Kunst im leer stehenden Laden

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Ine Reichert bringt eines ihrer Bilder in Position. Zu sehen sind im ehemaligen Tengelmann auch Gemälde von Willi Seibert.

Babenhausen (bea) -  Kunst im leer stehenden Laden, diese Idee findet Dieter Aumann prima. Ihm gehören die Geschäftsräume in der Platanenallee, die bis vor einiger Zeit Tengelmann für ein Lebensmittelgeschäft nutzte.

In den Schaufenstern können Passanten nun einige Werke von Ine Reichert und Willi Seibert bewundern, statt mit Papier verklebte Scheiben zu sehen. „Das ist zwar keine Dauerlösung“, erklärt Aumann bei einem Telefonat, „aber ich halte das für eine gute Zwischenlösung, die auch auf den Ladenleerstand aufmerksam macht. “

Der Unternehmer ist noch auf der Suche nach einem neuen Mieter für das Ladengeschäft. Am liebsten wäre ihm wieder ein Lebensmittelgeschäft. Aumann ist sogar in der Lage, die Geschäftsräume zu vergrößern und auch neue Parkplätze zu schaffen. Er hat den angrenzenden Bauernhof Rühl gekauft.

Über die Idee von Sylvia Kloetzel, Fachbereichsleiterin für Standortentwicklung und E-Government im Rathaus, auf den Ladenleerstand in Babenhausen mal in solch bunter Form aufmerksam zu machen, freut sich Aumann. An die Politik hat er allerdings deutliche Wünsche. „Die Politik muss klar machen, was sie will, einen weiteren Supermarkt auf der Grünen Wiese oder wieder ein Lebensmittelgeschäft in der Innenstadt.“

Kloetzel hofft, dass noch mehr Besitzer von leer stehenden Ladengeschäften, die Kunstidee aufgreifen. „Kunst im Schaufenster macht einfach mehr her, als blinde Fensterscheiben oder heruntergezogene Rollläden.“ Beim Hängen der Bilder im Schaufenster des ehemaligen Tengelmann erfuhren Künstler und die städtischen Mitarbeiter viel Interesse. Passanten fragten nach und sie waren durchweg begeistert.

Dort, wo noch vor kurzem verklebte Fensterscheiben die Nöte eines Ladenleerstands dokumentierten, ist nun attraktive Kunst eingekehrt. Inspiriert von ähnlichen Projekten anderer Städte, informierte die städtische Wirtschaftsförderung den „Runden Tisch“ der Künstler über kreative Projekte in Ladenleerständen. Spontan griffen Ine Reichert und Willi Seibert die Idee auf; ab da war die Verwirklichung „nur noch“ eine Frage der Organisation.

Die Verwaltung nimmt Anfragen für ähnliche Aktionen für weitere Leerstände entgegen Telefon: 06073 60288 oder im i-Punkt).

Folien wurden entfernt, Fenster geputzt, zwölf Ständer aufgestellt. Dann war es soweit: Seibert und Reichert suchten in ihren Ateliers geeignete Gemälde - nach Lichteinfall und Wirkung. Das städtische Roll-up mit dem großen „JA!“ zur Kunst mit der Kontaktadresse rundet die Präsentation ab. Die ausgestellten Bilder können übrigens auch käuflich erworben werden – die Kontaktaufnahme kann gerne über die städtische Adresse erfolgen.

„Über die Ladenleerstände selbst können und wollen wir nicht hinweg täuschen, und sie haben mehrere Ursachen. So fehlen entweder Nachfolger, oder die verlangte Miethöhe schreckt eher ab, gerade angesichts eher kleiner und modernisierungsbedürftiger Verkaufsflächen. Hinzu kommt die Verlagerung von Geschäften auf die Grüne Wiese – eine Politik, die viele Jahrzehnte in Hessen wie in Babenhausen gefördert wurde. Erst jetzt will die hessische Landespolitik darauf setzen, vorrangig Verkaufsflächen in der Innenstadt zu zulassen - meines Erachtens etliche Jahre zu spät“, äußert sich Bürgermeisterin Gabi Coutandin.

Quelle: op-online.de

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