Im Lager nichts Zufall überlassen

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Auf die Plätze, fertig, los: Der Kreisjugendfeuerwehrtag in Babenhausen zog 850 Kinder, Jugendliche und Betreuer aus den 69 Kreisjugendwehren an.

Babenhausen - Es gibt Fragen, die lassen sich weder mit wenigen Schlagwörtern noch mit einem einzigen Satz beantworten. Von Michael Just

Bei der Bedeutung desKreisjugendfeuerwehrtags (KJFT) muss Johannes Hucke, zuständig für die Pressearbeit beim Kreisnachwuchs, schon ausholen: „Es ist der Höhepunkt des Jahres, quasi ein Festtag mit der Möglichkeit zum Kennenlernen und Austauschen. Dazu geht es um das spannende Wir-Gefühl und natürlich die Leistungsspange, die höchste Auszeichnung, die man bei der Jugendwehr erreichen kann. “.

Am Wochenende fand der KJFT über drei Tage lang in Babenhausen statt. 850 Kinder und Betreuer aus den 69 Kreisjugendwehren und der Stadt Darmstadt rückten in die eigens aufgeschlagene Zeltstadt zwischen Harreshäuser Allee und Offener Schule an. Auf 25 000 Quadratmeter Fläche waren über 100 Zelte errichtet. Nach 1996 fand der KJFT zum zweiten Mal in Babenhausen statt. Wenn auch nicht ganz so vielfältig wie bei Olympia, mussten sich Babenhäuser Jugendwehren als Ausrichter zuvor mit einem Konzept bewerben und dabei ihr Programm präsentieren. Dass sie vor zwei Jahren die einzigen Bewerber waren, spricht dafür, dass die Ausrichtung ein Höchstmaß an Engagement und Fleiß voraussetzt.

Zeltlageratmosphäre gibt es nicht nur bei den Pfadfindern sondern auch bei der Jugendfeuerwehr.

„Schon letztes Jahr im August gingen die Vorbereitungen los“, erzählt Stadtjugendfeuerwehrwart Frank Herdt. Zusammen mit seinem Stellvertreter Thomas Fischer sowie Stadtbrandinspektor Mario Wörner und dem Feuerwehr-Vereinsvorsitzenden Heinrich Siebenschuh übernahm er die Gesamtkonzeption und -koordination der rund 250 Helfer.

Dass der KJFT, mittlerweile im 32. Jahr, nach stereotypen Mustern verläuft, verneint Herdt. „Wir haben diesmal diverse Dinge anders gemacht.“ Unter anderem wurden die Turniere verkleinert mit dem Ziel, den Stress herauszunehmen. Stattdessen wurden mit Unterstützung von lokalen Vereinen sowie der städtischen Kinder- und Jugendförderung eine Spielstraße und eine Stadtrallye angeboten. Mit einer Zeltdisco und der Band „Alles Franziska“ ging´s es auch abends entspannt bei Cola und Apfelsaftschorle zu.

Ob es nicht Gruppen gibt, die abends nach Hause fahren weil sie lieber im eigenen Bett schlafen? Johannes Hucke schüttelt den Kopf: „Kein Zeltlager ohne Teamgeist“, lautet seine Antwort. Das wird auch an vielen anderen Ecken der „Stadt in der Stadt“ auf Bannern wie „Erlebe die Gemeinschaft“ und „Gemeinsam stark“ sichtbar. „Nur so funktioniert Feuerwehr“, wirft Hucke ein.

Es herrscht Gaudi pur

Ein Blick in die großen, weißen Zelte verrät, dass es ohnehin an nichts fehlt: Auf einem Feldbett hat ein junger Kamerad sein Federbett samt Bayern-München-Bettwäsche ausgebreitet. Aus einer Kiste ragen Fuß- und Federball, auf den Tischen liegt Knabberzeug, draußen wird gegrillt und bei reichlich Lageratmosphäre geklönt. Zwei mehrere Meter lange Waschbecken entpuppen sich nicht vorrangig zur Körperreinigung: Als ob das Nass von oben nicht ausreicht, sind sie Tankstellen für zahlreiche Wasserschlachten.

Es herrscht Gaudi pur, die Nachwuchs-Blauröcke befinden sich quasi in ihrem ureigenen Element. „Wäre jetzt noch die Sonne da, würden noch mehr Wasserbomben fliegen“, weiß Hucke rückblickend auf die letzten KJFT-Auflagen.

Bis auf das Wetter erhielten die Ausrichter um Frank Herdt bis Sonntagnachmittag keine Beschwerden. Wie auch, als nahezu perfekt offenbarte sich die Planung, nicht zuletzt beim Essen. Wie in einem Hotel gab es morgens ein Frühstücksbuffet, später dann Leckereien wie Gyros und Reis.

Das Mensa-Team der Gesamtschule und das Küchenteam der Babenhäuser Wehr ließen keine Wünsche offen. Für den Extra-Hunger gab es sogar ein Kiosk mit einer Kuchentheke. Sogar eine Notevakuierung war von den Verantwortlichen eingeplant, falls unerwartet ein Wirbelsturm aufgezogen wäre. Dann hätte man binnen 20 Minuten Mann und Maus in die zwei großen Sporthallen der Offenen Schule verfrachtet.

Für den beeindruckenden Auftritt, den der KJFT in Babenhausen hinlegte, hat Johannes Hucke die passende Erklärung parat: „Wir können nichts dem Zufall überlassen. Das muss funktionieren, wir sind schließlich die Feuerwehr.“

Quelle: op-online.de

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