Vier-Generationen-Bauernhof

Traditionelles und neue Wege

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Wie ein Hof sich über die Zeit verändert: Die Landwirte Horn setzen auf Bewährtes, aber gerne auch auf Nischen. Vier Generationen leben auf dem landwirtschaftlichen Hof Horn: (vorne) Gerda und Karl-Heinz Horn, (hinten von links) Manfred und Christel Horn, Svenja und Jakob Schulz sowie Christian Horn.

Babenhausen - Vier Generationen leben „Im Eichen 1“, dem Bauernhof von Landwirt Manfred Horn. Obwohl das auch nicht mehr so ganz stimmt, der Senior teilt sich inzwischen die Verantwortung mit seinem Sohn Christian. Von Ulrike Bernauer

Gegründet haben den Hof die Eltern Karl-Heinz und Gerda Horn, sie siedelten 1960 aus Babenhausen aus. Seitdem hat sich der Hof stark verändert. Gab es in der Zeit, in der die Eltern den Hof leiteten, hauptsächlich Getreideanbau und Milchviehhaltung, so sind die beiden Landwirte Manfred und Christian nun vielseitiger aufgestellt. Getreide, wie Winterweizen, Roggen und Winter- und Sommerbraugerste bauen sie immer noch an. Zum bäuerlichen Portfolio gehören aber auch Zuckerrüben, Winterraps, Körnermais, Dinkel und Körnerfenchel. Die Milchviehhaltung gab Manfred Horn im Jahr 1999 auf, dafür stehen jetzt Pensionspferde auf dem Hof, und Sohn Christian hat sich einem eher gärtnerischen Gewerbe zugewandt, er produziert auf 13 Hektar Rollrasen für den Garten- und Landschaftsbau.

Insgesamt 170 Hektar bewirtschaften Vater und Sohn und für sie bietet die Kulturvielfalt Vorteile. Sind die Wetterbedingungen für ein Produkt nicht optimal und der Ertrag sinkt, dann können sie das unter Umständen mit einer anderen Kultur wieder ausgleichen. „Außerdem verteilt sich die Arbeit auch besser, weil die Kulturen zu unterschiedlichen Zeiten ausgesät werden müssen und auch die weiteren Bearbeitungsschritte zu unterschiedlichen Zeiten erfolgen und insgesamt das Erntefenster auseinander gezogen wird“, sagt Manfred Horn. Außerdem können die beiden Bauern die unterschiedlichen Böden, die sie bearbeiten, besser ausnutzen. Mancher Ackerboden ist mit sandigem Lehm eher leicht, andere in den Senken sind mit tonigem Lehm sehr schwer. Auf Beregnung müssen auch die Horns zurückgreifen, sie gehören dem bereits 1952 gegründeten Beregnungsverband Harreshausen an. Beide Landwirte sind auch immer dafür, mal etwas Neues auszuprobieren. So ist Dinkel ein nicht gerade alltägliches Produkt, also noch eine Nische, die sich Vater Manfred zu Nutze machen will. Hier ist er auch in den Vertrieb mit eingestiegen und bemüht sich um eine gläserne Produktlinie. Der Verbraucher soll den Weg des Dinkels vom Acker bis zum Brötchen verfolgen können, in das er gerade herzhaft hinein beißt. „Glücklicherweise wächst die Nachfrage nach Dinkel zurzeit“, freut sich Manfred Horn. Neue Wege beschreitet er auch mit dem Anbau von Fenchel. Früher probierte Horn es auch mit dem Anbau von Johanniskraut und Baldrian, aber der Weg zum Verarbeiter in Reinheim war dann zu weit. Bei Körnerfenchel ist das kein Problem, die Körner sind unempfindlich und verlängern mit ihrer späten Ernte im Oktober das Erntefenster.

Hoffest gewährt Einblicke in die Landwirtschaft

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Sohn Christian, der vor zwei Jahren als gleichberechtigter Partner in den väterlichen Hof einstieg, kümmert sich vorrangig um die Pferde und den Rollrasen. Letzterer ist arbeitsintensiv und erfordert viel Beregnung vor allen Dingen in heißen Tagen. Neue Wege gehen die Horns teilweise auch bei der Schädlingsbekämpfung. Hier wird nicht nur Chemie eingesetzt, sondern mitunter auch Nützlinge, die dann wiederum den Schädlingen zusetzen. „Das liegt zum Teil auch daran, dass es für Sonderkulturen, die wenig angebaut werden, auch gar keine Pflanzenschutzmittel gibt, die Entwicklung lohnt sich für die Unternehmen nicht.“ Alles in allem sind die Horns zufrieden mit ihrem Hof. Manfred Horns Vater und Mutter leben noch in der Großfamilie, Sohn Christian hat mit Enkel Jakob auch noch die vierte Generation unters Dach gebracht. Bleibt nur die spannende Frage: Wird auch der Jüngste später mal ins Familienunternehmen einsteigen? Auf die Antwort wird man allerdings noch ein paar Jahre warten müssen.

Quelle: op-online.de

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