Musik, Theater, Lesungen, Tanz, Bilder

Kunst zum Anfassen und Genießen

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Auch die Kleinen trugen zum Gelingen der Kulturtage bei.

Babenhausen - Auf ganz unterschiedliche Reaktionen stieß der Gang durch den abgedunkelten Spiegelsaal, in dem Sabine Gottstein einlud, Kunst einmal nicht mit den Augen, sondern mit dem Tastsinn zu erfahren. Von Petra Grimm

Kunst- und Alltagsgegenstände aus Holz, Stein und Metall, Gemälde und Klangschalen waren auf einem langen Tisch arrangiert, an dem sich die Besucher „blind“ entlang tasteten. Ein ungewöhnliches Erlebnis, das viel positive Resonanz erfuhr. Aber nicht alle konnten diese Form der Orientierungslosigkeit und den Verzicht auf die für uns wichtige optische Wahrnehmung „aushalten“. „Also ich habe nach kurzer Zeit mein Handy-Licht angemacht. Ich konnte da nicht so durchlaufen“, sagte Sylvia Kloetzel, die gemeinsam mit dem Runden Tisch der Babenhäuser Künstler die zweitägigen Kunst- und Kulturtage am Wochenende organisiert hatte.

Unter dem Titel „Kontraste“ hatte die Leiterin des städtischen Fachbereichs Standortentwicklung und E-Government gemeinsam mit den Künstlern zum vierten Mal eine wahre Großveranstaltung in der Stadthalle auf die Beine gestellt. Und gegensätzlich war das Programm in vielerlei Hinsicht. Zum einen der künstlerische Ausdruck selbst, denn neben einer Ausstellung bildender Kunst, waren auch Musik, Theater, Lesungen und Tanz zu erleben. Das Pendel innerhalb dieser verschiedenen Bereiche bewegte sich zwischen dem, was gemeinhin als unterschiedliche Niveaus wahrgenommen wird, aber letztendlich – wenn gut gemacht – gleichermaßen zur Unterhaltung, zum Nachdenken und Genuss führt. „Wir wollen in diesem Jahr auch ein bisschen provozieren“, sagte Sylvia Kloetzel. „Wir bieten eine rockige Schulband, aber auch Barockmusik, gestandene bildende Künstler und einen Tätowierer.“

Programmgestaltung leicht

Mitstreiter für die Programmgestaltung zu finden, sei nicht schwer, sagte Kloetzel, die beispielsweise das Sickenhöfer Laientheater oder auch einen Künstler aus Lichtentanne, Wilfried Runst, zum ersten Mal beim Festival der Kreativen begrüßen konnte. „Wir bieten als Stadt den Rahmen, was die Künstler dann daraus machen, ist deren Sache“, sagte Kloetzel.

Kontraste und Vielseitigkeit und das gegenseitige Akzeptieren zu feiern, sei gerade am 9. November, an dem sich die Reichspogromnacht zum 75. Mal jährt, besonders toll, betonte die Schauspielerin Franziska Bareins bei der offiziellen Eröffnung. Sie moderierte die Veranstaltung wieder gekonnt und fantasiereich. „Mann und Frau, Dur und Moll, Leben und Tod, Licht und Schatten. Jede Form der Kunst wächst in der Widersprüchlichkeit des Lebens. Das eine gibt es nicht ohne das andere“, sagte Bürgermeisterin Gabi Coutandin, die die Besucher aufforderte, sich in die jeweils andere Sichtweise hinein zu versetzen und neugierig auf die Unterschiede zu sein. Sie dankte dem Team des städtischen i-Punktes, den Sponsoren aus der Wirtschaft und auch dem TVB, der wieder das Catering übernommen hatte.

Kunst- und Kulturtage 2013

Kunst- und Kulturtage 2013

Ein Höhepunkt am Samstag, der viele Zuschauer berührte, war der gemeinsame Auftritt der klassischen Sängerin Katja Boost, die mit ihrer wunderbaren Stimme und einem Song der englischen Sängerin Adele eine Performance der TVB-Tanzgruppe AkzepTanz begleitete.

„Jetzt wird es laut“, rief der Lehrer Thomas Sauerwein in den Saal, als die Band der Flanagan-Schule auf der Bühne loslegte. Da sah man hinter den Kulissen sogar den einen oder anderen älteren Sänger des Gesangvereins Eintracht, der auf seinen Auftritt wartete, zu den rockigen Klängen mitwippen. In diesem kleinen Augenblick zeigte sich etwas von dem, was die Veranstalter auslösen wollten – die Bereitschaft in das Andere, in eine eher fremde Welt einzutauchen. (Bericht über die Abendshow folgt).

Quelle: op-online.de

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