Kunst- und Kulturtage

Tage der Tricks und des Staunens

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Bei der Performance der Akzeptanz des TVB waren auch die Besucher mit eingebunden.

Babenhausen - Vor über 4 000 Jahren bereits hat ein Zauberer im alten Ägypten König Cheops mit seiner Kunst beeindruckt. Er hat Tiere enthauptet und danach ihre Köpfe wieder auf den Rumpf gezaubert. Von Petra Grimm 

„Darüber gibt es Aufzeichnungen“, sagte der Babenhäuser Zauberkünstler Frank Zick. „Aber wirklich zaubern konnte auch dieser Magier nicht. Zauberei ist eine Form der Unterhaltungskunst. Über das Medium Illusion werden die Zuschauer verblüfft. Zauberer sind Bühnenfiguren, die so tun, als würden sie zaubern“, erklärte er mit Blick auf die Kinder, die sich ebenso wie die Erwachsenen mit neugierigen Blicken zu seinem Zauberworkshop einfanden.

Jede Menge Effekte und Illusionen: Frank Zick und Sylvia Kloetzel beim Zauber-Workshop.

Also geht es um Tricks, um Effekte, wie die Zunft der Illusionisten es selbst nennt. Aber wie funktionieren diese Tricks. Da würde ein echter Zauberer sich selbst eher die Zunge abschneiden, als Effekte zu verraten. Das ist ein absolutes Tabu, wie Zick „The Magic One“ sagt. Dass er einen einfachen Trick oder eher eine Fingerfertigkeit, die zum Handwerk der Magier gehört, vor aller Augen sichtbar macht, ist für ihn legitim, „denn ich möchte damit um Wertschätzung für diese Kunst werben“ und außerdem sei es ja keine große Illusion, die er für alle transparent macht. Er zeigt, wie eine Münze verschwindet und an einer unerwarteten Stelle wieder auftaucht. „Entscheidend bei jeder Form der Illusion ist, dass alles zeitverzögert passiert“, erklärt er. Und in der Zeitlupe und aus einem Blickwinkel, den der Zuschauer sonst nicht hat, ist zu erkennen, dass die Münze gar nicht in dem Moment die Hand wechselt, den der Zauberer vordergründig vorgibt. Die zweite Regel, die Zick anschaulich macht, ist, „dass eine große Bewegung eine kleine abdeckt“. Also das Herumgefuchtel mit dem Zauberstab, den er auch noch zur Überraschung der Zuschauer hinter sein Ohr steckt, lenkt davon ab, was mit der Münze passiert. Die landet nämlich vom Publikum unbemerkt durch eine kleine, unauffällige Bewegung in seiner Hosentasche.

Zauber-Workshop im Foyer der Stadthalle

Der Zauber-Workshop im Foyer der Stadthalle war nur einer der unterhaltsamen Programmpunkt der fünften Kunst- und Kulturtage, zu denen die Stadt und der Runde Tisch der Künstler am Samstag und Sonntag wieder einluden. „Ausdruck“ war das Motto des Festivals, das alle Sinne ansprach. Eröffnet vom Ersten Stadtrat Kurt Lambert und gekonnt moderiert von der Schauspielerin Franziska Bareins unterhielten beinahe alle Facetten des künstlerischen Ausdrucks: Klassische und rockige Musik, Gesang und Tanz, Lesungen, Theater, Lichtinstallationen und eine große Ausstellung bildender Künstler, die ihre Skulpturen, Gemälde und Zeichnungen präsentierten.

Die Ideen wurden wie in den Vorjahren vom Runden Tisch der Künstler geboren, den Sylvia Kloetzel moderiert. „Die Kunst- und Kulturtage sind eigentlich nur das Beiwerk zu dem, was in der Stadt in Sachen Kunst passiert. Während des ganzen Jahres gibt es einen regen Austausch der Kulturschaffenden, die sich auch gegenseitig unterstützen. So singt ein Chor bei einer Ausstellungseröffnung oder ähnliches“, sagte Kloetzel, die in der Stadtverwaltung für die Wirtschaftsförderung zuständig ist und von Anfang an das Projekt Kunst- und Kulturtage leitete. Ihr ist es gelungen, die beiden Bereiche Wirtschaft und Kultur erfolgreich und für die Stadt Image fördernd zu verknüpfen.

Kunst- und Kulturtage 2014

Kunst- und Kulturtage 2014 

So sind immer wieder in verschiedenen Babenhäuser Geschäften, Gaststätten oder auch der Seniorenresidenz Ausstellungen der heimischen Künstler zu bewundern. Sylvia Kloetzel fördert aktiv die Entstehung von Netzwerken, von denen alle profitieren. Die Kunst- und Kulturtage, die durch Sponsoren aus der Wirtschaft unterstützt werden, sind „die Kür der einjährigen Planung“, die aus regelmäßigen Treffen am Runden Tisch der Künstler erwächst, sagte Franziska Bareins. Neben vielen „Wiederholungstätern“ waren neue Teilnehmer dabei. Auch beim Konzept sorgten neue Ideen für frischen Wind. So wurde erstmals ein Motiv – ein Bild von der Stadtmühle – sowohl von den erwachsenen Malern, als auch von den kleinen Künstlern der BDP-Kinderkiste interpretiert. Dass zeitgleich und nicht nur hintereinander Veranstaltungen über die Bühne gingen, war eine Premiere. Dazu gehörten die verschiedenen Workshops, die die Besucher einbanden. So zauberten die Gäste nicht nur mit Frank Zick, sondern sangen auch gemeinsam mit dem Volkschor-Sängerbund und erschufen mit Jürgen Willer Gedichte und Balladen.

Zum ersten Mal war die evangelische Stadtkirche als zusätzlicher Veranstaltungsort dabei. Ganz besonderen „Eindruck durch Ausdruck“ machte wieder die Performance der TVB-Akzeptanz. Sie nutzten die Kunstausstellung im großen Saal als Bühnenraum und tanzten zwischen und mit den Besuchern. Choreografin Jutta Koser und ihre Tänzerinnen aller Generationen erschufen dabei für einige Minuten einen ganz besonderen Moment des Innehaltens und Staunens. (Bericht über die Abendveranstaltungen folgt).

Quelle: op-online.de

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