen Bolzplatz zu erweitern: „Ein neues Freizeitgelände geht nicht von heute auf morgen. Wir brauchen aber kurzfristig etwas.“

Den alten Bolzplatz betrachtet die Politikerin aufgrund seiner Lage als prädestiniert für eine Übergangslösung und kann sich auch vorstellen, hier ein langfristiges Konzept zu erarbeiten.

Das sieht Friedel Sahm anders: „Unsere Grundidee ist hier nicht umsetzbar.“ Hinzu komme der Friede im Ort. Trotz der unterschiedlichen Sichtweisen hofft der Ortsvorsteher auf einen gemeinsamen Weg, an dem ein Ende ein vernünftiger Konsens steht.

Wird dieser erreicht, glaubt Sahm, dass in zwei bis drei Jahren schon sichtbare Ergebnisse vorliegen. Der politischen Einigung könnte aber noch eine weitere Problematik folgen: So liegt das von CDU und Grüne auserkorene Gelände im Hochwasserschutzbereich, was die Sache nicht gerade erleichtert. Stadtjugendpfleger Michael Spiehl gibt dazu gerne Auskunft, was das bei der Errichtung des Bolzplatzes im Erloch vor ein paar Jahren bedeutet hat.

Quelle: op-online.de

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