Künstler im Porträt: Sonja Schilling-Zimmer

Traum von mannshohen Skulpturen

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Mehrere Wochen dauert es, bis Sonja Schilling-Zimmer eine ihrer Figuren fertig hat.

Babenhausen - Mit den „Kunst- und Kulturtagen“ am 8. und 9. November veranstaltet die Stadt Babenhausen zum fünften Mal die immer beliebter werdende Veranstaltung , deren Zentrum auch diesmal in der Stadthalle - wenngleich nicht ausschließlich - zu finden sein wird. Von Jens Dörr 

Die Schau für alle Sinne ging aus einem runden Tisch von Künstlern der Stadt und nahen Umgebung aus. Doch wer sind die Menschen, die in Babenhausen anregen, aufregen und unterhalten wollen? Wir stellen einige von ihnen bis zu den „Kunst- und Kulturtagen“ in loser Folge vor.

Wie verändert sich der Rücken eines Menschen, wenn er die Hüfte bewegt? Kenntnisse in der Anatomie sind wohl nicht besonders wichtig, wenn es um das Designen mit Ton geht - meint man. „Ich habe mir darüber unheimlich viel aus Büchern angelesen“, sagt Sonja Schilling-Zimmer und stellt heraus: ohne Wissen über den menschlichen Körper keine authentische Skulptur. „Mein Schwerpunkt ist und bleibt das Gegenständliche, auch wenn ich mich nach und nach auch dem Abstrakten geöffnet habe“, sagt die Tonkünstlerin aus Babenhausen. Stimmungen, Gestik, Mimik, aber eben auch die richtigen Proportionen und Haltungen ihrer Figuren - das ist es, was die Kreative fasziniert. Einen Teil ihres Könnens gibt sie als angestellte Lehrkraft an der Joachim-Schumann-Schule preis - und ist am 8. und 9. November an den „Kunst- und Kulturtagen“ in der Stadthalle dabei.

Der Ton macht, was er will

„Ich habe schon immer gern gezeichnet und gemalt“, blickt Schilling-Zimmer auf ihre künstlerischen Anfänge zurück. Irgendwann habe sie sich Modelliermasse geholt, „Chemie ohne Ende, die konnte man außerdem nicht brennen.“ Das sei ihr rasch „zu wenig“ gewesen, „ich wollte auch mal was für meine Jungs machen“. Was sie im nächsten Entwicklungsschritt in einen Vhs-Kurs über Tonkunst nach Eppertshausen führte. „Schon im zweiten Kurs reichte es mir aber nicht mehr, immer nur Gebrauchskeramik wie Töpfe und Teller zu formen. Ich wollte gern figürlich töpfern. Obwohl der Ton manchmal macht, was er will.“

Das verwirklichte sie alsbald in eigenen, gut angenommenen Kursen, schließlich auch an der Babenhäuser Gesamtschule. Sich selbst bildete sie an der Europäischen Künstlerakademie in Trier fort. „Dort habe ich Handwerk und Technik forciert.“ Auch fand sie Zugang zum Abstrakten: „Vorher dachte ich immer: Abstrakt heißt, man muss es nicht richtig machen“, schmunzelt sie. Dem sei allerdings mitnichten so. Erste Wahl bei ihren eigenen Werken blieben aber gegenständliche, auf den ersten Blick erkennbare Motive. „Mich faszinieren vor allem die Details. Wenn der Betrachter denkt, dass meine Figur lebt, ist sie gelungen.“ Bei Werken wie „Die Wut“ hat Schilling-Zimmer offensichtlich alles richtig gemacht: Der schreiende Mund und die geballte Faust unterstreicht eindrucksvoll die Gemütslage ihrer Figur, die wie praktisch alle ihre Arbeiten eine Person darstellt.

Bis man sich von einem Werk Schilling-Zimmers inspirieren lassen kann, stehen für die Künstlerin - ursprünglich gelernte Industriekauffrau - jedoch etliche Arbeitsschritte an, die über Wochen dauern. Sie formt, nimmt wieder auseinander, höhlt aus, setzt wieder zusammen, trocknet, was bis zu acht Wochen dauern kann. Dann geht es ans Brennen, immer bei einem Töpfer in Urberach.

25 Werke sind auf diese Weise bis heute entstanden - die drei neuesten zeigt die Babenhäuser Tonkünstlerin auf den „Kunst- und Kulturtagen“. Zugleich feiert sie dort ein Jubiläum - es ist ihre 25. Ausstellung. An die erste - veranstaltet von Herigar in der alten Schule in Hergershausen - denkt Sonja Schilling-Zimmer noch immer gern zurück: „Zehn Skulpturen hatte ich mitgebracht. Ich war gerade zwei Minuten am Aufbauen, schon hatte ich die erste verkauft.“ Viel erreicht, gleichwohl nicht ohne Vision: „Ich träume davon, eines Tages mannshohe Skulpturen zu machen.“ Dafür fehlt ihr aber etwas ebenfalls ganz Gegenständliches: ein Radlader, um die schweren Werke zu bewegen.

Quelle: op-online.de

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