Kurs als Eintrittskarte in die Wehr

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Sie will zwar nicht in den aktiven Dienst eintreten, aber als Vorgesetzte die Praxis kennenlernen: Bürgermeisterin Gabi Coutandin (Mitte) gewinnt einen Eindruck von der Arbeit der Feuerwehr.

Babenhausen ‐ Zu ihren alltäglichen Aufgaben gehört es nicht, eine Feuerwehrsteckleiter an ein Gebäude zu stellen und nach oben zu klettern. Darüber ist sie nicht unglücklich, denn „ich habe ziemliche Höhenangst“, gibt Bürgermeisterin Gabi Coutandin am Samstagnachmittag auf dem Hof des Babenhäuser Feuerwehrstützpunktes offen zu. Von Petra Grimm

Dafür muss man sich nicht schämen und es ist in diesem Fall auch kein Problem. Denn die Rathauschefin, die derzeit am Grundlehrgang der Feuerwehr des Landkreises Darmstadt-Dieburg teilnimmt, plant ja nicht in den aktiven Feuerwehrdienst zu gehen und Menschen aus brennenden Häusern zu retten. „Ich möchte als Dienstvorgesetzte durch meine Teilnahme am Lehrgang die Strukturen von Innen kennen lernen“, erklärt sie. „Ich kenne ja die Praxis und die Abläufe nicht.“ Es sei ein vielfältiges technisches und sehr differenziertes Wissen, das die Feuerwehrleute haben müssten. Beeindruckt habe sie vor allem auch, wie viel die Jugendfeuerwehrleute schon wissen, so die Bürgermeisterin im Feuerwehranzug, die sich dann doch einige Stufen auf der Leiter noch oben traut.

Über 60 Stunden in Theorie und Praxis

Der größte Teil der 38 Teilnehmer aus dem gesamten Kreisgebiet, die am vergangenen Mittwoch mit ihrem Grundlehrgang begonnen haben, ist deutlich jünger. „Die meisten Aktiven kommen direkt aus der Jugendfeuerwehr. Quereinsteiger gibt es leider nur sehr wenige. Deshalb haben wir auch einen Mangel an Einsatzkräften zwischen 30 und 45 Jahren“, sagt der Kreisbrandmeister für Ausbildung, Christian Wolf aus Otzberg. Er leitet den vier Wochen dauernden Kurs, in dem die Teilnehmer über 60 Stunden in Theorie und Praxis die Grundlagen der Feuerwehrarbeit erlernen. Geräte- und Materialkunde, Brand- und Löschlehre oder auch Einsatzstellenkunde gehören zum umfangreichen Ausbildungsprogramm. Beim praktischen Teil wird Wert auf Teamwork gelegt. „Es geht darum, die Zusammenarbeit zu lernen“, erklärt der Ausbilder Karl Heinz Hergesell aus Ober-Ramstadt. „Zum Abmarsch fertig!“ ruft er den jungen Leuten in seiner Gruppe zu. Auch die Bedeutung der verschiedenen Kommandos muss sitzen.

Hochleistungssportler muss man nicht sein

Der erfolgreich absolvierte Kurs ist quasi die Eintrittskarte in die aktive Wehr. Immer Mittwoch- und Freitagabend und den kompletten Samstag kommen die zukünftigen Feuerwehrfrauen und -männer noch bis Ende März in Babenhausen - einem der Ausbildungsstandorte des Landkreises - zusammen. Besonders erfreulich bei diesem Lehrgang sind die acht Frauen, inklusive der Bürgermeisterin, die gemeinsam mit den Männern büffeln und Schläuche ausrollen. „Da scheint die Kampagne unseres Kreisjugendfeuerwehrwartes Manuel Feick etwas genützt zu haben. Wir haben hier fast ein Viertel weibliche Teilnehmer“, freut sich Ausbildungsleiter Christian Wolf und betont: „Feuerwehr ist nämlich keine reine Männerdomäne“.

Die Kondition der Teilnehmer war bei den praktischen Übungen in eisigen Temperaturen am Samstag auf jeden Fall gefordert. „Hochleistungssportler muss man nicht sein, um bei der Feuerwehr mitzumachen. Aber eine gewisse körperliche Fitness ist Voraussetzung“, sind sich Wolf und Stadtbrandinspektor Mario Wörner einig.

Quelle: op-online.de

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