„Im Kreis noch nicht so schlimm“

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Kurzarbeit statt Entlassungen: Andreas Wilhelm und Marcus Breiter von der Bundesagentur für Arbeit informierten am Mittwoch über Maßnahmen.

Darmstadt-Dieburg - Die Wirtschafts- und Finanzkrise lässt den Welthandel so stark einbrechen wie nie zuvor. Die Folgen für die Belegschaften konnten wochenlang in den Medien verfolgt werden: Stellenstreichungen und zunehmende Kurzarbeit. Verunsicherung macht sich breit - sowohl bei Arbeitnehmern als auch Arbeitgebern. Von Dirk Beutel

Doch, statt in Panik zu verfallen, raten Unternehmerverbände, Kammern und die Bundesagentur für Arbeit einstimmig zur Zuversicht inmitten der Krise. „Das arbeitsmarktpolitische Instrument der Kurzarbeit kann Entlassungen überbrücken“, sagt Birgit Förster, geschäftsführende Vorsitzende der Agentur für Arbeit in Darmstadt.

Bei der Fachveranstaltung „Kurzarbeit und Qualifizierung statt Entlassung Ihres Personals“ informierten der Verein Standortmarketing Darmstadt-Dieburg und die Arbeitsagentur über geeignete Maßnahmen und Alternativen, der Wirtschaftskrise und dem ansteigenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Der hessische Arbeitsmarkt sei derzeit noch unauffällig und weise die saisonübliche leichte Erhöhung der Arbeitslosigkeit nach einem kalten Winter auf. Mit einer Quote von 5,7 Prozent habe der Landkreis Darmstadt-Dieburg den geringsten Anteil an Arbeitslosen im südhessischen Agenturbereich. Allerdings wurden seit Dezember letzten Jahres über 20 000 Arbeitnehmer in die Kurzarbeit geschickt, ein sprunghafter Anstieg, der zwölfmal höher sei als im Vergleichszeitraum des vergangenen Jahres. Rund 550 Betriebe, vornehmlich aus dem Bereich der Automobilzulieferer, der Chemie- und Logistikbranche, hätten entsprechende Anträge bei der Arbeitsagentur eingereicht.

„Dies ist ein eindeutiges Signal dafür, dass die Krise sich nun auf den Arbeitsmarkt auswirkt, auch hier bei uns im Landkreis“, betont Birgit Förster. Allerdings sei man durch die heterogene Wirtschaftsstruktur gut gerüstet. „Auch wenn die tendenzielle Zunahme von Kurzarbeit bundesweite Gültigkeit hat, sind wir in unserer Region noch nicht ganz so schlimm betroffen.“

Um ansässige Betriebe in Hessen, darunter 99 Prozent von kleiner und mittelständiger Struktur, während der Wirtschaftsflaute zu unterstützen, rät die Arbeitsagentur, die Phase während der Kurzarbeit zur Qualifizierung des Personals zu nutzen. Die Vorteile für kleine und mittelständige Unternehmen, in denen zwei Drittel aller hessischen Arbeitnehmer beschäftigt sind, scheinen vielfältig: Erhalt der Arbeitskräfte und deren Know-How, Konkurrenzfähigkeit, Vermeidung arbeitsrechtlicher Streitigkeiten und eine zügige Umstellung auf Vollarbeit. „Denn der nächste Aufschwung kommt bestimmt“, wie Andreas Wilhelm von der Agentur für Arbeit ergänzt. Viele kleine und mittlere Betriebe scheuten sich indes, dieses Instrument anzuwenden, oftmals fehle das Wissen um die Möglichkeiten, an deren Kosten sich die Arbeitsagentur beteiligt. „Praktisch für jeden Mitarbeiter kann eine individuelle Weiterbildungsmaßnahme arrangiert werden“, erklärt Andreas Wilhelm, der zusammen mit Marcus Breiter über das Angebot der Arbeitsagenturen informiert.

Quelle: op-online.de

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