„Kühe sind Leistungssportler“

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Familie Stelz präsentiert stolz ihre so eben ausgezeichnete Dorte.

Langstadt ‐  Sie heißen Hedda, Dorte und Fatima, befinden sich im besten Teenageralter und haben eines gemeinsam: Alle drei sind Kühe und haben ihre Landwirte jeweils mit 100.000 Litern Milch versorgt. Auf dem Bauernhof von Günter Diehl in Langstadt nahmen Kühe samt Besitzer nun Auszeichnungen entgegen. Von Jörn Polzin

Bei den Kühen ist ein Alter von 13, 14 Jahren wirklich bemerkenswert und spricht für ihre Ausdauer, im Durchschnitt werden sie nur fünf Jahre alt“, erklärt Günter Diehl, dessen Hedda als erstes mit dem obligaten Kranz geschmückt wurde. Mit der 13-Jährigen, der einzigen „Rotbunten“ unter den Prämierten, verbinde ihn daher eine besonderes Beziehung. Dass die erstaunliche Milchleistung und Widerstandsfähigkeit in der Familie liege, könne man bei Hedda allerdings nicht sagen. „Von ihrer Mutter Hedwig hat sie das jedenfalls nicht, die warnormal‘“, sagt Diehl.

Zur Erklärung: Bei der Namensgebung einer Kuh wird immer der Anfangsbuchstabe des Namens der Mutter übernommen. Bei 80 Kühen, die Diehl auf seinem Hof beherbergt, „kann es da schon mal eng mit den Buchstaben werden.“

Stelz hat viele tolle Kühe

Davon kann Günter Stelz wahrlich ein Liedchen singen. 120 Kühe hat der Landwirt in seinem Besitz. Darunter Dorte (13), eine Schwarzbunte, die bereits 18 Kälbchen auf die Welt gebracht hat. Für den Langstädter Stelz ist diese besondere Auszeichnung keine Premiere. „Dorte ist bereits die vierte Kuh aus meinem Stall, die diese Marke erreicht hat“, erzählt er stolz. Die Glückwunsche seiner Kollegen, die mit allerlei Präsenten zahlreich erschienen waren, nahm er dennoch freudestrahlend entgegen. Ein Schulterklopfen hier, kräftiges Hände schütteln da - die Streicheleinheiten gab der Landwirt aber gleich an seine Dorte weiter. Diese sträubte sich auch nur kurz, als ihr Zuchtleiter Jost Grünhaupt und Zuchtvermarkter Jürgen Schneider den Lorbeerkranz umhängten.

Familie Rademer mit ihrer Fatima.

Fatima ist die älteste Preisträgerin

Auch Fatima war der Trubel auf der Weide nicht ganz geheuer, Landwirt Jürgen Rademer konnte seine Kuh, die bislang neun Kälber auf die Welt brachte, aber schnell wieder beruhigen. Mit 14 Jahren ist Fatima, ebenfalls eine Schwarzbunte, die älteste der „Preisträgerinnen“. Und gleichzeitig die mit der wohl höchsten Milchleistung. „103 491 Liter sind es genau bis zum heutigen Tag“, berichtet der Babenhäuser stolz. Und wie kommt die genaue Angabe zustande? Rademer klärt auf: „Einmal im Monat wird die Milch gemessen und dann für das Jahr ein Gesamtwert errechnet.“ Über die Jahresleitungen der einzelnen Kühe führen die Landwirte genauestens Buch. Darin vermerkt sind auch prozentuale Abweichungen von den vorigen Werten.

Zweimal täglich steht das Melken an

Sebastian und Günter Diehl mit ihrer Hedda.

Zweimal täglich werden die Vierbeiner gemolken und produzieren dabei etwa 24 Liter Milch. „Wichtig ist es, dass sie konstante Leistungen bringen. Wenn man so will, sind Kühe Leistungssportler“, erzählt Sebastian Diehl. Der 20-Jährige ist bereits gelernter Landwirt und will einmal in die Fußstapfen seines Vaters treten. „Ich bin quasi mit Hedda zusammen aufgewachsen“, erzählt Sebastian Diehl schmunzelnd. Die Pflege einer älteren Kuh unterscheide sich nicht wesentlich von der Betreuung jüngerer Artgenossen. Auch die Gattung spiele hinsichtlich der Produktivität der Kühe keine wesentliche Rolle.

Größere Unstimmigkeiten zwischen den Rindern gebe es eher selten. „Kleinere Machtkämpfe zwischen den Kühen gibt es aber schon mal“, erzählt Vater Diehl. Was die Zukunft von Hedda, Dorte und Fatima angeht, halten sich die Landwirte eher bedeckt. „Mit der Zeit lässt der Ertrag natürlich nach. Wie werden aber versuchen, die Kühe so lange wie nur möglich zu halten“, sind sich Diehl, Stelz und Rademer einig.

Quelle: op-online.de

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