Kronen ab, Kirschen am Boden

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Naturschützer Otto Diehl ist schockiert über die „Frevel-Tat“ am diesem Kirschbaum und 22 weiteren Bäumen eines Privatmanns im Landschaftsschutzgebiet „Wingertsberg von Langstadt“.

Langstadt - Er ringt nach Worten, als er über seine Obstwiese durch hohes Gras geht. Er kann es einfach nicht fassen, was seinen Bäumen angetan wurde. „Warum gerade ich, wer tut mir so was Gemeines an?“. Der Besitzer der Obstwiese, die im Landschaftsschutzgebiet „Wingertsberg von Langstadt“ liegt, ist fertig mit den Nerven. Von Kathrin Rosendorff

Seinen Namen möchte er lieber nicht in der Zeitung lesen, sagt er, und deutet dann, begleitet von heftigem Kopfschütteln, auf die abgesägten Kronen eines Apfel- und eines Kirschbaums. „Ich bin so wütend wie traurig.

Unbekannte haben um Pfingsten herum 23 Bäume angesägt. Bei vier Hochstammbäumen, darunter der Apfel- und der Kirschbaum, sei nichts mehr zu retten, die Krone ab, erläutert der Besitzer, bei zwei weiteren Pflanzen ist jeweils ein starker Ast abgesägt. „Der Baum da hinten ist auch angesägt“, sagt der Besitzer traurig, der in seiner grünen Latzhose von Baum zu Baum geht und nach solchen sucht, die vielleicht noch zu retten sind.

Neben ihm steht Otto Diehl. Er ist Mitglied des Gesamtvorstands der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) und zur moralischen Unterstützung des Besitzers vorbei gekommen. Diehl ist schockiert: „So etwas gab es hier in all den Jahren noch nicht, wir fühlen uns betroffen, was ein Frevel“, schimpft der Langstädter und streicht ungläubig mit der Hand über den abgesägten Kirschbaum. Zehn Jahre war dieser alt, die Äste mit den kleinen Kirschen liegen am Boden. „Es war das erste Jahr, in dem er Früchte getragen hat“, sagt der Besitzer geknickt.

Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Fläche von 21 Hektar. „14 davon sind Streuobstwiese“, erzählt Diehl. 3,5 Hektar gehören der HGON, der Rest ist unter Privatleuten aufgeteilt. 8 500 Quadratmeter umfasst das Grundstück, auf dem von den insgesamt rund 50 Obstbäumen 23 bis zur Hälfte der Stammdicke angesägt wurden. „Es müssen zwei Täter gewesen sein. Ein Linkshänder und ein Rechtshänder“, mutmaßt der Betroffene und zeigt auf die Einschnitte, an deren Richtung er zu erkennen glaubt, dass eine Hälfte der Missetat aufs Konto eines Rechtshänders, die andere auf die eines Linkshänders gehen muss. Die Bäume, die „nur“ angesägt sind, hat er mit Stacheldraht zusammengebunden und mit Baumbalsam behandelt.

Ob sich die Bäume erholen und weiterwachsen, ist fraglich“, sagt Diehl. Allein der materielle Wert belaufe sich auf 3000 Euro. „Ich habe da einen konkreten Verdacht, aber keine ausreichenden Beweise“, sagt der Besitzer und räuspert sich. Für konkrete Hinweise zu den Tätern zahle er 1 000 Euro. „Es ist sehr wahrscheinlich jemand, den ich kenne, und der mich aus unerfindlichen Gründen einfach nicht mag. Geholfen hat ihm ein Kumpel, der ist Linkshänder, das habe ich vor ein paar Tagen beobachtet, als er die Haustür abschloss.“

Dann geht er ein Stück weiter über die Obstwiese und prüft, ob die Drähte an den angesägten Bäumen noch halten. Einer ist durch den Wind schon abgefallen. „Natürlich wünsche ich mir, dass die Täter gefunden werden. Aber noch mehr wünsche ich mir, dass dieses Ansägen von Bäumen nicht weitergeht.“

Quelle: op-online.de

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