„Konsequent barrierefrei bauen“

Darmstadt-Dieburg - (st) „Es gibt einen großen Bedarf, über die Belange von Menschen mit Behinderungen zu diskutieren und nach Wegen für ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu suchen“, sagte Landrat Alfred Jakoubek zur Eröffnung:

Rund 130 Teilnehmer aus Einrichtungen, Verbänden, Selbsthilfegruppen und Elterninitiativen der Behindertenarbeit waren der Einladung des Landkreises zum achten Forum für Menschen mit Behinderung gefolgt.

Im Landkreis leben insgesamt 44 000 Menschen, die als behindert anerkannt sind, 27 000 davon sind schwerbehindert. Etwa die Hälfte der Kindergärten und Kindertagesstätten im Landkreis verfügen über Integrationsgruppen, und auch bei der integrierten Beschulung sei der Kreis auf einem guten Weg.

Sanierungsprogramm

1,8 Millionen Euro gibt der Kreis jährlich für Integrationshelfer und Schulassistenten aus. Hinzu kommen Investitionen in die Ausstattung der Schulen. So waren mit Stand April 2008 in 53 der 82 Kreisschulen die Klassenräume barrierefrei zugänglich. Im Jahr 2004 waren es noch 35. In 26 Schulen gibt es behindertengerechte Toiletten, 2004 gab es diese nur an 15 Schulen.

Mit unserem Schulsanierungsprogramm wird sich hier in den nächsten Jahren noch vieles weiter verbessern“, so Jakoubek. Nun sei auch das Land Hessen gefordert, das genügend entsprechend ausgebildete Lehrer für die Integration zur Verfügung stellen müsse.

Karin Evers-Meyer, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, zeigte sich optimistisch, dass sich die Chancen dieses Personenkreises auf dem Arbeitsmarkt verbessern könnten. „Es wird immer selbstverständlicher werden, dass behinderte Kinder und Jugendliche in Regelkindergärten und -schulen gehen“, so Evers-Meyer. Hier sei es Normalität, voneinander zu lernen. Davon würden auch „die Arbeitgeber von morgen“ geprägt.

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) stellte die Möglichkeiten dar, die das Allgemeine Gleichstellungsgesetz für Menschen mit Behinderung birgt. Damit würden sie neben anderen gesellschaftlichen Gruppen per Gesetz gegen Benachteiligung im privatrechtlichen Bereich geschützt, wie etwa beim Abschluss von Versicherungsverträgen oder auch bei der Bewerbung um einen Arbeitsplatz.

Regelschulen

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass Konventionen und gesetzliche Regelungen eine wichtige Grundlage für die Verbesserung der Lebensbedingungen für Menschen mit Behinderung sind. Dass es jedoch an der Umsetzung oftmals hapert, zeigte sich an verschiedenen Beispielen. So würden öffentliche Gebäude und Straßenbauprojekte noch immer nicht konsequent barrierefrei gebaut, auch wenn dies in der Hessischen Bauordnung, in DI-Normen und durch Vorgaben des Hessischen Amts für Straßen- und Verkehrswesen festgelegt sei.

Landrat Alfred Jakoubek und Klaus Peter Schellhaas, Erster Kreisbeigeordneter und künftiger Landrat, schlugen vor, dieses Thema im Rahmen der nächsten Bürgermeisterdienstversammlung aufzugreifen.

Quelle: op-online.de

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