Kreisparlament für den Sonderweg

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Babenhausen - „Schulversuch ist ein großes Wort“, sagte Hans-Jürgen Lohde von der SPD am Montag im Kreistag in Kranichstein. Verhandelt wurde von den Abgeordneten über den Antrag der Babenhäuser Joachim-Schumann-Schule, wieder mit einigen Klassen zu G9, der neunjährigen Gymnasialzeit zurückzukehren (OP vom Samstag). Von Ulrike Bernauer

Der Hergershäuser Lohde, dessen Töchter die Gesamtschule besucht hatten, ist der Meinung, dass die Schule schon immer experimentierfreudig zum Wohle ihrer Schüler war. So gesehen würde sie ihren vor langer Zeit eingeschlagenen Weg konsequent fortsetzen.

Dass die Schule in der Vergangenheit immer gute Lösungen für ihre Schüler gefunden hat, bestätigte auch Christel Fleischmann. Der Schuldezernent sagte, Kultusministerin Dorothea Henzler werde voraussichtlich diesen „Schulversuch“ genehmigen. Das parallele Fahren von G8 und G9 in einer Schule ist vom Gesetz her eigentlich ausgeschlossen. Fleischmann appellierte allerdings an die Parlamentarier, mit einer großen Mehrheit ein Signal an die Ministerin zu setzen, dass der Kreistag hinter dem Sonderweg der Joachim-Schumann-Schule stehe.

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Das klare Signal schickten die Abgeordneten nach Wiesbaden. Geschlossen stimmten die Fraktionen von SPD, CDU, Grünen, FDP und den Freien Wählern für die teilweise Rückkehr zu G9. Es gab lediglich eine Gegenstimme der Linken, Walter Busch-Hübenbecker hatte sich vor der Abstimmung für eine generelle Rückkehr zu G9 ausgesprochen.

„Das neue Schulangebot füllt eine Lücke“,sagte FDP-Fraktionsvorsitzender Klaus-Jürgen Hoffie. Die Joachim-Schumann-Schule könne auch ein hessenweites Modell werden, vor allem in bevölkerungsarmen Regionen. Der Beschlussvorschlag zeige die Vorteile auf, Anschlussfähigkeit sowohl nach der neunten Klasse G8, als auch nach der zehnten Klasse Integrierte Gesamtschule (IGS). Die Kombination komme allen Schülern, leistungsstarken wie auch langsam Lernenden entgegen.

Hessenweites Modell

Pilot- und Modellcharakter bescheinigte auch Friedrich Battenberg von den Grünen dem Babenhäuser „Schulversuch“. Der Grüne betonte, dass dieses Modell nicht etwa der Schule aufgezwungen werde, sondern die Schule im Interesse ihrer Schüler den Weg selbst vorgeschlagen habe. Der verlängerte Bildungsgang und die große Durchlässigkeit der beiden Schulformen G8 und IGS an einer Schule entsprächen dem Wunsch vieler Eltern.

Als gut befand Marko Hesse von der CDU, dass G8 in Babenhausen weiter bestehen bleibe. Dem europäischen Konkurrenzkampf müsse man sich stellen. Hesse stellte die Frage in den Raum, ob es bei einem parallelen Betreiben zweier Schulformen auch zu einem geringeren Kursangebotes komme. Einen flammenden Appell für eine achtjährige Gymnasialzeit hielt Prof. Klaus Neunhoeffer von der CDU: „In der DDR waren acht Jahre bis zum Abitur die Regel und wir hatten trotzdem genug Freizeit.“

Schulleiter Burkhard Vollmers freute sich über das eindeutige Votum der Kreisabgeordneten für seinen „Schulversuch“. Neunzügig ist die Joachim-Schumann-Schule zurzeit. Fünf dieser neun Klassen beginnen in der fünften Klasse mit dem Gymnasium, also G8. Zum Beginn der siebten Klasse wechselt das Verhältnis der Schulformen, nur noch vier Klassen laufen unter dem Gymnasium. Ein Teil der Schüler wechselt regelmäßig nach der sechsten Klasse in die Gesamtschule. Vollmers rechnet damit, dass das auch in Zukunft so bleiben wird.

Der Schulleiter hofft, dass der positive Bescheid aus Wiesbaden zur Wiederaufnahme der verlängerten Gymnasialzeit noch so rechtzeitig kommt, dass zum Schuljahr 2009/10 Schüler mit G9 starten können. „Wenn das nicht der Fall sein sollte, dann werden wir zumindest die Hauptschule und die Realschule wieder verbinden, der Antrag dafür geht heute an das Ministerium“, sagte Vollmers unserer Zeitung.

Quelle: op-online.de

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