Viele treibt die Neugier aufs Schloss

+
Das Duo Rouvin Folk spielte sanfte Klänge im Gewölbekeller des Schlosses. Hier wird nach der Fertigstellung des Umbaus das Restaurant des Luxus-Hotels sein.

Babenhausen - „So sieht also der Babenhäuser Untergrund aus“, sagt ein Mann lachend und gibt sich kurz darauf als kulturinteressierter Besucher aus Dieburg zu erkennen. Während er schon im Gewölbekeller des Schlosses verweilt, wollen nicht wenige andere dort noch hinein. Von Michael Just

Am Ende sind es rund 150 Besucher. Das Interesse an der „Celtic Folk Night“ diese Woche fußte auf einem doppelten Grund: Zum einen bot sich eine der seltenen Möglichkeit für einen Blick ins Schloss, zum anderen trieb die Neugier an, was der neue Babenhäuser Kulturverein Podium zu bewerkstelligen vermag. Nach der ersten Veranstaltung „Klassik im Brauhaus“ bei der Michelsbräu wartete diesmal das Duo Rouvin Folk mit sanften Folk-Klängen für die Seele auf. Dazu wurde Guiness-Bier ausgeschenkt und es gab eine Whisky-Bar.

Von dem Aufführungsort ging schon deshalb eine Faszination aus, weil sich der Gewölbekeller mit seinem roten Sandstein noch im Rohzustand befindet. An der Decke schimmerten die wertvollen Malereien hinter Plastikfolien hindurch und die Treppe in die Unterwelt wurde zu beiden Seiten mit großen, gerüstähnlichen Aufbauten gesichert. Leitungen und Kabel verliefen im staubigen Boden, so dass der Abend zwischen Baustelle und Improvisation durchaus etwas von einem „Happening“ hatte. Später wird sich an diesem Ort das Restaurant des Luxus-Hotels befinden.

Bei einem Rundgang im Schloss kam die Idee

Dass überhaupt eine solche Veranstaltung im Schloss stattfand, war Klaudia Skodnik zu verdanken. Für ihr Therapiezentrum auf dem Reiterhof Fortuna sucht sie derzeit Kontakte. Als die zweite Vorsitzende von Podium bei Igor Keler sich vorstellte, kam bei einem Rundgang im Schloss sofort die Idee zu einem Event in dem verliesähnlichen Gewölbe auf.

Die rechte Hand des Schlossbesitzers half unbürokratisch und ließ die nötigen Leitungen verlegen. Dazu verzichtete er auf die Mieteinnahmen, die mit den Eintrittsgeldern als Spende wieder zurück an Podium fließen.

Besucher zeigten sich begeistert

Die Besucher zeigten sich von der Veranstaltung samt Ort begeistert: Die Neugier für das Schloss und die musikalische Stilrichtung haben uns hergetrieben“, sagen Markus (35) und Britta Kröll (33). „Wer kann dazu schon nein sagen“, fügen sie schmunzelnd zu der Atmosphäre hinzu und dass Live-Musik immer gut ist. Für die Babenhäuser Kulturszene wünschen sie sich mehr Lesungen und Konzerte. „Das ist klasse hier. Ein toller alter Keller“, loben Mike Kotzbauer (43) und Tom Heidenreich (53). Wenn man das Publikum hier sehe, werde es offensichtlich, dass solche Veranstaltungen gebraucht werden.

„Wohin gingen diese Leute vorher aus“, fragen sie schmunzelnd und hegen die Hoffnung, dass man diese Menschen zukünftig auch in andere Babenhäuser „Locations“ bekommt. Den Veranstaltern legen sie das Organisieren von Hoffesten in Harreshausen oder Hergershausen mit kleinen Bühnen nahe. Die Hofreiten würden sich in idealer Weise dafür anbieten.

Gewölbedecke verschluckte große Teile der Musik

Einziger Wehrmutstropfen der Celtic Folk Night war die Akustik. Wer nicht in den vorderen Reihen stand, hörte nur eingeschränkt. Die Gewölbedecke verschluckte große Teile der Musik, so dass in dem schlauchartigen Keller kaum etwas nach hinten drang. So hätte es dort eigene Boxen gebraucht, die in der Kürze der Zeit aber nicht zu organisieren waren. Einige Besucher gingen daraufhin oder nutzten die Stehtische im Schlosshof zum Plausch an einem selten zugänglichen Ort.

Andreas Bludau vom Veranstalter-Team bedauerte den eingeschränkten Hörgenuss, der so nicht vorher zu sehen war: „Das ist die erste Veranstaltung hier. In diesem Fall müssen und werden wir aus unseren Fehlern natürlich lernen.“

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare