„Der Kopf gibt immer zuerst auf“

Gregor Scharf ist Deutscher Altersklassen-Meister im Ultralauf

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Schneller Mann: Gregor Scharf vom TV Hergershausen ist amtierender Deutscher Altersklassen-Meister im Ultralauf (50 Kilometer).

Babenhausen - Gregor Scharf feierte kürzlich einen der größten Erfolge seiner Karriere. In der Altersklasse M45 wurde er Deutscher Meister im Ultralauf über 50 Kilometer. Doch das ist noch nicht die längste Strecke, die er bisher gelaufen ist. Von Jens Dörr 

Ultralauf: Das heißt 50 Kilometer per pedes, knapp acht mehr als bei einem Marathon. Exakt 50 Kilometer – Luftlinie, versteht sich – liegen beispielsweise zwischen Hergershausen und Wiesbaden. Sowohl mit dem „halben Hunderter“ als auch mit Luftlinien kennt sich einer aus, der für den TV Hergershausen in die Laufschuhe schlüpft: Gregor Scharf, von Berufs wegen Betriebswirt bei der Lufthansa. Vor wenigen Wochen feierte er als Deutscher Altersklassen-Meister im Ultralauf einen der größten Erfolge seiner Karriere. Wobei der 47-Jährige schon deutlich länger und weiter gelaufen ist als bei seinem DM-Coup kürzlich in Schwäbisch-Gmünd.

„Der Kopf gibt immer zuerst auf“, sagt Scharf und spricht dabei aus langjähriger Erfahrung. „Erst dann kommen die Beine.“ Was der Athlet des Hergershäuser Turnvereins, der in Darmstadt wohnt, damit ausdrücken will: Die mentale Stärke ist für einen Dauerläufer von großer Bedeutung. Gerade in kniffligen Momenten schiebe man die Selbstaufgabe gern mal auf den Körper, der am Ende seiner Kraft scheine, glaubt Scharf – obwohl einen die Füße in der Regel noch wesentlich weiter trügen, als man selbst denke. Dafür müssten jedoch freilich die Grundlagen ordentlich gelegt sein.

Daran scheitert es beim DM-Sieger der Altersklasse M45, die er auf der mit 1 100 Höhenmeter gespickten Strecke bei Schwäbisch-Gmünd in 3:48 Stunden für sich entschied und damit sogar altersklassenübergreifend DM-Achter wurde, wahrlich nicht. „Ich laufe bis zu 130 Kilometer pro Woche“, sagt der austrainierte TVH-Athlet. Nun, da die Wettkampfsaison weitgehend pausiert, reduziere er das Pensum zwar. Doch selbst die Hälfte von Scharfs Maximum erreichen in der Hobbyläufer-Szene zumindest kontinuierlich nur die wenigsten. Die Anzahl seiner Wettkämpfe ohnehin nicht.

Denn Gregor Scharf ist nicht nur ein Dauerläufer – er ist auch dauernd bei Volksläufen und Meisterschaften am Start. „Mir machen Wettkämpfe Spaß, ich bin ständig irgendwo auf der Strecke unterwegs“, erzählt er. Ein relativ großer Anteil seiner jährlichen Kilometer kämen so nicht nur über Trainingsläufe, sondern auch Rennen unter Zeitnahme zustande. „Ich lasse mich auch nicht gern durch Trainingspläne einengen“, verrät er. Die sähen in der Regel wohl deutlich längere Wettkampfpausen vor, als Scharf sie sich gönnt. Einfach, weil der nächste Lauf immer der spannendste ist.

Bei den Strecken, auf denen sich der frisch gebackene Deutsche Meister am liebsten austobt, gilt die Faustregel: lieber etwas länger als kürzer. „Am meisten laufe ich Halbmarathon, also 21,1 Kilometer“, sagt er. „Das ist nicht so ein Gehetze wie über die zehn Kilometer.“ Marathons hat Scharf, der einst Rollhockey in Darmstadt spielte und als 30-Jähriger so richtig ins Laufen einstieg, schon etliche absolviert. Seine für die meisten unvorstellbare Bestzeit für die 42,195 Kilometer: 2:50 Stunden, aufgestellt in Frankfurt. Wozu auch häufige Einheiten am Berg, lange Läufe mit Teamkollegin Katrin Herbrik (die in Schwäbisch-Gmünd altersklassenübergreifend Deutsche Vizemeisterin wurde) und natürlich das Intervalltraining mit den Mannschaftskollegen des TV Hergershausen im Münsterer Gersprenzstadion ihren Beitrag leisten.

Wobei weder der Marathon noch der Ultralauf bei Gregor Scharfs Wettkampfdistanzen das Ende der Fahnenstange markieren. In diesem Jahr schaffte der Ausdauersportler beim Sechs-Stunden-Lauf in Mörfelden eine Distanz von 74,9 Kilometern. Was als Luftlinie dann noch weit über die Route zwischen Hergershausen und Wiesbaden hinaus gehen würde.

Quelle: op-online.de

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