Kurzarbeit, aber keine Entlassungen

+

Babenhausen - Die Zeiten sind schwierig – dieser Tage war von der IG Metall zu hören, dass Continental in Hessen erneut Mitarbeiter entlassen will. Der Autozulieferer samt seines Werks in Babenhausen gehört nach der Übernahmeschlacht zum Familienunternehmen Schaeffler.

Bereits vor der Wirtschaftskrise sind in den hessischen Standorten mehrere hundert Stellen abgebaut worden – auch in Babenhausen. Sowohl Conti als auch Schaeffler sind hoch verschuldet. Wie es um das Werk in Babenhausen bestellt ist, darüber hat Redakteur Alexander Klug mit der Sprecherin der Division „Interior“ Susanne Einzinger gesprochen.

Frau Einzinger, wie schätzen Sie die Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise auf die Schaeffler-Gruppe mit ihrem Werk in Babenhausen ein?

Als Automobilzulieferer ist Continental von den derzeitigen negativen Entwicklungen in der Pkw-Branche direkt betroffen. Wir haben unsere Kapazitäten bereits zum Jahresende 2008 an die Produktionskürzungen unserer Kunden angepasst. Dabei greifen wir weltweit flexibel auf verschiedene Instrumente zurück. Außerdem haben wir eines der bislang größten Kostensenkungsprogramme initiiert. Nicht dringend erforderliche Investitionen werden verschoben, die Ausgaben für Forschung und Entwicklung an die veränderten Programme unserer Kunden angepasst, die Reisekosten gekürzt und vieles mehr. Natürlich spürt auch das Automotive-Werk in Babenhausen die Auswirkungen.

Wie hängen Conti und Schaeffler zusammen?

Die Schaeffler-Gruppe ist seit Januar mit maximal 49,99 Prozent der Anteile der Continental AG größter Einzelaktionär und darüber hinaus mit vier Sitzen im Aufsichtsrat der Continental AG vertreten. Beide Unternehmen – Continental und Schaeffler – agieren auch weiterhin selbstständige. Im Rahmen einer Einkaufskooperation arbeiten jedoch die beiden Unternehmen seit Ende März im Automotive-Bereich zusammen.

Wie reagiert Continental auf die weltweite Krise?

Als Reaktion auf die dramatischen Einbrüche im Automobilmarkt haben wir mit verschiedenen Maßnahmen reagiert. Schon Ende 2008 konnten wir wegen der sich massiv verschlechternden Auftragslage rund 5 000 Leiharbeits- und Zeitarbeitskräfte weltweit nicht weiter beschäftigen. Wir haben außerdem die ganze Palette an flexiblen Personalinstrumenten eingesetzt, um weltweit über den Abbau von Überstunden, Zeitkonten und Urlaubsregelungen die Stammbelegschaft so weit wie möglich halten zu können. Außerdem setzen wir insbesondere in Deutschland das Mittel der Kurzarbeit sowohl im Produktions- als auch Verwaltungsbereich ein. Trotz dieser Umsetzungen kommen wir um Restrukturierungen allerdings nicht herum.

Wie könnten diese „Restrukturierungen“ das Werk in Babenhausen mit seinen rund 2300 Arbeitsplätzen betreffen?

Um der weltweiten Wirtschaftskrise entgegen zu wirken, wurde zu Beginn des Jahres am Standort Babenhausen Kurzarbeit eingeführt. In den einzelnen Fachbereichen wie Entwicklung, Technik, Verwaltung und Produktion sind monatlich ungefähr 70 Prozent der Belegschaft von Kurzarbeit betroffen. Eine Erweiterung der individuellen Kurzarbeitstage kann zurzeit nicht ausgeschlossen werden, da keine konkreten Planungsdaten seitens der Automobilhersteller vorliegen. Darüber hinaus wurde der Einsatz von Leiharbeitskräften beendet. Wegen der eingeleiteten Maßnahmen konnten bis heute betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden.

Die Stadt macht sich Sorgen um die größte Firma im Ort – und um ihre Einnahmen. Wie schätzen Sie die Entwicklung der Gewerbesteuer ein?

Wir bitten um Verständnis, dass wir keine derartige Prognose geben können.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare