Kunststoffprofi und „Pflegepapa“

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Arbeitsalltag bei der Ausbildung zum Verfahrensmechaniker für Kunststofftechnik: Ben Bottner stellt an einer Extrusionsanlage den Düsenkopf ein.

Münster ‐ In die Zeitung wolle er eigentlich gar nicht, sagt Ben-Yorick Bottner und lächelt entschuldigend. Dass trotzdem folgende Zeilen über ihn zu lesen sind, hat deshalb nur einen Grund: „Ich tue es für die Firma.“ Von Veronika Szeherova

Dabei hat der 24-jährige Münsterer es gar nicht nötig, so bescheiden zu sein. Von der Industrie- und Handelskammer Darmstadt ist er jüngst als einer der besten Azubis Hessens im Jahr 2010 ausgezeichnet worden. Sein Ausbildungsbetrieb war das große Spezialchemieunternehmen Evonik Röhm in Darmstadt. Bottner absolvierte dort die Ausbildung zum „Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik.“ Bei den Abschlussprüfungen im Juni schaffte er beachtenswerte 95 Prozent, sowohl im praktischen als auch im theoretischen Teil.

Jedes Jahr ermittelt die IHK die besten Azubis der einzelnen Bundesländer. Diesmal haben es im hessenweiten Vergleich 14 Auszubildende aus der Region Darmstadt Rhein Main Neckar geschafft, ihre Abschlussprüfung als Landesbeste abzuschließen. Eine große Anzahl, die laut IHK-Präsident Dr. Hans-Peter Bach für die „hohe Technikkompetenz der Region“ spricht. In der Orangerie in Darmstadt ehrte er vor mehr als 200 Gästen die hessischen Top-Azubis.

Mathematik, Statik, Physik und Chemie können ihn nicht schrecken

Technikkompetenz ist ein Stichwort, das zu Bottner passt. Zum aktuellen Semester begann er ein Studium an der TU Darmstadt im Fach „Kunststofftechnik“. Selbst die Aussicht auf viel Mathematik, Statik, Physik und Chemie, ähnlich wie beim Maschinenbau-Studium, kann ihn nicht schrecken. Zunächst will er in sechs Semestern den Bachelor-Abschluss machen, „danach vielleicht auch den Master, je nachdem, wie´s läuft.“ Der Münsterer ist sich sicher, auf dem richtigen Weg zu sein: „Von der Ausbildung zu diesem Studium war der nächste logische Schritt. Das Technische macht mir total Spaß.“

Nach dem ersten Ausbildungsjahr, dass er in der Lehrwerkstatt verbrachte und wie bei einer Metallausbildung Drehen und Fräsen lernte, vertiefte er sich ab dem zweiten Lehrjahr in die Geheimnisse der Extrusion von Kunststoffen. Dazu gehörte es auch, entsprechende, große Maschinen und Anlagen zu bedienen. „Er war seit Jahren wieder ein ganz pflegeleichter Fall“, schwärmt Bernd Kirschner. Der Ausbilder für Verfahrens- und Industriemechaniker bei Evonik Röhm Darmstadt hat nur beste Erinnerungen an den Münsterer.

Jetzt genießt Bottner seine Studienzeit, ganz besonders das deutlich längere Ausschlafen, wie er lächelnd bekennt. „Und, wer weiß, vielleicht kehre ich eines Tages zu Evonik als Ingenieur zurück. Das ist aber momentan noch Zukunftsmusik."

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Quelle: op-online.de

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