Kunst statt Geschmier an Wänden

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Mit legalen Graffiti will die Kinder- und Jugendförderung weiße Wände im Stadtgebiet verschönern oder verschmierte Wände in ansehnliche Kunstwerke umwandeln. Die Babenhäuser Graffiti-Gruppe „POR-Crew“ greift dabei gerne die Wünsche der Besitzer auf, wie dieses Motiv aus einem Kinderbuch zeigt.

Babenhausen ‐ „Graffiti sind für mich eine unterschätzte Kunstform“, sagt Michael Spiehl von der Kinder- und Jugendförderung der Stadt. Der Diplom-Sozialpädagoge muss es wissen, denn nicht nur am Schwimmbad oder an der Bahnunterführung hat er schon zahlreiche offizielle Aufträge und Projekte begleitet. Von Michael Just

Wie flott Graffiti aussehen können, sieht man am Ranishof mit dem Bembel, dem gallischen Hahn und den Fahnen“, sagt er. Viele Leute könnten gar nicht glauben, dass das nicht mit dem Pinsel, sondern „mit der Dose“ gemacht ist. Dass Spiehl seine Begeisterung für diese moderne Kunstform ernst meint untermalte er kurz vor Ostern, als bei ihm zu Hause die Sprüher anrückten. Sie gestalteten die Rückseite der Mauer, die das Familiengrundstück zur Bouxwiller Straße abgrenzt. Gerade die zahlreichen Wände entlang der Hauptstraße stellen regelmäßig ein beliebtes Ziel illegaler Sprüher dar, die in nächtlichen Aktionen ihre Schmierereien auftragen.

Schon länger hat sich deshalb bei den Verantwortlichen im Rathaus inklusive Bürgermeisterin die Meinung durchgesetzt, dass man illegalen Graffiti am besten mit legaler Sprühkunst zuvorkommt. So beschloss das Jugendforum 2007 in einer Klausurtagung, legale Graffiti-Flächen in der Stadt zu eruieren. Mit einem Kataster-Programm vom Bauamt wurden dieses Ziel im letzten Frühjahr nochmals forciert und Hauseigentümer mit prädestinierten Freiflächen ausfindig gemacht und angeschrieben. „Die Resonanz war aber bescheiden“, bedauert Spiehl: Von über einem Dutzend Anfragen kam nur eine zurück. Eine Sache, die er nicht versteht, denn neben der Prävention könnte man damit bereits beschmierten Wänden und damit dem einen oder anderen Schandfleck ein ansehnliches Gesicht geben.

Resonanz bisher ausschließlich positiv

Auf das Kunstwerk an der eigenen Mauer, das täglich hunderten von Autofahrern ins Auge fällt und mit dem der Sozialpädagoge seinen dreijährigen Sohn überraschte, ist der Familienvater stolz. So wurden der Bär, der Frosch oder das Zebra aus einem Kinderbuch entnommen. „Bisher war die Resonanz dazu ausschließlich positiv“, sagt Spiehl, der hofft, dass die bisherigen Kunstwerke in der Stadt als Zugpferd dienen. Mit den Graffiti-Künstlern Sven Groß (20), Jens Götschel (20) und Felix Tier (21) hat Spiehl drei gute Freunde der Jugendförderung an der Hand, die derzeit die einzigen professionellen Sprüher in Babenhausen sind.

Bei Interesse an einem Graffito gibt es zwei Wahlmöglichkeiten, die beide honorarfrei sind. Wer ein spezielles Motiv bevorzugt, bezahlt Material und das Mittagessen für die drei Künstler. Bucht man „Freestyle“, überlässt man dem Trio den Inhalt und es fallen keine Kosten an. Meistens entsteht dann ein sogenanntes „Tag“ in Form eines großen Schriftzuges. Die Wand wird mit weißer Farbe grundiert und die Aktion bei Ordnungsamt und Polizei angemeldet.

Wie die drei bedauern, sei Graffiti als Kunstform immer noch negativ belastet. „Die meisten Leute denken dabei immer an verschmierte Schulen“, weiß Sven Groß. Um jungen Sprühern eine Plattform zu geben und illegalen Werken zuvorzukommen, fordern sie deshalb, dass Babenhausen dem Vorbild Seligenstadts folgt: Dort hat die Stadt eine Mauer aufgestellt, die nach Lust und Laune von jedem besprüht werden kann.

Quelle: op-online.de

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