„Kunterbunt“ bleibt in Ludwigstraße

Babenhausen - Die Kindertagesstätte „Kunterbunt“ entsteht neu - am alten Standort. In einer teils sehr emotional geführten Debatte hat sich die „Allianz für Babenhausen“ im Stadtparlament durchgesetzt und den schwarz-grünen Beschluss vom vergangenen Oktober in Teilen aufgehoben. Von Stefan Scharkopf

Dieser hatte vorgesehen, die Kita in der Heinrich-Heine-Straße neu zu bauen. SPD, FWB, FDP und „Bürger“ stimmten dafür, CDU und Grüne dagegen.

Unions - und Grünen-Sprecher wiederholten weitgehend ihr Argumente, die sie diese Wochen bereits presseöffentlich gemacht hatten (OP vom Donnerstag). In der Sitzung hatte die „Allianz“ noch weitere Beschlüsse der früheren Koalition kassiert, doch die Entscheidung zur Kita hat „bei mir die größte Bestürzung hervorgerufen“, sagte Frank Ludwig Diehl (Grüne). Er kritisierte, dass nach dem Oktober-Beschluss die Angelegenheit von der Verwaltung wohl nicht mit Nachdruck weiterverfolgt worden sei, denn dann hätte das Votum nicht mehr aufgehoben werden können. CDU-Fraktionsvorsitzender Friedel Sahm kritisierte harsch, dass der Tagesordnungspunkt nicht mehr in den Bauausschuss und den Ortsbeirat Kernstadt überwiesen worden sei, um auch die Bürger, vor allem die Eltern, zu unterrichten. Das widerspreche der von der „Allianz“ propagierten Bürgernähe und Offenheit. Ein Gutachten habe deutlich gemacht, dass die Heine-Straße der bessere Standort sei. Es gehe lediglich um das Durchpeitschen des Antrags.

Kindergarten in der Ludwigstraße seit langer Zeit heimisch

Dem widersprach die „Allianz“. Sie sieht die größte Akzeptanz der Bürger für die Ludwigstraße, dort sei der Kindergarten seit langer Zeit heimisch. Zudem sei das Areal dort größer und biete mehr Möglichkeiten, sagte Maria Steinmetz-Hesselbach (SPD). Wenn die Pläne für den Bau vorlägen, würden die Eltern darüber informiert; sie hätten Mitspracherecht. Frank Bornschlegell hielt den Vorwurf fehlender Bürgernähe für falsch, im vergangenen Herbst habe man in den parlamentarischen Gremien die Angelegenheit diskutiert, neue Details seien seither nicht dazu gekommen. Der FWB-Mann monierte, dass solch ein großes Projekt noch vor der Kommunalwahl entschieden worden sei.

Bürgermeisterin Gabi Coutandin wies den Vorwurf der Grünen zurück, den früheren Beschluss nicht zügig angegangen zu sein. Bereits im Dezember habe man die europaweite Ausschreibung auf den Weg gebracht und sich im März auf zehn Bewerber festgelegt, die für Juni zu einem Gespräch eingeladen würden. Für unbegründet hält die Verwaltungschefin auch die Auffassung der Opposition, dass es nur einen Teilneubau und Sanierungen geben soll.

Summe von 2,7 Millionen sei für Neubau nicht zu halten

Die Maßnahme sei ein kompletter Neubau. So soll es ein Raumangebot für vier Kita-Gruppen und drei Betreuungsgruppen für Kinder von einem bis drei Jahren geben und erweitert werden. Der Erlös durch den Verkauf des Geländes in der HeinrichHeine-Straße - gerechnet wird mit 580.000 Euro - soll zur Finanzierung herangezogen werden. Coutandin wies in der Sitzung darauf hin, dass die ursprünglich auf 2,7 Millionen festgelegte Summe für den Neubau nicht zu halten sei. Lege man die gesetzlich vorgeschriebenen 20 Prozent der Bausumme für die Ingenieurleistung zugrunde (540000 Euro) und 500 000 Euro an Mehrwertsteuer, sei die erste Million schon weg. „Für 1,7 Millionen ist das Grundstück mit Ankauf des Nachbargrundstücks, sechsgruppigem Kindergarten, Einrichtung, Außengelände und Parkplätzen nicht zu haben“, so Coutandin. Für die Opposition ein Grund mehr, das Bauvorhaben noch mal im Ausschuss zu diskutieren.

Kinder könnten während Mittagspause nicht schlafen

Dass die Baumaßnahme sich über anderthalb Jahre hinzieht und Kinder und Erzieherinnen belastet, sehen auch die Befürworter. CDU/Grüne warnten vor dem Baulärm. So könnten jüngere Kinder in der Mittagspause nicht schlafen. Die Sprecher der „Allianz“ hielten dagegen, dass die Maßnahmen auf dem Gelände für die Kinder auch spannend sein könnten. Heinrich Kolb: „Wir sollten uns trotz eineinhalb Jahren Bauzeit nicht für die falsche Lösung entscheiden.“

Und Ingrid Schumacher: „Ein Kindergarten gehört in die Stadt und nicht an den Rand.“

Durchgesetzt hat sich die „Allianz“ bei noch weiteren Tagesordnungspunkten: So wird es ein Gewerbegebiet „Nördlich der Aschaffenburger Straße“ geben und für das Gewerbegebiet „Hinter der Altdörfer Kirche, Teil 2“ wird ein Quadratmeterpreis von 85, statt wie üblich 100 Euro erhoben. CDU/Grüne hatten sich seinerzeit dagegen ausgesprochen (weiterer Bericht folgt).

Quelle: op-online.de

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